Präsentation des E-Lkw Tesla Semi Was wir bereits über Teslas Elektro-Truck wissen

Dicker, leiser Brummer: Hier soll ein Truckspotter einen Prototypen des Tesla-Trucks vor die Linse bekommen haben

Dicker, leiser Brummer: Hier soll ein Truckspotter einen Prototypen des Tesla-Trucks vor die Linse bekommen haben

Fotostrecke

Lkws mit Elektroantrieb: Gegen diese E-Trucks tritt Teslas Semi an

Foto: ALEXANDRIA SAGE/ REUTERS

"Er kann sich in einen Roboter verwandeln, Aliens bekämpfen und macht einen höllisch guten Latte Macchiato", Mit diesen nicht ganz ernst gemeinten Worten trommelt Elon Musk auf Twitter für sein neuestes Projekt - einen Lkw mit Elektroantrieb, den der Elektroauto-Hersteller Tesla Donnerstagabend um 20 Uhr Ortszeit in Kalifornien präsentiert.

Zwei Mal hat Musk die Präsentation des "Tesla Semi", wie die Kalifornier ihren emissionsfreien Sattelschlepper nennen, verschoben. Ursprünglich sollte die Vorstellung des Tesla-Sattelschleppers schon im September stattfinden, daraus wurde Ende Oktober. Diesen Termin kappte Musk dann mit der Begründung, dass er sich zuerst auf die Probleme beim Produktionsanlauf des Model 3 konzentrieren wolle.

Fotostrecke

Die wichtigsten Erkenntnisse aus Teslas Quartalsbericht: So erklärt Elon Musk die Model 3-Probleme weg

Foto: Andrej Sokolow/ dpa

Doch all das hielt Musk nicht davon ab, den Elektro-Truck als Riesen-Ding anzupreisen. "Seriously next level" war noch eine seiner vorsichtigeren Formulierungen. Als "unwirklich" hat er das "Biest" auch schon bezeichnet. Der Truck werde "das Hirn aus dem Schädel und in eine andere Dimension blasen", kündigte er vor kurzem in bester Science-Fiction-Manier an.

Musks Übertreibungen kaschieren, dass Tesla selbst bislang noch kaum Handfestes zu dem Fahrzeug preisgegeben hat. Doch ein paar Eckdaten zeichnen sich in vielen Berichten über den Truck schon mal ab:

  • Tesla wird - das legen heimliche Bilder von dem ersten Prototypen und Berichte nahe - eine Class 8 Semi Truck bauen, der ein zulässiges Gesamtgewicht von über 14 Tonnen haben wird. In Deutschland entspricht das einem Sattelschlepper, der einen oder zwei Anhänger zieht - also einem drei - bis sechsachsigen Fahrzeug.
  • Das Fahrzeug wird also äußerlich an übliche Schwer-Lkw erinnern, der Antrieb allerdings nicht. Denn er dürfte mindestens zwei Elektromotoren und große Batterien mitführen. Die gerade bei US-Trucks übliche Motorhaube ist auf dem Bild eines mutmaßlichen Prototypen (siehe oben) nicht zu sehen - die benötigt ein Lkw mit Elektroantrieb auch nicht.
  • Kolportiert wurden bislang 200 bis 300 Meilen Reichweite je Akkuladung für den Truck, also zwischen 320 und 480 Kilometer Reichweite. Musk selbst erklärte dazu im Oktober via Twitter, dass die technischen Daten des Trucks "besser seien als alles, was bislang berichtet wurde". Wie weit der "Semi" tatsächlich kommen soll, werden wir in wenigen Stunden wissen.
  • Der Tesla-Truck dürfte kein Leichtgewicht werden. Eine Studie der Carnegie Mellon Universität schätzt, dass der Truck für eine Reichweite von rund 300 Meilen Batterien in der Größe von 1000 kWH mitführen müsste - so viel wie 10 Tesla Model S mit der größten angebotenen Batterie. Die Batterien alleine würden den Forschern zufolge rund 8 Tonnen wiegen und zwischen 160.000 und 210.000 Dollar kosten. Der Fachblog Electrek schätzt jedoch, dass für eine solche Reichweite eine Batterie in Größe von 600 Kilowattstunden ausreicht. Die wäre dann wohl auch deutlich leichter.
  • Laut der Carnegie-Mellon-Studie wiegt ein Sattelzug ohne Dieselmotor zwischen 6 und 8 Tonnen, dazu kommt dann noch das Gewicht der Batterien. Insgesamt werden von Sattelschleppern in den USA im Schnitt Ladungen zwischen 14,5 bis 20 Tonnen befördert. Mehr als 36 Tonnen darf ein Sattelzug in den USA aber inklusive Ladung nicht wiegen. Mit einer Batterie für 300 Meilen Reichweite kann Tesla also kaum mehr als 20 Tonnen Zuladung bieten.
  • Teslas Truck dürfte wohl zahlreiche Autopilot-Assistenzsysteme an Bord haben, die Tesla als die Vorstufe zum autonomen Fahren bewirbt. In den neuesten Model S-Modellen hat Tesla die Zahl der Sensoren, Kameras, Sonar- und Radarsysteme erhöht, um die Autopilot-Funktionen zu verbessern. Ein solcher elektronischer Rundumblick dürfte wohl auch den künftigen Tesla-Lkw-Fahrern helfen.

