Donnerstag, 22. August 2019

Investment ging schief Dieter Zetsche verklagt seine Bank

Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche fühlt sich schlecht beraten
John MACDOUGALL / AFP
Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche fühlt sich schlecht beraten

2009 lief es bei Dieter Zetsche nicht gerade rund. Bei Daimler kriselte es, und als Konzernchef bekam er zum zweiten Mal in Folge deutlich weniger Geld. Sein Gehalt sank von mehr als zehn Millionen Euro 2007 auf 4,2 Millionen Euro. Vielleicht erinnert sich der 66-jährige Topmanager a.D. auch deshalb noch so genau an das Investment, das er am 22. Januar 2009 abschloss.

Für 100.000 Euro zuzüglich 5000 Euro Aufgeld kaufte er sich damals in einen geschlossenen Immobilienfonds ein. Doch die Anlage floppte. Von seinem damaligen Berater bei der Baden-Württembergischen Bank (BW-Bank) fühlt er sich schlecht beraten - und geht deshalb vor dem Stuttgarter Landgericht gegen das Institut vor, wie aus einem im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Gerichtsbeschluss hervorgeht. Laut "Stuttgarter Zeitung", die zuvor über den Fall berichtete, fordert er Schadensersatz.

Immobilien zu hoch bewertet?

Öffentlich gemacht wurde Zetsches Offensive gegen das zur Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gehörende Institut, weil seine Anwälte in dem Verfahren einen Musterverfahrensantrag stellten. In dem online einsehbaren Antrag, von dem noch andere mutmaßlich Geschädigte profitieren könnten, führen Zetsches Anwälte detailliert auf, in welchen Punkten der Fondsprospekt falsche oder unvollständige Angaben enthalten haben soll. Das Gericht ließ den Antrag am 2. Juli zu.

In dem Antrag geht es unter anderem um die finanzielle Bewertung der dem Fonds zugrundeliegenden Immobilien sowie um die Frage, ob Altlasten unter ihnen schlummern. Zetsche gibt laut Gericht an, auf Basis des Prospekts von dem Mitarbeiter der BW-Bank beraten worden zu sein. Den Emissionsprospekt will er demnach aber auch erst am Tag des Abschlusses erhalten haben.


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Inhalt und der Ablauf des Beratungsgesprächs sind zwischen Zetsche und der BW-Bank laut dem Gerichtsbeschluss allerdings strittig. Die BW-Bank teilte lediglich mit: "Zu einzelnen Kundenbeziehungen dürfen wir uns aufgrund des Bankgeheimnisses nicht äußern." Generell bedauere man es jedoch, wenn die Entwicklung eines Fonds hinter den Erwartungen zurückbleibe und sei um ein ausgewogenes Portfolio bemüht, um etwaige Verluste ausgleichen zu können. Man sei um einvernehmliche Lösungen mit den Kunden bemüht. Die Bank räumte aber auch ein: "Es gibt aber eine geringe Anzahl von Fällen, in denen das nicht gelingt und die deswegen gerichtlich geklärt werden."

Pikant an dem Investment sind auch die Hintergründe des Fonds, in den Zetsche investierte. Aufgelegt hatte den "Fünfundsechzigsten IFH geschlossenen Immobilienfonds für Holland GmbH & Co. KG" die frühere Fondsgesellschaft Wölbern. Sie steht wegen ihres Umgangs mit Immobilienfonds heftig in der Kritik.

Der frühere Chef der Hamburger Gesellschaft, Heinrich Maria Schulte, war wegen gewerbsmäßiger Untreue 2015 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Schulte, von Haus aus eigentlich Mediziner, soll in Hunderten Fällen rund 150 Millionen Euro aus Fondsvermögen abgeschöpft und zweckentfremdet haben. Zehntausende Anleger sind betroffen. Mit Zetsche ist nun auch ein Prominenter potenziell geschädigt.

Aktenzeichen: 21 o 313/18

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