Donnerstag, 20. Juni 2019

Onlinehändler tastet sich in Autobranche vor Amazon investiert in Elektro-Pickup-Hersteller Rivian

Cooles Design und elektrischer Antrieb - so will das Start-up Rivian das verkrustete Pick-Up-Segment aufbrechen.

Es sind keine Unsummen, die Amazon plötzlich in die Autobranche steckt - doch strategisch sind sie durchaus spannend: Nach einer kürzlich verkündeten Beteiligung am Selbstfahr-Start-up Aurora steigt der Logistikriese nun auch bei einem US-Hersteller von Elektro-Pickups ein.

Wie Rivian bekannt gab, führt Amazon Börsen-Chart zeigen die jüngste, 700 Millionen Dollar schwere Finanzierungsrunde des Start-up als Hauptinvestor an. Details über die Höhe der Amazon-Investition verlautete Rivian nicht. Ein klar dreistelliger Millionenbetrag dürfte es wohl sein, denn neben Amazon ist laut US-Medienberichten nur ein zweiter Investor bei der Finanzierungsrunde an Bord: Der saudi-arabische Autovertriebs- und Energiekonzern Konzern Abdul Latif Jameel, der schon bisher zu den Hauptsponsoren des Start-ups zählte.

Rivian wurde 2009 gegründet und werkte jahrelang im Verborgenen. Bei der Automesse in Los Angeles im vergangenen November sorgte das Start-up mit zwei massigen, fast serienreifen Modellen für Aufsehen: dem SUV R1S und dem Pickup R1T. Beide Rivian-Modelle sollen mit einer Akkuladung bis zu 640 Kilometer weit fahren, mit ihren 750 PS beschleunigen sie in wenigen Sekunden auf 100 km/h.

Bereits im kommenden Jahr will Rivian die ersten Fahrzeuge ausliefern - und könnte damit dem Elektroauto-Pionier Tesla zuvorkommen, der ebenfalls einen Elektro-Pritschenwagen plant. Mit seinem SUV würde Rivian zudem Teslas Model X angreifen, aber auch die großen SUVs von General Motors und Ford.

Was der Rivian-Einstieg Amazon langfristig bringen könnte

Der Markt für Pickups in den USA ist riesig, Fords massiger F150 ist seit Jahrzehnten das meistverkaufte Fahrzeug in den USA. Allerdings sind herkömmliche Pickups mit Verbrennungsmotor bereits ab rund 25.000 Euro erhältlich, während Rivians leistungsstarke Modelle wohl eher jenseits der 60.000 Euro starten dürften.

Wie Amazon von seinem Einstieg bei dem von US-Medien gelobten Start-up profitieren könnte? US-Autoanalysten meinen, dass sich der Online-Händler so Vorteile für die eigene Logistik verschaffen könnte. Mit dem Zugang zu Rivians Technologie könnte Amazon wohl ein Stück weit die Spezifikationen für künftige Elektro-Lieferwägen in den Städten selbst mitbestimmen - und sich letztlich einen größeren Anteil an der 900 Milliarden Dollar schweren US-Logistikbranche sichern.

Mit dem kürzlich erfolgten Investment in das Start-up Aurora hat Amazon zudem einen vielversprechenden Partner für das autonome Fahren an der Hand. Aurora entwickelt Selbstfahr-Software, die sich auch für Zustelldienste anwenden ließe - und Amazons Logistikkosten vor allem in Städten wohl deutlich senken könnte.

Mit beiden Beteiligungen investiert Amazon also strategisch in die Zukunft - und lässt sich das vorerst keine Unsummen kosten. Denn die Investments bei Rivian und Aurora dürften wohl jeweils bei einem dreistelligen Millionenbetrag liegen. Das kann sich der Online-Handelsriese problemlos leisten. Im vergangenen Jahr hat Amazon weltweit 232 Milliarden Dollar (203 Millionen Euro) umgesetzt und einen Gewinn von 10 Milliarden Dollar erzielt.

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