Teslas Konkurrenz im Lkw-Bereich hat sich bereits formiert

Zwar preist Elon Musk seinen Elektro-Sattelschlepper als einzigartig an. Doch vor 2019 dürfte der Truck kaum auf den Markt kommen. Anders als im Pkw-Geschäft ist Tesla im Transportmarkt nicht alleine auf weiter Flur, was den Elektroantrieb betrifft. Das Schweizer Unternehmen Eforce etwa hat bereits mehrere 18-Tonner von Iveco zu flüsterleisen Brummis umgebaut. In Kürze lassen die Schweizer sogar einen rein elektrisch angetriebenen 40-Tonner auf die Straße.

Daimler testet seit einiger Zeit Leicht-Lkws mit Elektroantrieb, die auf 7,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht kommen und mit einer Batterieladung rund 100 Kilometer weite fahren. Die Schwaben starten mit E-Fuso nun sogar eine eigene Marke für leichtere Elektro-Lkw. Vor kurzem zeigte Daimler auch ein erstes Konzept für einen rein elektrisch angetriebenen Schwer-Lkw mit einem Gesamtgewicht von 23 Tonnen. Eine Markteinführung ist bis 2022 möglich, hieß es bei der Präsentation.

Überblick: Gegen diese E-Trucks der Konkurrenz tritt Teslas "Semi" an

Die VW-Tochter MAN erprobt ab Anfang 2018 eine Flotte von elektrisch angetriebenen Trucks im Alltagsbetrieb. Ab 2021 sollen solche Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von 12 bis 26 Tonnen dann in Serie gehen.

Starkes Markenimage wird Tesla im Lkw-Bereich weniger nützen

Anders als offenbar bei Tesla sind die Elektro-Lkws der Deutschen vor allem für den innerstädtischen Lieferverkehr gedacht. Doch in den USA basteln Unternehmen auch an langstreckentauglichen schweren Stromern. Das Startup Nikola etwa, dessen Gründer früher bei Tesla gearbeitet haben, zeigte bereits erste Prototypen eines Elektro-Trucks, der eine Gasturbine als Reichweitenverlängerer an Bord hat. Damit soll die Reichweite auf gut 1000 Kilometer mit einer Strom- und Gasbetankung steigen.

Der amerikanische Lkw-Spezialist Cummins hat Mitte Oktober einen Sattelschlepper mit Elektroantrieb präsentiert, der auf eine Reichweite von rund 100 Kilometern kommt. Für den Fernverkehr will Cummins noch einen zusätzlichen Diesel an Bord anbieten, um die Reichweite auf rund 300 Meilen, also 480 Kilometer, zu erhöhen. Und kürzlich hat sich Cummins auch noch Know-How dafür ins Haus geholt: Die Amerikaner haben sich das Unternehmen Brammo einverleibt, das vor wenigen Jahren mit einem Elektro-Motorrad für Furore sorgte.

Will Musk mit seinem Semi erfolgreich sein, muss er Speditionen ziemlich klar vorrechnen können, warum sich die Anschaffung seines Tesla-Trucks lohnt. Denn anders als im Pkw-Bereich zählen in der Logistik-Branche vor allem Kosten - und weniger das grüne Image.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.