Donnerstag, 27. Februar 2020

Anteilskauf Chinesischer Autobauer Dongfeng vor Einstieg bei Peugeot

Interesse des Partner aus China: Arbeiter in einer Fabrik von PSA Peugeot Citroen im südchinesischen Shenzhen

Der chinesische Autobauer Dongfeng steht kurz vor dem Einstieg bei seinem angeschlagenen französischem Partner PSA Peugeot Citroen. Es geht um die Übernahme von bis zu 30 Prozent der Anteile. Auch die französische Regierung könnte sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen. PSA-Aktien brechen ein.

Brüssel/Paris - Die Zeichen für einen Einstieg des chinesischen Autobauers Dongfeng bei seinem angeschlagenen Partner PSA Peugeot Citroen verdichten sich. Der Aufsichtsrat des französischen Konzerns will laut einem Zeitungsbericht schon nächste Woche über eine Kapitalspritze aus China beraten.

Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Kreise schreibt, könnte sich neben Dongfeng auch die französische Regierung an einer möglichen Kapitalerhöhung beteiligen, um Peugeots Geschäftspläne über das Jahr 2016 hinaus abzusichern.

Ein PSA-Sprecher bestätigte den Termin der Aufsichtsrats-Sitzung am 22. Oktober. Der Konzern schaue sich weiterhin mögliche Partnerschaften an und sei auch in Diskussionen über die Finanzierung von Zukunftsprojekten.

Vergangene Woche hatte die Zeitung "China Business News" unter Berufung auf nicht genannte Dongfeng-Offizielle berichtet, die Chinesen könnten bei PSA für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro einen Anteil von bis zu 30 Prozent übernehmen. Frankreichs größter Autohersteller hatte das nicht im Detail kommentieren wollen.

Einstiegsverhandlungen seit September

Dass die beiden Partner aus Europa und Asien grundsätzlich über einen Einstieg Dongfengs bei Peugeot sprechen, war Ende September offiziell geworden. Damals hatte ein Sprecher des zweitgrößten chinesischen Autobauers gesagt, dass Investmentbanken das Unternehmen wegen eines möglichen Kaufs von PSA-Anteilen angesprochen hätten. Allerdings sei Dongfeng weit von einer Entscheidung entfernt gewesen. Das Unternehmen habe sich ein erstes Bild von der Sache machen wollen.

Dongfeng hatte damit frühere Meldungen der Nachrichtenagentur Bloomberg bestätigt, die vom Interesse der Franzosen berichtet hatte, Anteile an den chinesischen Partner zu verkaufen. Damit habe Europas zweitgrößter Autobauer Geld für seine Expansion außerhalb des Heimatkontinents sammeln wollen. Ein solches Geschäft könne dazu führen, dass die Peugeot-Familie, die derzeit 25,5 Prozent an dem Konzern hält, ihre Sperrminorität verliere, schrieb Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise.

Peugeot-Aktien brechen ein

PSA Peugeot Citroën Börsen-Chart zeigen ist von der Absatzflaute in Europa besonders hart getroffen, weil die Franzosen stärker als etwa Konkurrent Volkswagen Börsen-Chart zeigen vom Heimatkontinent abhängig sind. Konzernchef Philippe Varin fährt deswegen einen harten Sparkurs mit tausenden Stellenstreichungen und will den außereuropäischen Anteil am Umsatz deutlich steigern. Der Konzern geht davon aus, dass er in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro Geld verbrennen wird, 2012 waren es sogar 3 Milliarden.

Die Spekulationen um eine Teilverstaatlichung haben Peugeot am Montag auf Talfahrt geschickt. An der Pariser Börse brachen sie um bis zu 11,5 Prozent ein und waren mit 10,94 Euro so billig wie zuletzt Anfang September.

Das ist der größte Tagesverlust seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. "Die - aus unserer Sicht negative - Neuigkeit ist die potenzielle massive Beteiligung des französischen Staates", sagte ein Börsianer. "Dies könnte das Unternehmen unregierbar machen."

krk/dpa

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