2000 Jobs auf der Kippe Autozulieferer Dr. Schneider meldet Insolvenz an

Die Insolvenzmeldungen häufen sich. Nun hat es den Autozulieferer Dr. Schneider erwischt. In Deutschland sind 2000 Beschäftigte betroffen.
"Die Produktion geht in vollem Umfang weiter": Der Autozulieferer Dr. Schneider (hier Standort Neuses bei Kronach) hat Insolvenz beantragt

"Die Produktion geht in vollem Umfang weiter": Der Autozulieferer Dr. Schneider (hier Standort Neuses bei Kronach) hat Insolvenz beantragt

Foto: Dr. Schneider Unternehmensgruppe

Der Automobilzulieferer Dr. Schneider  aus Kronach in Oberfranken hat Insolvenzantrag gestellt. Die Unternehmensgruppe wolle sich mit diesem Schritt sanieren, teilte das Unternehmen mit . Die Geschäftsführung habe daher für die Gesellschaften der Gruppe in Deutschland am Mittwoch den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Coburg eingereicht. Rund 2000 Beschäftigte seien davon betroffen.

Die Auslandstöchter in den USA, China, Spanien und Polen seien nicht von der Insolvenz betroffen. Insgesamt beschäftigt die Gruppe weltweit mehr als 4000 Mitarbeiter. Das Unternehmen fertigt Bauteile für den Fahrzeuginnenraum wie Verkleidungen oder Belüftungssysteme und hat im vergangenen Jahr laut eigenen Angaben 451 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Zu den Kunden zählen Autobauer wie Audi, BMW, Daimler, Ferrari, Jaguar Toyota und Volvo.

"Die Produktion geht in vollem Umfang weiter"

Rechtsanwalt und vorläufig bestellter Insolvenzverwalter Joachim Exner

Der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Joachim Exner, erklärte laut Mitteilung, er sehe "grundsätzlich gute Chancen" für eine Sanierung. "Dr. Schneider gehört zu den Marktführern für Produkte im Fahrzeuginnenraum und hat erstklassige Kundenbeziehungen mit nahezu allen führenden Automobilherstellern." Die Produktion gehe in vollem Umfang weiter, betonte Exner. "Sämtliche Verpflichtungen gegenüber den Kunden werden weiter in vollem Umfang erfüllt."

In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen mittelständischer Unternehmen, die Insolvenz beantragt haben und nun über das Verfahren die Chance auf eine Sanierung suchen. Während der bekannte Schuhhändler Görtz seinen Insolvenzantrag mit der Kaufzurückhaltung der Kunden und deutlichen Umsatzrückgängen begründete, machte der Toilettenpapierproduzent Hakle vor allem die rasant gestiegenen Material-, Energie- und Transportkosten für die desolate Lage verantwortlich. Wirtschaftsverbände aus Industrie und Handwerk warnten ob der hohen Energiekosten am Mittwoch vor einer drohenden "Pleitewelle".

Autozulieferer spricht von "Liquiditätskrise"

Die hohen Energiekosten scheinen beim Autozulieferer Dr. Schneider nicht das vordringlichste Problem zu sein. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr laut eigenen Angaben  ein "signifikant negatives Ergebnis" eingefahren und im Februar dieses Jahres  "Personalanpassungen" angekündigt. In der Mitteilung  von Donnerstag betonte der Autozulieferer: "Wie vielen Unternehmen der Branche machen der Schneider-Gruppe die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Automobilindustrie zu schaffen. Hinzu kommt das aktuell hochvolatile Marktumfeld. Dies hat dazu geführt, dass das Unternehmen trotz intensiver Sparmaßnahmen in eine Liquiditätskrise geraten ist."

Denkbar sei nun eine Investorenlösung oder auch eine Art Vergleich mit den Gläubigern, schreibt das Unternehmen weiter. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien zunächst für drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

rei
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