Mit aller Kraft gegen Tesla Diess' Pläne für das VW-Stammwerk Wolfsburg

VW-Chef Herbert Diess verfolgt das Fabrik-Projekt von Tesla in Grünheide haargenau. Nun will er das VW-Stammwerk gegen den Rivalen in Brandenburg in Position bringen.
Herbert Diess: Im Stammwerk Wolfsburg soll sich die Produktionszeit für ein Auto nahezu halbieren

Herbert Diess: Im Stammwerk Wolfsburg soll sich die Produktionszeit für ein Auto nahezu halbieren

Foto: REUTERS

Nach dem überstandenen Machtkampf um die Konzernführung richtet Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) seine Blicke wieder stärker auf das Ringen mit dem Elektrorivalen Tesla. Das von der anlaufenden ID-Familie weitgehend unabhängige, zentrale E-Volumenmodell könnte ab etwa 2025 im Hauptwerk des Konzerns angesiedelt werden, heißt es aus Unternehmenskreisen.

VW will dabei - ähnlich wie die Töchter Audi, Porsche und Bentley mit ihrem Tesla-Fighter für die Oberklasse in Hannover - Expertise aus mehreren Bereichen zusammenziehen. Die Planungen gelten auch aus Sicht des Betriebsrats als wichtiges Projekt für die Heimatstandorte des weltgrößten Autoherstellers in Niedersachsen.

Das Auto soll bereits auf dem Nachfolge-Baukasten des aktuellen Systems MEB basieren und könnte eine Stückzahl von mindestens 300.000 pro Jahr erreichen, hieß in den Kreisen weiter. Volkswagen will so auch den US-Rivalen Tesla, der zunehmend auf etwas günstigere Fahrzeuge im Massengeschäft setzt, mit weiteren Elektromodellen angreifen.

Fertigungszeiten sollen deutlich sinken

Dazu soll die zugehörige Produktionstechnik und -software optimiert werden, um deutlich kürzere Fertigungszeiten zu erreichen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg  meldet, wolle Volkswagen die Produktionszeit je Pkw im Stammwerk auf die zehn Stunden zu reduzieren, die auch Tesla-Chef Elon Musk (49) anstrebt. Das wäre weniger als die Hälfte der geschätzten Zeit, die es braucht, um einen VW Golf oder Tiguan, die Hauptprodukte von Wolfsburg, zu montieren.

Diess wiederholte laut Bloomberg auch, dass VW die Fixkosten erheblich reduzieren müsse, um wettbewerbsfähig zu bleiben, da die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gezeigt hätten, dass Wettbewerber hier besser aufgestellt seien. VW hatte am Montag einen Plan zur Senkung der Fixkosten um 5 Prozent bis 2023 angekündigt.

Osterloh konnte sich durchsetzen

Der Konzern hatte das Vorhaben schon zu Beginn der Woche angedeutet. Am Montagabend beschlossen die Kontrolleure auf Druck von Vorstandschef Diess zunächst verschiedene Top-Personalien - es ging im Gegenzug aber auch um weitere Investitionen, bei deren frühzeitiger Beratung sich Betriebsratschef Bernd Osterloh (64) offenbar durchsetzen konnte. Ursprünglich hatte das E-Modell für Wolfsburg erst bei der nächsten, langfristig ausgerichteten Investitionsrunde im kommenden Herbst besprochen werden sollen.

Das Vorziehen gilt als Zugeständnis an die Belegschaftsvertretung, die schon länger mehr Modelle für den Stammsitz fordert. Dieser war bei den bisherigen Plänen für einen mittelfristigen Komplettumbau in Richtung E-Mobilität wie in Zwickau, Emden oder Hannover sowie in einigen Auslandsfabriken noch leer ausgegangen.

"Der Konzernsitz Wolfsburg soll mittelfristig die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen werden", erklärte Volkswagen. "Dort soll das künftig führende Elektrofahrzeug der Marke Volkswagen Pkw auf der Grundlage hoch produktiver und auch in Bezug auf Kosten wettbewerbsfähiger Standortbedingungen gebaut werden."

Volkswagen steckt aktuell viele Milliarden Euro in eine Elektroauto-Offensive. Allerdings hatte es bislang noch keine konkreten Pläne für ein bedeutendes Elektromodell für das Stammwerk in Wolfsburg gegeben. Im Zuge der Beendigung des Machtkampfes um die Konzernführung hatte es hier nun aber eine Zusage gegeben. Das Werk in Wolfsburg baut jährlich mehr als 800.000 Autos und ist damit die größte Autofabrik der Welt.

rei/mg/Bloomberg, DPA
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