Eine Milliarde Euro Fördergeld vorgesehen Altmaier öffnet Füllhorn für deutsche Batteriezellen-Fabriken

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will deutsche Batteriezellen-Fabriken mit 1 Milliarde Euro fördern

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will deutsche Batteriezellen-Fabriken mit 1 Milliarde Euro fördern

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Bislang dominieren asiatische Hersteller die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen für Elektroautos. Ein Großteil der in Europa verbauten Zellen stammt aus Zellenwerken in Asien. Deutsche Zuliefererriesen und Autobauer haben ihre einstigen Pläne für eigene Zellenwerke begraben oder auf Eis gelegt - weil sie die Produktion für zu teuer halten oder nicht die richtigen Partner fanden.

Die Abhängigkeit von asiatischen Zellenlieferanten stört Gewerkschafter, Politikern und auch manche Automanager seit langem - sie fürchten, dass Europa so eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft verloren geht. Vor gut einem Jahr hat die EU deshalb ein eigenes Projekt gestartet mit dem Ziel, Lithium-Ionen-Zellfabriken in Europa aufzubauen.

Auch Bundesminister Peter Altmaier war dabei zuletzt umtriebig. Erst im September hatte er eine Kooperation zwischen Deutschland und Polen bei der Zellenproduktion verkündet. Nun will die Bundesregierung die Batteriezellen-Herstellung für Elektroautos in Deutschland mit Staatgeldern anschieben. Für die Förderung einer Batteriezellenfertigung werde die Bundesregierung bis 2021 aus dem Etat des Wirtschaftsministeriums eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen, erklärte Altmaier nun nach einem Treffen EU-Energiekommissar Maros Sefcovic.

Bereits ab 2021 rechnet Altmaier mit dem Start der Batteriezellenproduktion in Deutschland. Erste Konsortien für die Fertigung könnten sich bereits um den Jahreswechsel 2018/2019 bilden. "Die Produktion soll so schnell wie möglich erfolgen", betonte der CDU-Politiker. "Es gibt im Moment eine enorm wachsende Nachfrage nach Batteriezellen, die nicht bedient werden kann."

Bis März 2019 soll es konkrete Investitionsentscheidungen geben

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Früheren Meldungen zufolge plant auch die EU selbst größere Förderungen für die Ansiedlung von Batteriewerken- über regionale Forschungsgelder, regionale Fonds und Kredite der europäischen Investmentbank EIB.

Für den Aufbau einer Batteriezellen-Produktion ist das Engagement privater Unternehmen erforderlich - einige von ihnen stecken bereits in den Startlöchern oder bauen gerade kleinere Batteriezellenwerke in Europa aus. Es gebe ein wachsendes Interesse von Firmen, sagte Altmaier. Mehrere Konsortien seien dabei, sich zu bilden. Bis Jahresende solle es erste konkrete Ergebnisse geben. Ziel von Altmaier und der EU ist es, im kommenden Jahrzehnt rund ein Drittel der weltweiten Batteriezellenproduktion nach Europa zu holen.

In Deutschland geht es konkret um drei Konsortien. Zwei der drei aktuellen Bündnisse sind international aufgestellt. Bei dem bisher nationalen Konsortium gelten der Batteriekonzern Varta, der Chemiekonzern BASF sowie der Autobauer Ford als Kandidaten. Offen ist, ob sich der Auto-Branchenprimus VW an einem der Konsortien beteiligt. Eine Entscheidung darüber könnte noch im Lauf der Woche erfolgen.

Die Wolfsburger haben den koreanischen Konzern SK Innovation als weiteren Batteriezellenlieferanten benannt - und erwägen nach Informationen von manager magazin, mit SK Innovation in die Zellenproduktion in Europa einzusteigen .

Altmaier sagte, er rechne damit, dass es bis zum Ende des ersten Quartals 2019 konkrete Investitionsentscheidungen für eine Batteriezellfabrik gebe. Pro Konsortium gehe es um rund 1000 und 2000 Arbeitsplätze. Die Produktion von Zellen könnte dann 2021 aufgenommen werden. Dabei gehe es bereits um Lithium-Ionen-Batterien der aktuellen Generation.

Anschubhilfe soll "zeitlich begrenzt" sein

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Viele Bundesländer hätten bereits Interesse signalisiert, Standort einer solchen Fabrik zu werden, sagte der Minister. Er nannte Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, das Saarland sowie Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Als möglich gilt, dass im Zuge des Ausstiegs aus der Kohleverstromung die Fabrik in ein jetziges Braunkohle-Revier wie der Lausitz kommt.

Es werde aber nicht um einen, sondern mittel- und langfristig um mehrere Standorte gehen, sagte Altmaier. Geplant sei außerdem eine grenzüberschreitende Kooperation etwa mit Frankreich, Polen oder Österreich.

Das Vorbild könnte das "Airbus "-Model sein. Beim europäischen Flugzeugbauer arbeiten mehrere Länder eng zusammen, Montagewerke stehen in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern. Eine staatliche Beteiligung an einem Batterie-Konsortium ist aber laut Altmaier nicht geplant.

Altmaier sagte, der Staat müsse notwendige Rahmenbedingungen schaffen und für eine "zeitlich begrenzte" Anschubhilfe sorgen. Die Fertigung von Batteriezellen sei eine "Schlüsseltechnologie". Die Beherrschung und Anwendung sei für Deutschland und Europa wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. "Es geht um Arbeitsplätze", sagte der CDU-Politiker. "Wir wollen den Automobilstandort Deutschland erhalten und stärken."

Deutsche Förderung konform mit EU-Beihilferegeln

Derzeit kaufen VW, Daimler und BMW Zellen in Asien und bauen diese dann selbst zu großen Akkus für ihre Elektroautos zusammen. Die Bundesregierung und Gewerkschaften befürchten deshalb eine zu starke Abhängigkeit von externen Zulieferern und dringen seit längerem auf eine nationale oder zumindest europäische Lösung. Im Juli hatte der chinesische Hersteller CATL angekündigt, eine der größten Batteriezellfabriken für Elektroautos in Erfurt zu bauen.

Wegen der inzwischen wachsenden Zahl von Elektroautos in Europa steigt in den kommenden Jahren die Nachfrage nach Batterien sowie nach den darin enthaltenen Zellen. Altmaier sagte, laut Prognosen werde sich der Bedarf bis 2030 verzehnfachen.

Die Förderung einer Produktion von europäischen und deutschen Unternehmen erfolge nach den Beihilferegeln der EU, sagte Altmaier. Staatliche Beihilfen für einzelne Firmen sind in der EU eigentlich untersagt. Ausnahmen gibt es etwa, wenn diese mit europäischen Zielen bei der wirtschaftlichen Entwicklung begründet werden können.

mit Material von dpa-afx/AFP/Reuters
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