Möglicher PSA-Großaktionär Dongfeng - Chinas unbekannter Autoriese

PSA Peugeot Citroen will offenbar den chinesischen Autobauer Dongfeng an Bord holen. Die Franzosen arbeiten schon lange mit Chinas zweitgrößtem Pkw-Produzenten zusammen, der viel Geld mitbringt. Makellos ist dessen Bilanz allerdings nicht.
Hybridlimousine A60 der Dongfeng-Marke Fengshen: Noch sind die Verkaufszahlen eher bescheiden

Hybridlimousine A60 der Dongfeng-Marke Fengshen: Noch sind die Verkaufszahlen eher bescheiden

Foto: Jürgen Pander

Hamburg - Entschieden ist noch nichts, doch passen würde der Deal für beide Seiten: Medienberichten zufolge steht der chinesische Autohersteller Dongfeng knapp vor einem Einstieg bei dem kriselnden Autobauer PSA Peugeot Citroën. Für rund 1,2 Milliarden Euro könnte Dongfeng 30 Prozent der PSA-Anteile übernehmen und wäre dann der größte Anteilseigner der Franzosen. Auch der französische Staat soll sich an einer Kapitalerhöhung beteiligen, berichtete das "Wall Street Journal" - was die PSA-Aktie  kräftig fallen ließ.

PSA bestätigte bislang nur den Termin einer Aufsichtsratssitzung am 22. Oktober, ein Konzernsprecher sprach davon, dass sich der Konzern weiterhin mögliche Partnerschaften ansehe. Doch seit September ist offiziell bekannt, dass beide Unternehmen über einen möglichen Einstieg von Dongfeng verhandeln. In Europa kennen nur Eingeweihte den chinesischen Autohersteller, der bislang nicht durch übermäßigen Expansionsdrang außerhalb von Chinas Landesgrenzen aufgefallen ist. Nur in einigen Ländern Asiens und Südamerikas sind Dongfeng-Fahrzeuge derzeit erhältlich.

In seinem Heimatland ist Dongfeng jedoch alles andere als ein Zwerg: Der Konzern mit Hauptsitz in der mittelchinesischen Millionenstadt Wuhan ist mittlerweile der zweitgrößte Autohersteller Chinas nach der Saic-Gruppe. Bei mittelschweren und schweren Lastwagen ist Dongfeng sogar chinesischer Marktführer und liegt beim weltweiten Lkw-Produktionsvolumen nur einen Platz hinter Daimler (Kurswerte anzeigen).

Derzeit produziert Dongfeng 3,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr - von Pkws über Geländewagen bis hin zu Lkws. Zwei Drittel der Dongfeng-Gesamtproduktion entsteht in Joint-Ventures mit ausländischen Autoherstellern. Mit PSA Peugeot Citroen arbeitet Dongfeng in China seit fast zwei Jahrzehnten zusammen, vor kurzem haben beide Partner ihr drittes gemeinsames Werk in Wuhan eröffnet.

Dongfeng schreibt Milliardengewinne - anders als PSA

Zu Dongfengs langjährigen Partnern zählt auch der japanische Autohersteller Nissan, mit dessen Hilfe Dongfeng die chinesische Automarke Venucia gestartet hat. Mit Honda und der südkoreanischen Marke Kia betreiben die Chinesen ebenfalls Joint-Ventures. Seit kurzem arbeitet Dongfeng auch mit Volvo Trucks zusammen.

Im Fiskaljahr 2012, das am 30. Juni 2012 zu Ende ging, erwirtschaftete Dongfeng einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro bei einem Umsatz von 14 Milliarden Euro. Das zeigen Zahlen der Economist Intelligence Unit (EIU). Zwar stieg der Gewinn im ersten Halbjahr 2013, das Dongfeng am 31. Dezember 2012 beendete, nur um 3,1 Prozent auf 661 Millionen Euro an. Dennoch bleibt der Autohersteller laut EIU weiterhin hochprofitabel. Das kann man von PSA Peugeot Citroen nicht behaupten: Die Verluste des zweitgrößten europäischen Autoherstellers lagen im ersten Halbjahr bei 426 Millionen Euro - und dürften in diesem Jahr laut EIU-Schätzungen auf 1,5 Milliarden Euro steigen.

Peugeot kann also damit rechnen, dass die Chinesen ihre finanziellen Verpflichtungen einhalten - und auch noch zusätzliches Geld für die Entwicklung neuer Modelle springen lassen.

PSA gibt Dongfeng Premium-Starthilfe

Denn ein solcher Schritt käme auch den Chinesen zugute. Wie auch andere chinesische Hersteller versucht Dongfeng seit einigen Jahren, vermehrt Pkws unter eigenen Marken zu verkaufen. Erst im Jahr 2009 startete Dongfeng seine Eigenmarke Fengshen. Doch noch ist der Erfolg eher beschränkt. Von Januar bis September wurden nur 60.000 Fengshen-Modelle verkauft.

Mit Peugeot arbeitet Dongfeng bereits intensiv daran, die Qualität der eigenen Fengshen-Modelle zu verbessern. Und für das gemeinsame Joint-Venture haben beide Autohersteller ehrgeizige Pläne. Bis 2015 soll sich die Zahl der zusammen verkauften Autos auf 880.000 pro Jahr verdoppeln. Im ersten Halbjahr 2013 lief das Jointventure durchaus erfolgreich: Die Verkaufszahlen wuchsen um ein Drittel - und damit deutlich stärker als der gesamte chinesische Automarkt.

Mit der Marke Fengshen will Dongfeng allerdings auch stärker in Richtung Premium wandern. In zwei Jahren soll es eine Oberklasse-Limousine von Fengshen geben, die vermutlich auf PSAs Citroen C5-Plattform aufbauen wird.

Schwierigkeiten mit Elektroautos - und Japan-Disput

Doch völlig makellos ist Dongfengs Aufstieg nicht. Denn es gibt zwei Bereiche, in denen die Chinesen mit Problemen kämpfen. Wie auch andere heimische Hersteller hegt Dongfeng große Pläne für Elektroautos und arbeitet seit längerem an eigenen Technologien für batteriebetriebene Fahrzeuge. Echte Erfolge kann Dongfeng aber hier nicht vorweisen. Zwar hat Dongfeng vor kurzem ein Elektroauto angekündigt, doch den Experten von EIU zufolge dürfte das Fahrzeug wohl ein umgemodelter Nissan Leaf werden.

Dongfengs eigenes Elektroauto Fengshen E30 wird wohl erst im kommenden Jahr in Serie produziert werden - und vor 2015 kaum auf nennenswerte Stückzahlen kommen.

Und auch mit einem politischen Problem hat Dongfeng zu kämpfen. In den vergangenen Monaten gab es zwischen China und Japan territoriale Streitigkeiten, die in einem zeitweisen Boykott japanischer Autos mündeten. Das sorgte für äußerst volatile Verkaufszahlen bei Dongfengs Joint-Ventures mit Nissan und Honda: In den ersten neun Monaten gingen die Absatzzahlen bei beiden Joint-Ventures um 1,9 Prozent auf 202.000 verkaufte Fahrzeuge zurück, obwohl der chinesische Automarkt in dieser Zeit wuchs.

Deshalb stieg Dongfengs gesamter Nettogewinn in dieser Zeit nur um 3,1 Prozent an. Wie sich der territoriale Disput im Restjahr und im kommenden Jahr auf die Pkw-Verkäufe von Dongfeng auswirken wird, ist noch nicht abzusehen.

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