Premiere des Audi E-tron GT Wie Audi die Elektro-Luxusklasse umpolen will

Die Weltpremiere der Elektrolimousine Audi E-tron GT soll den Startschuss setzen zur ernsthaften Jagd auf Tesla. Erste Elektroerfolge kann Audi bereits für sich verbuchen – doch der große Bewährungstest steht noch bevor.
Erhoffter Bannerträger: Audis E-tron GT soll die Elektrolimousinen-Oberklasse aufmischen

Erhoffter Bannerträger: Audis E-tron GT soll die Elektrolimousinen-Oberklasse aufmischen

Foto: Audi

Das zeugt von langer Planung für eine Auto-Premiere: Einen Tag vor der Präsentation seiner neuen Elektrolimousine machte Audi-Chef Markus Duesmann (51) die Marschrichtung öffentlich. Den US-Elektroautobauer Tesla soll die Vier-Ringe-Marke "nicht nur einholen, wir wollen überholen", erklärte er gegenüber dem "Handelsblatt".

Bereits Ende Januar hatte manager magazin berichtet, dass Audi gemeinsam mit der VW-Konzernschwester Porsche ein eigenes Ladenetz für Elektroautos plant  – mit besonders schnellen Ladestationen, voraussichtlich eingebettet in kleine Markenzentren. Luxusladen für anspruchsvolle Kunden also, denen Audi nun das dafür passende Fahrzeug präsentieren kann: Den Audi E-tron GT, den die Ingolstädter Corona-bedingt rein online vorstellen.

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Tesla-Fighter: Der Audi E-tron GT in Bildern

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Das Fahrzeug soll Audi den Weg Richtung Elektroauto-Oberklasse ebnen, in der die Ingolstädter zuletzt zwar punkten konnten – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung. Zwar verkauften sich Audis erste rein batteriegetriebene E-Modelle, der SUV E-tron und sein Coupé-Abkömmling Sportback, im vergangenen Jahr zwar in Norwegen und den Niederlanden sehr gut. Und in Deutschland, so betonte Duesmann jüngst, liege der E-SUV beim Absatz deutlich vor Teslas Model S und Model X.

Allerdings: In puncto Reichweite ist Audis Elektrogeländegänger ein gutes Stück weit von Teslas Model X entfernt, zudem steht der seit 2018 gebaute E-SUV auf einer nur für dieses Modell adaptierten Plattform, die beschränkte Möglichkeiten für den Bau weiterer Varianten bietet.

Beim GT ist das anders: Der steht auf einer von Porsche entwickelten Basis, die der Sportwagenbauer bereits für seinen Elektrosportler Taycan nützt. Anders als der E-Porsche soll Audis Limousine ein "souveräner Gleiter" sein, versprechen die Ingolstädter – also ein sportlicher Reisewagen. Der GT tritt mit mindestens 476 PS an und einer Reichweite von bis zu 488 Kilometern je Akkuladung laut WLTP-Testzyklus. Den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft die GT-Basisversion in 4,1 Sekunden.

Wie beim Sportwagenbruder Taycan ist auch ein Schnelladesystem an Bord, das Gleichstromladen mit bis zu 270 kW Leistung ermöglicht. Übersetzt heißt dies: Die Ladung von 0 auf 80 Prozent Akkukapazität schafft der GT an entsprechend hochgerüsteten Ionity-Ladesäulen in rund 20 Minuten.

Noch im Frühjahr 2021 kommt der GT in den Handel – zum Grundpreis von 99.800 Euro für die Basisversion Audi E-tron GT quattro. Das mit 598 PS deutlich üppiger motorisierte Modell mit der etwas umständlichen Bezeichnung RS E-tron GT quattro soll in Deutschland ab 138.200 Euro zu haben sein.

Audis Elektroautooffensive rollt nun richtig an

Der GT ist die Fortsetzung von Audis Elektroautooffensive, die bereits erste Erfolge zeigt: So hat Audi laut Eigenangaben die CO2-Flottenziele für Europa im Jahr 2020 übererfüllt – auf Basis vorläufiger Werte, wie die Ingolstädter Mitte Januar bekanntgaben. Positiven Einfluss darauf hätten die deutlich gesteigerten Auslieferungen des SUVs E-tron und seiner Variante Sportback gehabt, hieß es damals, sowie die insgesamt neun Plugin-Hybridmodelle von der Kompaktbaureihe A3 bis hin zum Oberklassegeländewagen Q7.

Bis 2025 will Audi mehr als 30 elektrifizierte Modelle anbieten, davon rund 25 elektrische. In den kommenden vier Jahren will Audi 15 Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Autos stecken. Zugleich werden Verbrennermotoren weiterentwickelt, die Ende des Jahrzehnts noch die Hälfte der Verkäufe ausmachen dürften. Das sei "ein enormer Kraftakt", sagte Duesmann vor kurzem.

In diesem Jahr will Audi aber nicht nur mit dem GT auf Tesla-Jagd gehen. Die VW-Tochter wird 2021 auch noch einen kompakten Elektro-SUV vorstellen, den Q4 E-tron. Dieses Modell wird auf Basis von VWs Elektroautoplattform MEB gebaut, auf der bereits Herbert Diess' E-Auto-Hoffnungen ID.3 und ID.4 vom Band laufen.

Der nun vorgestellte GT bietet den Audianern aber ebenfalls noch Luft nach oben: Audis Verbrennerluxuslimousine A8 hat noch kein vollelektrisches Pendant. Als Unterbau für einen Elektro-A8 würde sich die beim Taycan und Audi GT verwendete Luxuselektroautoplattform mit dem Kürzel J1 eignen. Für die Zukunft konzipieren Audi und Porsche gemeinsam eine neue Elektroplattform mit dem Kürzel PPE, das für "Premium Platform Electric" steht.

Erhofftes Überholmanöver mit "Artemis"

Mit der beim Taycan und E-tron GT verwendeten J1-Plattform gibt es noch ein kleines Problem: Tesla baut in seine Fahrzeuge aktuell leistungsstärkere Batterien ein, als sie in der J1 zum Einsatz kommen. Damit hat die US-Konkurrenz bei dieser für Langstreckenfahrer wichtigen Kennzahl noch die Nase vorn. Deshalb arbeitet Audi bereits am Projekt "Artemis". Unter diesem Codenamen soll Audi die Entwicklung zusätzlicher Elektroautomodelle beschleunigen. Die neue "Artemis"-Fahrzeugarchitektur soll auch die Weiterentwicklung des Softwarebetriebssystems VW.OS 2.0 beinhalten.

Erste Autos auf Artemis-Basis sollen im Jahr 2024 auf den Markt kommen – also in drei Jahren. Tesla arbeitet ebenfalls an neuen Plattformen, am Horizont taucht aber auch ein neuer potenzieller Gegner auf: Der Elektroautobauer Lucid Motors, dessen erstes Modell "Air" im Frühjahr auf die Straße kommen soll. Lucid-Chef Peter Rawlinson war einst Chefingenieur von Teslas Model S, nun will er seinem einstigen Arbeitgeber kräftig Konkurrenz machen: Mit einem Fahrzeug, dass dank 120 kWh-Akku über 800 Kilometer weit mit einer Akkuladung kommt, schneller laden kann als die Tesla-Modelle und den Sprint von 0 auf 100 km/h in rund 2 Sekunden schafft.

Von solchen Werten ist Audis GT noch ein Stück weit entfernt. Doch in welche Richtung das für 2024 avisierte Projekt der Ingolstädter zielt, wird schon am Namen überdeutlich: In der griechischen Mythologie war Artemis die Göttin der Jagd.

wed
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