Neuer US-Präsident setzt auf Öl Wird Donald Trump das Elektroauto vernichten?

Kommender US-Präsident Donald Trump: Erinnerungen an das Trauma aller Elektroauto-Fans

Kommender US-Präsident Donald Trump: Erinnerungen an das Trauma aller Elektroauto-Fans

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Trumps Vertrautentruppe - ein Club der reichen Männer: Diese Männer bestimmen nun Amerikas Kurs

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Als die Amerikaner Donald Trump zum neuen Präsidenten wählten, hatte Elon Musk in Deutschland Wichtiges zu tun. Der Tesla-Chef tütete in der vergangenen Woche den Kauf des rheinland-pfälzischen Maschinenbauers Grohmann Engineering ein - ein weiterer Schritt beim geplanten Aufbau eines weltweit agierenden Elektroauto- und Energieimperiums.

Doch kann Musk Teslas Zukunft überhaupt noch so unbeschwert planen, wenn Trump Präsident ist? Der Immobilien-Milliardär hat sich mehrfach als Freund der fossilen Brennstoffe geoutet. Von Umweltgesetzen für die Autoindustrie hält er wenig. Doch genau diese haben den kontinuierlichen Aufstieg der Batteriefahrzeuge erst ermöglicht. "Ich glaube, er ist nicht der Richtige", hatte Musk schon vor der Wahl über Trump gesagt.

Nicht nur Tesla ist betroffen. Auch etablierte Hersteller wie General Motors, Volkswagen oder BMW sind inzwischen voll auf den Elektroauto-Trend aufgesprungen. Spätestens der Abgasskandal hat dazu geführt, dass die Konzerne Milliarden in die neue Technik stecken. Jetzt sei der Moment zum Umschalten gekommen, meinen Daimler-Chef Dieter Zesche, Matthias Müller (VW), Harald Krüger (BMW) und andere.

Doch haben sie sich womöglich von Teslas Erfolg blenden lassen, der erst durch staatliche Anreize unter der Obama-Regierung möglich wurde? Schafft Donald Trump ein Umfeld, in dem eher schwere Pickups eine Zukunft haben? Zerstören er und seine Freunde aus der Ölindustrie das junge Pflänzchen Elektroauto vielleicht sogar in Gänze und lassen damit das Trauma aller E-Auto-Fans, beschrieben in dem Film "Who killed the Electric Car" , wiederkehren? Hier erste Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was sagt Donald Trump zu Elektroautos?

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Vordergründig betrachtet sagt Trump zum Thema E-Mobilität nicht viel. Anders war es vor vier Jahren: Damals hatte der republikanische Kandidat Mitt Romney Tesla noch als "Loser-Firma" bezeichnet und sich generell skeptisch über die Elektroauto-Technik geäußert. Ob Trumps Schweigen nun aber Unterstützung für E-Autos bedeutet, darf bezweifelt werden. Generell findet er, der Staat solle mittels Subventionen keine Gewinner oder Verlierer aussuchen - und hat das explizit auf neue Technologien in der Auto- und Energieindustrie bezogen.

Zudem ist Trumps allgemeiner Kurs auf diesen Politikfeldern eindeutig. Er will die Suche nach Öl und Gas in den USA erleichtern und neue Pipelines bauen lassen. Umweltvorschriften sollen gelockert oder abgeschafft werden. "Jeder, der sich für energieeffiziente und nachhaltige Lösungen einsetzt, sollte besorgt sein", sagte die ehemalige Juristin im US-Verkehrsministerium, Kathryn Thomson, gegenüber der "Washington Post". 

Trumps Einlassungen zur Energiepolitik sprechen für ein Autoindustrie-Weltbild des kommenden Präsidenten, in dem Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor eine tragende Rolle spielen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass daher auch Effizienzvorgaben für die Autoindustrie ins Visier geraten. Im Gegensatz dazu haben die Demokraten um Kandidatin Hillary Clinton und Noch-Präsident Barack Obama stets den Wechsel zu neuen, sauberen Antriebsformen propagiert - und entsprechend gehandelt.

Wie wichtig ist der US-Markt für Elektroautos?

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Sehr wichtig. Zwar sind die USA im vergangenen Jahr hinter China und Europa auf Rang drei der größten E-Auto-Märkte gerutscht. Doch in Europa ist Benzin auch deutlich teurer als in den USA. Und in China bekommen Käufer von konventionellen Wagen in manchen Städten praktisch keine Nummernschilder mehr, während E-Auto-Halter mit Zulassungen und extrem großzügigen Prämien hofiert werden.

In den USA stagnierte der E-Auto-Absatz 2015 mit etwa 116.000 Wagen (weltweit: etwa 550.000). Das ist angesichts eines Marktanteils von unter einem Prozent immer noch alles andere als üppig. In diesem Jahr verkaufen die Hersteller aber wieder mehr Stromer, bis Ende Oktober waren es 120.000 Stück.

Und gerade Kalifornien gilt als Vorreiter-Markt und Testlabor in Sachen E-Autos. Insgesamt hat sich in den USA ein echter Wettbewerb um E-Auto-Käufer entwickelt. Der Ausbau der Lade-Infrastruktur ist recht weit vorangekommen. Autokonzerne, die ihre Käufer in den USA mit Batterieautos überzeugen, sichern sich eine gute Startposition in den wachsenden Markt. Diese Stärke und die gesammelten Erfahrungen könnten sie auf andere Länder übertragen.

