Auch Daimler-Chef Zetsche kritisiert Nafta-Pläne Weltweite Auto-Allianz gegen Donald Trump

Die Autoindustrie in den USA macht gegen Pläne von Donald Trump mobil, das Freihandelsabkommen Nafta infrage zu stellen. General Motors, Toyota, Volkswagen und andere rufen die US-Bürger dazu auf, mit ihrer Unterschrift sich für den Erhalt des Pakts einzusetzen. Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht mit Blick auf Trumps Wirtschafts- und Handelspolitik von einem "Risiko" auch für deutsche Autobauer.
"Schlechtester Handels-Deal, der je gemacht wurde": Donald Trump verteufelt Nafta, die Autoindustrie verteidigt und wirbt für den nordamerikanischen Freihandelspakt

"Schlechtester Handels-Deal, der je gemacht wurde": Donald Trump verteufelt Nafta, die Autoindustrie verteidigt und wirbt für den nordamerikanischen Freihandelspakt

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Donald Trumps Dauerkritik am nordamerikanischen Freihandelspakt Nafta sorgt für Gegenwind aus der Autoindustrie. Herstellerverbände, denen etwa Volkswagen, General Motors und Toyota angehören, schlossen sich am Dienstag mit Allianzen von Händlern und Zulieferern zu einem Aktionsbündnis zusammen und starteten die Kampagne "Driving American Jobs" ("Amerikanische Arbeitsplätze voranbringen") - ein klares Bekenntnis zum Handelsabkommen der USA mit den Nachbarländern Kanada und Mexiko.

"Amerikas Autoindustrie schließt sich zusammen, um Nafta zu verteidigen und amerikanische Jobs zu bewahren", heißt es auf der Internetseite der Allianz. US-Präsident Trump bezeichnet Nafta als "schlechtesten Handels-Deal, der je gemacht wurde". Er hält das Abkommen für ungerecht und macht es für den Verlust zahlreicher US-Jobs insbesondere in der Industrie verantwortlich.

"Macht keinen Fehler - die USA haben von Nafta profitiert", widerspricht die Autolobby. Das Abkommen habe eine Schlüsselrolle beim Comeback der US-Wirtschaft und der Autoindustrie gespielt. "Wir gewinnen mit Nafta", versichern die Branchenverbände. Sie rufen die US-Bürger auf, aktiv zu werden und sich an einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Handelspakts zu beteiligen.

Daimler-Chef: Trumps Wirtschaftspolitik für Autobauer ein "Risiko"

Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht die Wirtschafts- und Handelspolitik des US-US-Präsidenten äußerst kritisch. "Bisher hat sich das nicht negativ auf unser Geschäft ausgewirkt", sagte Zetsche am Dienstagabend auf einer Veranstaltung des "Handelsblatt". "Aber selbstverständlich ist das auch ein Risiko."

Dabei ist das von Trump kritisierte Mexiko ein wichtiger Produktionsstandort auch der deutschen Autobauer für Fahrzeuge, die in den USA verkauft werden. Knapp ein Jahr nach Trumps Wahl sei die "die Beklommenheit" in der deutschen Autoindustrie nicht ganz gewichen, sagte Zetsche.

Die US-Regierung verhandelt derzeit mit Kanada und Mexiko über Veränderungen am Nafta-Abkommen. Die Gespräche, die mittlerweile über vier Verhandlungsrunden gingen, gestalten sich jedoch schwierig. Mit einer Einigung in diesem Jahr ist nicht zu rechnen. Zuletzt hatte Trump abermals damit gedroht, das Freihandelsabkommen aufzukündigen.

"Rücksichtslos, unverschämt, unwürdig" - Weiterer Republikaner greift Trump an

Der Widerstand gegen Trump nimmt indes auch im eigenen Parteilager zu. Der republikanische Senator Jeff Flake aus Arizona hat US-Präsident Donald Trump scharf angegriffen. Flake beschuldigte den 71-Jährigen, das Ansehen und die Stellung der USA im Ausland auf außerordentliche Art und Weise abzuwerten

Senator Jeff Flake hat sich in einer dramatischen Rede im Senat mit US-Präsident Donald Trump angelegt

Senator Jeff Flake hat sich in einer dramatischen Rede im Senat mit US-Präsident Donald Trump angelegt

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In einer dramatischen Rede im Senat sagte Flake, dass die amerikanische Politik sich an ein "rücksichtsloses, unverschämtes und unwürdiges" Verhalten des Weißen Hauses gewöhnt habe. Trump lasse sich auf ein niedriges Niveau herab und werde dafür in Erinnerung bleiben, dem Land die Würde genommen zu haben. Anschließend kündigte Flake an, nicht zur Wiederwahl anzutreten.

Vor zwei Wochen war bereits der Streit zwischen Trump und einem weiteren Republikaner eskaliert. Senator Bob Corker, der verlauten ließ, nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung zu stehen, nannte Trump einen Lügner, der das Ansehen des Landes in der Welt zerstört habe. Laut Corker habe Trump mit seinem Regierungsstil dazu beigetragen, dass es innerhalb der republikanischen Partei zu einer Spaltung gekommen sei.

Bemerkenswert war am Dienstag, dass sich der scharfen Kritik Corkers und Flakes kein anderer Republikaner öffentlich anschloss.

Es kommt oft vor, dass Senatoren mit einem Präsidenten über Kreuz lagen, auch wenn er der eigenen Partei angehört. Öffentliche Auseinandersetzungen wie die aktuellen aber sind in Ton und Inhalt bisher einmalig.

rei/dpa/Reuters