US-Autobauer lässt sich von Trump vorführen Trump rettet Ford-Werk - das gar nicht gefährdet war

Bleibt, unabhängig von Trump: Lincoln-Produktion in Louisville, Kentucky

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Nichts zu danken. "Das war ich dem großartigen Staat Kentucky für sein Vertrauen in mich schuldig", gibt sich Donald Trump auf Twitter generös. Völlig selbstverständlich, dass er mit Ford-Chairman Bill Ford Jr. "hart arbeitete", um das dortige Werk der Marke Lincoln (genau genommen sind es sogar zwei Fabriken) zu erhalten.

Es ist die erste Erfolgsmeldung, die der künftige Präsident nach seiner Wahl verkünden kann. Und was für eine: Sie zielt genau auf die Wähler im Industrierevier des Mittleren Westens, die Trump zum Sieg verhalfen. Im Wahlkampf hatte er mehrfach gezielt Ford  als vaterlandslose Gesellen attackiert.

Noch vor wenigen Tagen hatte Konzernchef Mark Fields auf der Automesse in Los Angeles trotzig den Plan bestätigt, ein neues Werk in Mexiko zu bauen und die komplette Kompaktwagenproduktion aus den USA abzuziehen. Den von Trump angekündigten Strafzoll von 35 Prozent für Autos als Mexiko wies er zurück. Jetzt sieht es aus, als habe der Konzern klein beigegeben, dank Trumps gutem Draht zu "meinem Freund" Bill Ford. "No Mexico", heißt es in einem weiteren Tweet.

Milliardeninvestition in Kentucky stand schon fest

Der Schönheitsfehler der Geschichte: Kentucky stand gar nicht zur Disposition, wie "Washington Post"  und andere Medien schnell bemerkten. Vielmehr wurde dort schon vor einem knappen Jahr eine Milliardeninvestition in die Produktion der in Amerika ungebrochen beliebten superschweren Pickups verkündet, was 2000 neue Jobs bringen solle.

Aber Ford selbst gab sich keine Mühe, Trumps Einrennen offener Türen bloßzustellen. Stattdessen bestätigte der Konzern offiziell, dass auch der Geländewagen Lincoln MKC - da gab es offenbar doch Mexiko-Pläne - weiter in Kentucky gefertigt werde.

Mehr noch als der Rest der Branche, der um sein international verflochtenes Geschäft ebenso wie die Investitionen in Elektro- oder Roboterautos fürchtet, agiert Ford hilflos gegenüber Trump.

Ford fleht: "Wir sollten als die große amerikanische Autogesellschaft gefeiert werden"

Die Entscheidung, margenschwache Kompaktwagen wie den Ford Focus ab 2018 nur noch zu importieren, stand schon mehr als ein Jahr lang fest - ebenso wie der Deal mit der Gewerkschaft UAW, im Auto-Herzland Michigan stattdessen "aufregende neue Modelle" produzieren zu lassen. Bereits 2015 hatte Ford den umgekehrten Weg der Produktionsverlagerung gewählt: für Pickups, die nun in Ohio statt in Mexiko gebaut werden.

Aber CEO Fields verkündete erst im September öffentlich, "null Jobs gehen verloren". Es sei "wirklich bedauerlich, wenn Politik sich quer zu den Fakten stellt". Ford warb damit, in den vergangenen fünf Jahren 12 Milliarden Dollar in den USA investiert und damit 28.000 Jobs geschaffen zu haben.

Da hatte Trump seinen Anhängern in Michigan aber schon eingehämmert, dass "sie all ihre Angestellten in den Vereinigten Staaten feuern und nach Mexiko ziehen" (was er freilich verhindern werde). In der ersten Fernsehdebatte legte er noch nach: "Ford haut ab! Tausende von Jobs verlassen Michigan, verlassen Ohio ... Sie werden uns gestohlen."

Der irritierende Liebesentzug der Rechten

Eine Einladung in die Konzernzentrale beantwortete der Kandidat nicht, ließ die Granden aber im Trump Tower antreten. Einigermaßen frustriert beschwor Firmenpatriarch Bill Ford im Oktober, das sei doch "ein tolles Gespräch"  gewesen und "Trump kennt die Fakten auf jeden Fall".

Besonders enttäuscht ist die Firma über den Liebesentzug der Rechten, für die sie einige Jahre lang Heldenstatus hatte - als einzige der Big Three, die ohne Pleite, ohne Staatsbeteiligung und vor allem ohne Verkauf an Ausländer wie im Fall Fiat-Chrysler durch die Krise kam.

"Wir sollten, denke ich, in mancher Hinsicht als die große amerikanische Autogesellschaft gefeiert werden", klagte Bill Ford dem Wirtschaftsclub in Washington.

Vielleicht klappt es ja noch, die Superduty Trucks aus Kentucky als Fahrzeuge für Patrioten zu vermarkten. Mit dem Ford Focus aus San Luis Potosí wohl eher nicht.

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