Wie wichtig ist politische Unterstützung für E-Autos?

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Sehr wichtig - zumindest in der Vergangenheit und auch gegenwärtig noch. Ohne Steuerrabatte, Quoten und sonstige Fördermaßnahmen wäre der Aufstieg der Elektroautos in den vergangenen Jahren nicht denkbar gewesen. Das gilt für die USA genauso wie für Europa und China.

In Amerika steht an erster Stelle der 7500-Euro-Steuerrabatt, den Käufer von Elektroautos bekommen. Zudem haben Autohersteller, die E-Autos bauen, staatliche Unterstützung in Form günstiger Kredite bekommen.

Die staatlichen Effizienzvorgaben für Autos helfen indirekt den Batteriewagen: Hersteller, die viele emissionsfreie oder -arme Wagen bauen, können die Quoten auf diese Weise leichter erfüllen. Das funktioniert in den USA ähnlich wie in Europa. Einzelne Bundesstaaten in den USA legen noch einen drauf - in Form weiterer Steuergutschriften oder vorgeschriebener Elektroauto-Anteile für die Hersteller. Vor allem der bevölkerungsreichste Bundesstaat, Kalifornien, tut viel für E-Autos und wird dies weiterhin tun.

In Zukunft dürfte die staatliche Förderung von E-Autos relativ an Bedeutung verlieren. Die Wagen werden besser und billiger und finden sich deshalb auch mit weniger Förderung Käufer. So kommen 2017 mehrere Autos mit Reichweiten um die 400 Kilometer für etwa 35.000 Dollar auf den Markt (Chevrolet Bolt, Tesla Model 3). Für diesen Preis gab es bisher Autos, die eher um die 200 Kilometer weit kommen (VW E-Golf, BMW i3, Nissan Leaf).

Verliert die Industrie das Interesse an E-Autos, wenn Trump umschwenkt?

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Lithium: Das weiße Gold

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Das ist kaum vorstellbar. "Die Autoindustrie ist schon sehr weit fortgeschritten bei Elektroautos", sagte US-Analyst Tony Lim von Kelley Blue Book der "Washington Post". Daher seien staatliche Förderungen nicht mehr so notwendig wie vor einigen Jahren.

Völlig ohne Hilfe dürften E-Autos vermutlich noch nicht auskommen. Fallen Zuschüsse und Vergünstigungen abrupt weg, könnte das Hersteller und Kunden zeitweise verunsichern - und die E-Autos in den USA einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Dann werden sich auch deutsche Hersteller wie BMW, Volkswagen und Daimler überlegen, ob große E-Auto-Pläne zumindest für die USA kurzfristig noch sinnvoll sind. Auf der anderen Seite müssen Hersteller davon ausgehen, dass die Demokraten das Ruder nach Wahlsiegen in den kommenden Jahren wieder herumreißen und das Umfeld für E-Autos wieder verbessern.

Im Rest der Welt geht auch der politische Trend deutlich in Richtung emissionsfreie Autos. China will bald eine E-Auto-Quote einführen, die EU und viele europäische Metropolen verschärfen die Abgasbestimmungen oder planen Einfahrverbote für Verbrenner in Innenstädte. Gegenwind auf dem US-Markt würde das E-Auto als solches daher wohl kaum aufhalten.

Wie sieht der Aktienmarkt die Sache mit Trump und den Elektroautos?

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Batteriefabriken für Elektroautos: Um diese Wertschöpfungskette streitet Auto-Deutschland

Foto: Uli Deck/ dpa

Die Kursentwicklung in der ersten Woche nach Trumps Wahlsieg zeigt: Investoren sehen konventionelle Hersteller klar im Vorteil. Aktien von General Motors legten um etwa 10 Prozent zu, ebenso Ford.

Anfängliche Sorgen über eine rigide Anti-Freihandelspolitik wichen dem Glaube an einen von Investitionen getriebenen Boom und laschere Umweltstandards. Immerhin benannte Trump bereits einen Klimawandel-Leugner als Beauftragten für die Neugestaltung der Umweltbehörde .

Tesla-Aktien hatten dagegen seit dem 8. November einen eher schweren Stand. Das mag auch an neuen Bedenken gegenüber dem Kauf der Sonnenstromfirma Solarcity liegen. Die Angst vor einem Anti-Elektroautokurs der neuen Regierung spielte laut Analysten jedoch auch eine Rolle.

Trump setzt bei der Stromerzeugung wieder auf Kohle - wären E-Autos dann überhaupt sinnvoll?

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Trumps Liebe zur Kohle aus amerikanischen Minen ist ein Klassiker aus seinem Wahlkampf. Er werden den Bergbauarbeitern ihre Jobs in West Virginia, Kentucky und Pennsylvania zurückholen, kündigte er immer wieder an und wurde dafür umjubelt.

Doch der Plan wurde von nahezu allen Energieexperten von Anfang an belächelt. Denn keinesfalls hätten strenge Umweltvorschriften den Abschwung bei der Kohle verursacht. Verantwortlich seien vielmehr der Preisverfall bei Erdgas und erneuerbaren Energien sowie Energiesparmaßnahmen.

Da sich diese Trends fortsetzen werden, gehen Fachleute davon aus, dass der Strommix in den USA auch in den kommenden Jahren sauberer wird - egal was Trump den Wählern im Rostgürtel versprochen hat.

manager-magazin.de/Wochit
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