Neustart nach Insolvenz E-Autobauer e.Go meldet sich mit neuem Investor zurück

Die Corona-Krise hat den E-Stadtflitzer in die Insolvenz getrieben. Nun geht es für das Start-up doch weiter - mit einem neuen Geldgeber. Nur Gründer Günter Schuh ist seinen CEO-Posten los.
e.Go Life: Das Elektroauto sieht mit neuem Investor nun doch Licht am Ende des Insolvenz-Tunnels

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Wolfgang Rattay/ REUTERS

Für das Start-up e.Go Mobile waren die letzten Monate wohl eine noch stärkere Achterbahnfahrt als für viele Konkurrenten. Schon vor den weltweiten Corona-Lockdowns stand es schlecht um das Aachener Unternehmen , das von Streetscooter-Erfinder Günther Schuh (61) gegründet und geleitet wurde.

Gerade mal 540 Elektro-Kleinwagen produzierte e.Go im Jahr 2019. Man habe im vergangenen Jahr 540 Autos verkauft, hatte das Unternehmen im Januar berichtet. Angepeilt waren 600 Exemplare gewesen, ursprünglich war sogar von 1000 die Rede. Mehrfach stand das Start-up kurz vor dem Aus, Gesellschafter schossen insgesamt 130 Millionen an Darlehen nach.

Dann kamen die Werksstillstände in der Corona-Pandemie, die das Start-up Anfang April zunächst in ein sogenanntes Schutzschirm-Verfahren trieben. Anfang Juli eröffnete das Amtsgericht Aachen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. CEO Schuh gab sich damals bereits milde optimistisch, dass e.Go Mobile weitermachen könne - nun zeigt sich, warum.

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Wie das Unternehmen gestern mitteilte , hat der Elektro-Kleinwagenhersteller einen strategischen Investor gefunden: Der niederländische Finanzinvestor ND Industrial Investments B.V steigt als Mehrheitsaktionär bei e.Go Mobile ein. Das Managementteam rund um Gründer Schuh bleibt ebenfalls beteiligt. e.Go war laut Eigenangaben zuletzt mit über einer Milliarde Euro bewertet. Über den Kaufpreis der Mehrheitsanteile, so heißt es in der Mitteilung, wurde Stillschweigen vereinbart.

Neuer CEO, neue Gesellschaft

Den Neustart will e.Go nicht nur mit einer neuen Gesellschaft als europäische SE schaffen - auch ein neuer CEO soll ran: Künftig soll Ulrich Hermann, Ex-Vorstandsmitglied der Heidelberger Druckmaschinen AG, das E-Auto-Start-up zum Erfolg führen. Gründer Günter Schuh ist künftig Verwaltungsratsvorsitzender. Die Produktion der E-Kleinwagen im eigens dafür gebauten Aachener Werk soll wieder aufgenommen werden, sobald die neue Gesellschaft eine Zulassung als Fahrzeughersteller erhalten hat und die Lieferantenverträge umgestellt sind.

"Wir wollten die Krise nicht nur überleben, sondern gestärkt draus hervorgehen", lässt sich Schuh in der Pressemitteilung zitieren. Ob das gelingt, muss sich noch beweisen. Denn schon vor der Corona-Krise kollidierte das Fahrzeug mit den Geboten der Wirtschaftlichkeit. Monatelang lag das Unternehmen deutlich hinter dem eigenen Businessplan zurück.

e.Go Mobile hatte zudem als Kleinserienhersteller heftig mit der erhöhten Umweltprämie und dem damit auch gestiegenen Herstelleranteil zu kämpfen. Der Wagen ist zudem betont schlicht gehalten, um die Kosten niedrig zu halten - Begeisterungsstürme bei tausenden Interessenten dürfte der Wagen nie auslösen.

Weiterhin viel Konkurrenz in der E-Kleinstwagen-Nische

Schuh ist nicht das einzige deutsche Start-up, das mit vergleichsweise günstigen E-Autos den großen Playern Konkurrenz machen will. Der Solarautobauer Sono Motors aus München kämpfte Anfang des Jahres mit heftigen Finanzproblemen, konnte seine 50-Millionen-Euro-Lücke aber letztlich dank Crowdfunding schließen. In den Startlöchern steckt auch das schwedische Jungunternehmen Uniti, das Ende 2019 die Serienversion seines Elektro-Kleinstwagens vorstellte.

Ob, und wenn ja, wer sich mit einem solchen Fahrzeug tatsächlich auf dem Markt durchsetzt, lässt sich längst noch nicht seriös sagen. Fest steht nur eines: Die Zulassungszahlen für E-Autos in Deutschland stiegen zuletzt deutlich. Bloß günstige City-Stromer waren da noch nicht in nennenswerten Zahlen darunter.

wed
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