LG Chem erwartet Elektroauto-Boom in Europa Akku-Fabrik soll Europas Elektroauto-Hersteller beflügeln

Audis Elektro-SUV-Studie e-tron quattro: Ende 2018 kommt die Serienversion des Autos, die Akkus hat LG Chem mitentwickelt

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Nun gut, ein milliardenteures Riesengebäude in der Wüste wird es nicht. Doch anders als der US- Elektroautohersteller Tesla  will der koreanische Batteriespezialist LG Chem auch nicht die Welt vom Joch der Verbrennungsmotoren befreien und dafür eine ganz unbescheiden Gigafactory genannte Batteriefabrik hochziehen.

Gute Geschäfte, keine Weltrettung, erhoffen sich die Koreaner jedoch in Europa. Und deshalb nehmen sie eine Menge Geld in die Hand, um in der Nähe der großen europäischen Autohersteller ein Werk für Lithium-Ionen-Akkus aufzubauen.

Etwas mehr als 320 Millionen Euro wird LG Chem in den Bau einer Batteriefabrik im polnischen Breslau (Wrocaw) stecken, wie die Batterietochter des koreanischen Elektronikkonzerns gestern bekanntgab. Das Werk, laut LG Chem die erste große europäische Fabrik für Lithium-Ionen-Elektroautoakkus, soll bereits ab der zweiten Jahreshälfte 2017 den Betrieb aufnehmen. Rund 41.000 Quadratmeter groß wird die Fabrik, die an ein bereits bestehendes LG-Werksgelände angedockt wird. Ab Ende 2018 kann sie mehr als 100.000 Elektroauto-Batterien pro Jahr produzieren.

Von Breslau aus sind nicht nur die Automobilfabriken in Tschechien, der Slowakei und Nordungarn gut zu erreichen. Auch Sachsen und VWs Riesenwerk in Wolfsburg lassen sich per Güterzug innerhalb weniger Stunden ansteuern.

Hat LG Chem bereits Großaufträge von Autoherstellern?

Allerdings soll LGs Werk auch anders als Teslas Gigafactory keine Riesen-Akkus für Langstrecken-Stromer produzieren. Laut den Koreanern sollen in dem Werk Batterien für Elektroautos mit einer Reichweite von bis zu 320 Kilometern entstehen. Die vor kurzem auf dem Pariser Autosalon vorgestellten E-Auto-Konzepte von Volkswagen und Mercedes sollen aber rund 500 Kilometer Reichweite im Elektro-Tank haben. Auch Audis Elektro-SUV, der Ende 2018 auf den Markt kommt, bewegt sich in dieser Dimension.

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Die von LG selbst auferlegte Einschränkung weist eher darauf hin, dass die Koreaner bereits konkrete Aufträge vorliegen haben und ihr Werk auf diese Kunden maßschneidern. Denn auf dem Pariser Autosalon standen auch einige Elektro-Modelle, die ziemlich genau der von LG angegebenen Reichweite entsprechen.

So verpasste Renault seinem Elektroauto Zoe eine stärkere Batterie, die im offiziellen, wenig praxisnahen Prüfverfahren auf rund 400 Kilometer Reichweite kommt. Renaults bisheriger Lieferant für Elektroauto-Batterien ist - Überraschung - LG Chem.

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Die Koreaner liefern auch die Lithium-Ionen-Akkus für Fords E-Auto-Version des Focus, entwickelten die Batterien für die GM-Plugin-Hybride Chevrolet Volt, dessen Schwestermodell Ampera und den Cadillac ELR. Die 60-kWh-Akkus des Pariser Messestars Opel Ampera-e stammen ebenfalls von LG Chem.

Warum LG Chem auch bei Volkswagen gute Karten hat

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An potenziellen Kunden dürfte es auch in der deutschen Autoindustrie bald kaum fehlen. Denn Mercedes-Benz will neben seinen Plugin-Hybriden bis 2025 auch 10 reine Elektroauto-Modelle auf den Markt bringen. BMW will seine Elektroauto-Pläne beschleunigen, bis 2020 sollen ein E-Mini und ein X3 mit reinem Elektroantrieb auf den Markt kommen.

Mit BMW könnte LG Chem bald stärker ins Geschäft kommen. Zwar liefert bisher LGs koreanischer Rivale Samsung SDI die Batterien für BMWs Karbon-Stromer i3. Doch Anfang September berichtete die zum Korea Herald gehörende Online-Ausgabe von "The Investor", dass LG Chem mit BMW einen größeren Vertrag abgeschlossen hat. Gegenstand des Vertrages sei die Lieferung von Niedrigvolt-Lithium-Ionen-Batterien, wie sie in Plugin-Hybriden eingesetzt werden. Die ließen sich wohl auch in der neuen polnischen Fabrik fertigen.

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Am ehrgeizigsten sind jedoch die Pläne des Volkswagen-Konzerns, der mit einer E-Auto-Offensive dem Diesel-Skandal davonsurren will. In neun Jahren will Europas größter Autohersteller jährlich mindestens zwei Millionen Elektroautos verkaufen, 30 E-Modelle will der Konzern dafür in den kommenden Jahren auf den Markt bringen.

Rivale Samsung SDI setzt auf Batteriewerk in Ungarn

Um das zu schaffen, werden die Wolfsburger Lithium-Ionen-Zellen von gleich mehreren Werken benötigen. Eigene Batteriefabriken sind dabei denkbar, heißt es bei Volkswagen, die sollen mit Partnern betrieben werden. Entscheidungen über den Bau möglicher Werke und Kooperationspartner sollen bis Jahresende fallen.

LG Chem hat dabei durchaus gute Karten. Denn LG entwickelt gemeinsam mit dem koreanischen Mitbewerber Samsung SDI die Akkus für Audis Elektro-SUV. In Berichten wurde LG bereits als möglicher Batteriepartner für VW genannt. Mit dem Investment in Polen will LG wohl auch beweisen, dass die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen auch in Europa wirtschaftlich möglich ist.

Das will auch Samsung SDI zeigen: Im ungarischen God nahe Budapest stampfen die koreanischen LG-Rivalen ein Batteriewerk aus dem Boden. Sie investieren rund 320 Millionen Euro und wollen jährlich Batterien für 50.000 Elektroautos produzieren.

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