Strategische Partnerschaft BMW teilt seine Geheimnisse künftig mit Amazon

Nach Volkswagen wollen nun auch die Münchner umfassend mit der Cloud-Sparte des US-Konzerns kooperieren. Zentrale Datenbanken und Systeme aus Vertrieb und Produktion ziehen in die AWS-Wolke.
Datadriven: Künftig will BMW auch in der Produktion mehr datengetriebene Entscheidungen.

Datadriven: Künftig will BMW auch in der Produktion mehr datengetriebene Entscheidungen.

Foto: Jan Woitas / DPA

Der Münchner Autobauer BMW weitet seine Zusammenarbeit mit dem US-Technologieriesen Amazon beim Cloud-Computing aus, um die Datenanalyse und Softwareentwicklung an seinen Standorten weltweit zu vereinheitlichen. Als Teil der tief greifenden Kooperation werden Daten aus zentralen Geschäfts- und Betriebsbereichen in mehr als 100 Ländern an die Cloud-Sparte Amazon AWS übertragen, wie BMW am Dienstag mitteilte . Der Umzug werde eine Reihe von zentralen IT-Systemen und Datenbanken, beispielsweise aus Vertrieb, Produktion und Wartung umfassen.

Damit dringt der von Andy Jassy (52) geführte Cloudanbieter tief in die technischen Strukturen eines weiteren deutschen Autokonzerns vor. Im vergangenen Jahr sorgte AWS für Aufsehen, als die Amerikaner eine umfangreiche Kooperation mit Volkswagen ankündigten, in deren Verlauf bis 2025 die Daten aller Maschinen, Anlagen und Systeme aus weltweit 124 Fabriken des Konzerns zusammengeführt werden sollen, um die Produktivität zu steigern.

Die deutschen Autobauer sind wie die Industrie insgesamt dringend auf der Suche nach starken IT-Partnern. Weltweit wird die Digitalisierung von Fabriken und Lieferketten als nächste industrielle Revolution gefeiert. Ihre Apologeten lobpreisen die Vernetzung von Maschinen als Grundlage für die vollständige flexible Fertigung der Zukunft und versprechen Produktivitätssprünge von bis zu einem Drittel. Lange hatten deutsche Konzerne wie Siemens oder Bosch gehofft, in diesem Geschäft punkten zu können. Siemens etwa hängte sich auch in Amazons Volkswagen-Projekt mit rein. Es zeigt sich aber, dass auch hier zunehmend die US-Anbieter – allen voran Amazon AWS und Microsoft – dominieren. 

"Der Markt der Industrievernetzung formiert sich gerade völlig neu", sagte Frank Riemensperger (58), Deutschland-Chef des Beratungshauses Accenture, vor Kurzem dem manager magazin.  Statt isoliert einzelne Werke zu digitalisieren – deren Optimierung die Spezialität der deutschen Industrieexperten sei –, sähen die Unternehmen nun zunehmend das Potenzial, relevante Maschinen- und Prozessdaten aus vielen Standorten und von Zulieferern in der Cloud zu kumulieren. Die Analyse mit künstlicher Intelligenz eröffne neben der klassischen Optimierung auch neue Wertschöpfungsmodelle.

Hier setzt auch die Partnerschaft von AWS und BMW an. Die beiden Konzerne kooperieren seit 2015. Gemeinsam haben sie etwa ein "Cloud Data Hub" entwickelt, in der schon heute Daten aus Produktion oder Vertrieb gesammelt werden. Während der Corona-Krise im Frühjahr konnten die Münchner so frühzeitig erkennen, welche Zulieferer Probleme hatten und umsteuern. Künftig sollen solche Plattformen erweitert und intern wesentlich mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugänglich gemacht werden.

Durch die Nutzung der AWS-Dienste will BMW künftig, Fahrzeugdaten zu analysieren, um die Betriebseigenschaften von Teilen vorherzusagen, proaktiv Wartungsempfehlungen an die Kundschaft auszusprechen und Zulieferer über potenzielle Probleme in ihren Fertigungsprozessen informieren. Die Daten sollen helfen, die Lieferketten zu überwachen und dank des Einsatzes Künstlicher Intelligenz Kundenwünsche besser vorhersagen.

Gleichzeitig umfasst die nun vereinbarte strategische Partnerschaft ein Fortbildungsprogramm. Mit Hilfe von AWS will BMW 5000 Mitarbeiter in der Nutzung der Cloud-Technologie schulen; 2000 davon mit Schwerpunkt Maschinelles Lernen und Datenanalyse.

lhy/Reuters
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