Spac-Investment Dieter Zetsche zieht es an die Wall Street

Der frühere Daimler-Chef agiert als Multiaufseher. Nun heuert er bei einer New Yorker Investmentfirma an – um per Spac eine möglichst lukrative Firma aus der Autoindustrie an die Börse zu bringen.
Board-Sport: Bei Tui ist Dieter Zetsche Aufsichtsratschef, nun wird er Vice Chairman und President in New York.

Board-Sport: Bei Tui ist Dieter Zetsche Aufsichtsratschef, nun wird er Vice Chairman und President in New York.

Foto: Rainer Droese / localpic / imago images

Dieter Zetsche (68) zieht es an die Wall Street. Der langjährige Daimler-Chef hat sich der New Yorker Investmentfirma Kensington Capital angeschlossen. Mit seiner Erfahrung, seinen Kontakten und seinem Namen soll er helfen, einen weiteren Spac-Deal in der Automobilindustrie einzufädeln.

Kensington Capital hat bereits mehrere leere Firmenhüllen an der Börse platziert. Mit dem Geld der Anleger kauft das Managementteam um Gründer Justin Mirro (53), einem früheren General Motors-Manager und lnvestmentbanker, Anteile junger Firmen, um sie auf diese Weise selbst an die Börse zu bringen. Die Truppe mit Sitz in einem grauen Bürobau auf der Long-Island-Halbinsel kann schon auf zwei solcher Spac-Manöver verweisen. Ende 2020 bugsierte sie die US-Batteriezellfirma QuantumScape auf den Kapitalmarkt, an der auch Volkswagen beteiligt ist. Und im Herbst 2021 folgte das spanische Unternehmen Wallbox, das Ladeinfrastruktur für Elektroautos verkauft.

Nun soll Zetsche als Vice Chairman und President helfen, mit der neuen Firma Kensington Capital Acquisition Corp IV einen weiteren Deal in der Autowelt abzuschließen. Am vergangenen Donnerstag reichte die Firma die Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC  ein, um als Hülle an die Börse zu gehen. Im Rahmen des Börsengangs will sie 200 Millionen US-Dollar einsammeln. Anschließend haben Mirro, Zetsche & Co. zwei Jahre Zeit, eine geeignete Firma für die Übernahme zu finden. Nach eigenen Angaben wollen sie sich auf den Erwerb eines Unternehmens aus dem "globalen Automobil- und automobilbezogenen Sektor" konzentrieren.

Seit zwei Jahren erleben Spacs einen wahren Boom. Im vergangenen Jahr sind allein in den USA 613 Firmenhüllen an den Start gegangen, seit Jahresbeginn sind es laut der Plattform Spac Research schon wieder 21. Auch in Europa und Deutschland hat es Spac-Börsengänge gegeben, oft mit prominenter Beteiligung früherer Topmanager. So legte etwa der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing (58) einen Spac auf, genauso wie der frühere Deutschland-Chef von McKinsey, Cornelius Baur (59), der unter anderem mit Ex-Merck-Chef Stefan Oschmann (64) gemeinsame Sache macht. Erst Mitte Januar kündigte der frühere Rocket-Vorstand Alexander Kudlich (41) bereits seinen zweiten Spac an.

Besonders beliebt sind Spacs in der Elektroauto- und Flugtaxibranche. Für die jungen und meist hochdefizitären Unternehmen sind sie eine gute Chance, in einem sehr frühen Stadium an Kapital von Privatanlegern zu kommen, um die teure Entwicklungsarbeit zu finanzieren. Für die Anleger entpuppten sich die Spacs jedoch meist als Flop. 

Kensington Capital hat zumindest für die frühen Geldgeber eine gute Bilanz. Die Finanziers hinter der ersten Mantelfirma, die Ende 2020 mit dem Feststoffbatterie-Start-up QuantumScape verschmolz, können sich bis heute über mehr als 55 Prozent Kursgewinn freuen; allerdings rangiert der Börsenwert aktuell nur noch bei gut einem Zehntel der Rekordbewertung. Wallbox liegt mit mehr als 25 Prozent Kursgewinn deutlich im Plus.

Für Zetsche ist es nicht der einzige Job. Seit seinem Ausstieg bei Daimler 2019 ist er vor allem als Multiaufsichtrat beschäftigt. Er führt das Gremium beim Touristikkonzern Tui. Bereits kurz nach seinem Ausscheiden beim Autobauer ist er in den Beirat des familiengeführten Discounters Aldi Süd eingestiegen . Seit 2020 ist er Aufsichtsrat des kriselnden Flugtaxi-Bauers Volocopter  sowie im Beratergremium des aufs autonome Fahren konzentrierten Sensorherstellers Luminar. Seit dem vergangenen Jahr sitzt er außerdem im Board des Softwarekonzerns Adobe, im Beirat des Batterieherstellers Factorial Energy sowie im Beirat des Softwareunternehmens Applied Intuition, das ebenfalls aufs autonome Fahren fokussiert ist.

Laut den SEC-Unterlagen ist Zetsche selbst nicht mit eigenen Anteilen an der neuen Firma beteiligt.

lhy