Montag, 21. Oktober 2019

Auch Gespräch mit Ex-Volkswagen-Chef Müller aufgezeichnet Dieselpanik - wenn Wolfgang Hatz telefonierte, drückte seine Frau auf Aufnahme

Was er sagte, kann möglicherweise gegen ihn verwendet werden: Ex-Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz

Wenn Ermittler besonders nah an Kriminelle heranwollen, versuchen sie es gerne mit dem Lauschangriff: Mit Hilfe von Wanzen und ähnlichen Abhörgeräten werden Telefonate und andere Gespräche mitgeschnitten. Eher selten dürfte es dagegen vorkommen, dass Verdächtige den Behörden die Aufzeichnungen ihrer Gespräche gleich frei Haus liefern.

So ähnlich war es aber offenbar im Falle des ehemaligen Porsche-Vorstandes Wolfgang Hatz, eines der Verdächtigen im Dieselskandal. Einem - nicht nur informativen, sondern auch ziemlich unterhaltsamen - Bericht des "Handelsblatts" zufolge verfügt die Münchener Staatsanwaltschaft, die gegen Hatz ermittelt, über Aufzeichnungen von Telefonaten, die der Manager in der heißen Phase des Dieselskandals mit verschiedenen Topleuten aus dem Volkswagen-Konzern geführt hat, darunter auch der seinerzeitige Konzernchef Matthias Müller sowie Porsche-Chef Oliver Blume. Quelle der Aufnahmen, und das ist kurios, ist dem Bericht zufolge Hatz selbst, beziehungsweise dessen Umfeld.

Die Gattin des Managers habe Telefonate ihres Mannes mit dem Smartphone aufgenommen, heißt es, offenbar mit dem Ziel, sie zu dessen Verteidigung einzusetzen. Aus diesem Grunde habe Hatz' Ehefrau die Dateien an den Anwalt des früheren Porsche-Managers geschickt. Später habe die Staatsanwaltschaft die Audiodateien gefunden - und nun seien sie Teil der Ermittlungsakten, schreibt das "Handelsblatt".

Für Hatz kann das vermutlich unangenehme Folgen haben, denn den Passagen, die die Zeitung aus den aufgezeichneten Telefonaten zitiert, ist zu entnehmen, dass die Manager bei diesen Unterhaltungen zum Thema Dieselskandal offensichtlich kein Blatt vor den Mund genommen haben. Von "Bescheißsoftware" ist da an einer Stelle beispielsweise die Rede, und davon, dass Vertreter des Aufsichtsrates "keinen Arsch in der Hose" hätten, an anderer.

Hauptmotiv der Anrufe des früheren Porsche-Managers bei seinen seinerzeitigen Vorgesetzten war offenbar die Sorge um seinen Job. Es war die Zeit, kurz nachdem im Herbst 2015 die Vorwürfe gegen Volkswagen in den USA publik geworden waren, die den gesamten Dieselskandal ins Rollen brachten. Öffentlichkeit, Behörden sowie Verantwortliche beim Autohersteller selbst befanden sich fieberhaft auf der Suche nach Verantwortlichen und Schuldigen an der Misere. Und Wolfgang Hatz, der lange Zeit für die Motorenentwicklung bei Audi sowie später auch im gesamten Volkswagenkonzern verantwortlich war, gehörte zu denjenigen, die beinahe automatisch in den Fokus gerieten.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Er habe doch nichts getan, beteuerte Hatz laut "Handelsblatt" am Telefon gegenüber Volkswagen-Chef Müller, nachdem er vom Konzern in den Zwangsurlaub versetzt worden war. Doch es nützte nichts: 2016 wurde Hatz entlassen, 2017 wurde er festgenommen und kam für neun Monate in Untersuchungshaft. Seit Mitte vergangenen Jahres ist er wieder auf freiem Fuß - gegen eine Kaution von drei Millionen Euro.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen Hatz laufen nach wie vor. Dem Manager dürfte früher oder später eine Anklage ins Haus stehen. In der Anklageschrift kann er dann womöglich Passagen seiner eigenen Telefonate nachlesen.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung