Montag, 20. Januar 2020

Dieselskandal paradox Wie Volkswagen und Co. ihre Abgase als Verkaufsargument ausschlachten

Tief einatmen: Im Auto ist die Luft normalerweise nicht viel besser als draußen - Filter sollen das ändern
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Tief einatmen: Im Auto ist die Luft normalerweise nicht viel besser als draußen - Filter sollen das ändern

Kaum zu glauben, aber wahr: Daimler hat seine Kunden kürzlich vor Gefahren durch Autoabgase gewarnt. "Wenn Sie nur eine Stunde täglich auf Hauptstraßen unterwegs sind", jagten der Hersteller Mercedes-Fahrern per Brief regelrecht Angst ein, ergebe das "aufs Jahr gerechnet 301,6 Gramm Feinstaub, den Sie einatmen".

Was war geschehen? Hatten die Anti-Diesel-Scharfmacher von der Deutschen Umwelthilfe Daimler Börsen-Chart zeigen juristisch zum Bußgang in Sachen Abgasaffäre verdonnert?

Keinesfalls, Daimler warb lediglich für seine Innenraum-Luftfilter. Diese stellten sicher, dass zumindest "der Innenraum Ihres Mercedes-Benz" zu "100 Prozent feinstaubfrei ist". Gut vor allem für Fahrer in Daimlers Heimat Stuttgart, der Stadt mit der schlechtesten Luft in Deutschland. Alle Kunden könnten die Filter "zu Frühlingspreisen" einbauen lassen. So berichtete es die "Zeit".

Volkswagen macht aus der Not eine Tugend

Von der Werbeaktion hat sich Daimler inzwischen distanziert - aufgrund mehrerer Faktenfehler im Text. Dennoch wirft sie ein Schlaglicht auf ein wachsendes Phänomen: Autohersteller entdecken die zum Großteil selbst verursachte schlechte Luft in deutschen Städten als Verkaufsargument für teure Innenluftfilter und anderes Zubehör in ihren Fahrzeugen.

"Nicht alle Bestandteile der Außenluft sind im Auto erwünscht", weiß zum Beispiel Volkswagen. Für die Klimaanlage "Air Care" mit Luftreinigungsfunktion wird ein Aufpreis von rund 500 Euro fällig. Zum selben Preis schützt im Touran das System "Pure Air" mit Luftgütesensor die Insassen gar vor den Abgasen des eigenen Autos: Sobald der Wagen rückwärts fährt, schaltet das Gerät auf Umluftbetrieb um - die Luftzufuhr von außen wird somit gedrosselt.

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