Elektroauto-Start-up Nikola-Gründer Trevor Milton wegen Betrugs angeklagt

Das Elektro-Start-up Nikola versprach, bald Elektro-Lastwagen liefern zu können - und wurde dafür an der Börse gefeiert. Jetzt steht der milliardenschwere Gründer und ehemalige Nikola-Chef Trevor Milton wegen Betrugs vor Gericht.
Ein Elektro-Lkw, der womöglich nie auf den Markt kommen wird: Nikola-Gründer Trevor Milton wird vorgeworfen, Anleger und Investoren belogen zu haben

Ein Elektro-Lkw, der womöglich nie auf den Markt kommen wird: Nikola-Gründer Trevor Milton wird vorgeworfen, Anleger und Investoren belogen zu haben

Foto: MASSIMO PINCA / REUTERS

Der Gründer und frühere Chef des Elektrofahrzeugbauers Nikola, Trevor Milton (39), muss sich wegen Betrugs vor Gericht verantworten. Die 49-seitige Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in New York umfasst drei Anklagepunkte wegen Betrugs. Zu den Klägern gehören Investoren, die geltend machen, wegen falscher Angaben zu den Produkten des börsennotierten Unternehmens eine Menge Geld verloren zu haben.

Milton erklärte sich bei der Anhörung vor Gericht für nicht schuldig. Er befindet sich derzeit gegen eine Kaution von 100 Millionen US-Dollar auf freiem Fuß. Die Anklage markiert einen steilen Abstieg des Unternehmers, der das in Phoenix ansässige Unternehmen Nikola im Jahr 2014 gegründet hatte und bis Juni vergangenen Jahres dessen CEO war, als Nikola nach der Fusion mit einer speziellen Übernahmegesellschaft (Spac) an die Börse ging.

Diese Blitz-Börsengänge insbesondere von Elektrofahrzeug-Start-ups gerieten in der Vergangenheit stark in Kritik. So ermitteln Staatsanwälte und die US-Börsenaufsicht auch gegen den Hersteller von Elektro-Pickups Lordstown Motors, der im Oktober 2020 an die Börse ging. Auch bei Lordstown sind die Bedingungen des Börsengangs sowie die Angaben zu Fahrzeugvorbestellungen Gegenstand der Untersuchung. Der Vorstandschef und Finanzchef von Lordstown verließen im Juni das Unternehmen.

"Schamlos soziale Medien sowie Auftritte und Interviews im Fernsehen ... genutzt, um falsche und irreführende Behauptungen über den Status von Nikolas Lastwagen und Technologie aufzustellen"

Audrey Strauss, Staatsanwältin in Manhattan

Seit seiner Gründung tüftelte ein Nikola-Team von Milton an alternativen Antriebstechnologien für Lastwagen und große Geländewagen. Diese sollten in Zukunft auf der Basis elektrischer Batterien und Wasserstoff-Brennstoffzellen fahren. Auch an Ladestationen für Wasserstoff-Lkw arbeitete das Start-up. Die Pläne blieben jedoch weitgehend Theorie.

Staatsanwältin: "Falsche und irreführende Behauptungen"

Audrey Strauss, Staatsanwältin in Manhattan, sagte, Milton habe von November 2019 bis September letzten Jahres "schamlos und wiederholt soziale Medien sowie Auftritte und Interviews im Fernsehen, in Podcasts und in der Presse genutzt, um falsche und irreführende Behauptungen über den Status von Nikolas Lastwagen und Technologie aufzustellen".

Milton wird den Angaben vom Donnerstag zufolge unter anderem vorgeworfen, verkündet zu haben, Nikola habe einen "komplett funktionstüchtigen" Sattelschlepper-Prototypen gebaut - zugleich habe Milton aber genau gewusst, dass dieser "nicht einsatzfähig" war. Mit seinen Äußerungen habe er gezielt Investoren zum Aktienkauf bewegen wollen, so der Vorwurf.

"Trevor ist unschuldig", entgegnete Miltons Anwalt Marc Mukasey. "Es lag kein Betrug vor. Wir sind bereit, diesen Fall vor Gericht auszufechten". Das Unternehmen Nikola selbst wurde nicht angeklagt. Die Firma teilte in einer Erklärung mit, dass sie mit der Regierung kooperiere und sich auf die Auslieferung von batteriebetriebenen Lastwagen in diesem Jahr konzentriere.

Aktie abgestürzt - doch Milton soll noch immer Milliardär sein

Vor Miltons Rücktritt hatte die Investmentgesellschaft Hindenburg Research Nikola "komplexen Betrug" vorgeworfen, der auf zahlreichen Lügen des Gründers beruhe. Geschäftspartner würden mit der "falschen Behauptung, über wichtige Technologien zu verfügen", von dem Startup "in die Irre geführt", hieß es unter anderem. Anleger hätten durch Miltons Betrug "zehntausende und teils sogar hunderttausende Dollar" verloren, heißt es in der Anklageschrift weiter.

Milton trat kurz darauf im vergangenen September als geschäftsführender Vorsitzender von Nikola zurück. Obwohl der Aktienkurs von Nikola seit seinem Höchststand im Juni 2020 um mehr als 85 Prozent gefallen ist, verfüge Milton nach Angaben des Magazins Forbes vom Donnerstag immer noch über ein Vermögen von 1,2 Milliarden Dollar.

rei/AFP/Reuters/AP