Mittwoch, 8. April 2020

Neuer Rollerverleih startet in Köln Ford-Tochter Spin drängt auf deutschen E-Scooter-Markt

Elektroroller von Spin

Der deutsche Markt für den Verleih von Elektro-Tretrollern bekommt einen neuen Anbieter. Die US-Firma Spin kündigte am Donnerstag an, im Frühjahr in Köln ihre internationale Expansion zu beginnen. Weitere deutsche Städte würden bald folgen, auch in Paris werde man sich im März um die kommunale Betriebslizenz bewerben und in Großbritannien Möglichkeiten ausloten.

In Deutschland waren E-Tretroller im vergangenen Juni für den Straßenverkehr zugelassen worden. Diverse Anbieter strömten in das Geschäft. Vor kurzem gab es aber erste Zeichen der von Experten erwarteten Marktbereinigung.

Der US-Branchenpionier Bird übernahm den Berliner Anbieter Circ von Seriengründer Lukasz Gadowski. Silicon-Valley-Rivale Lime hat in den meisten Städten schnell dominiert und schon im ersten Jahr das Erreichen der Gewinnschwelle gemeldet. Der verbliebene Lokalmatador Tier verstärkt sein Angebot um die von Bosch aufgegebenen Elektro-Motorroller von Coup.

Ist in dieser Situation auch noch Platz für Spin? Mit dem Autokonzern Ford im Rücken könne man sich auf langfristige Ziele konzentrieren, "statt dem nächsten Umsatz-Dollar oder der nächsten Finanzierungsrunde nachzujagen", sagte Co-Gründer Derrick Ko der Deutschen Presse-Agentur. Ford hatte 2018 für 100 Millionen Dollar das Start-up gekauft, das bislang in mehr als 60 US-Städten und an 25 Universitäten aktiv ist.

Auch andere Autokonzerne experimentieren mit dem neuen Verkehrsmittel, das laut Studien mit einer durchschnittlichen Fahrtlänge von unter zwei Kilometern vor allem Fußwege ersetzt.

Die Volkswagen-Tochter Seat hat im vergangenen Jahr eine Partnerschaft mit dem spanischen Start-up Ufo vereinbart und betrachtet deren auch in Berlin und München angebotene Roller als Teil des eigenen Carsharing-Angebots. Die zur Daimler-Tochter Free Now (Ex-Mytaxi) gehörende Marke Hive hingegen startete 2019 doch nicht groß in Deutschland durch, sondern beschränkte sich auf geschlossene Testgebiete in Hamburg und München.

Als Unterscheidungsmerkmal betont Spin seine "Partnership Promise", ausschließlich in Kooperation mit den Behörden zu operieren. Spin beansprucht die Urheberschaft für "die weltweit erste Betriebserlaubnis für Mikromobilität". Allerdings gehörte Spin in der Heimatstadt San Francisco 2018 auch zu den Anbietern, deren Roller von den Straßen der Stadt verbannt wurden. Im Folgejahr wurde die beantragte Lizenz verweigert. Inzwischen bekennen sich alle E-Scooter-Firmen mehr oder weniger zur Regulierung.

mit Material von dpa

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