Freitag, 21. Februar 2020

Dieselskandal paradox Wie Volkswagen und Co. ihre Abgase als Verkaufsargument ausschlachten

Tief einatmen: Im Auto ist die Luft normalerweise nicht viel besser als draußen - Filter sollen das ändern
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Tief einatmen: Im Auto ist die Luft normalerweise nicht viel besser als draußen - Filter sollen das ändern

2. Teil: Versprechen die Hersteller bei Innenraum-Filtern zu viel?

Außen pfui, innen hui - die immer ausgefeilteren Systeme sollen alle möglichen Partikel und Gase aus dem Innenraum fernhalten: Pollenallergene, Feinstaub, Ozon und nicht zuletzt Stickoxide wie NO2, um die es im Dieselskandal vor allem geht. Motto: Was immer hinten rauskommt - im Auto bleibt die Luft sauber.

"Die Anlagen verbessern sich in graduellen Schritten", sagt ADAC-Techniker Arnulf Thiemel gegenüber manager-magazin.de. Vliese und Aktivkohleschichten seinen vielfach bereits Standard.

Hinzu kommen Luftgütesensoren, die die Arbeitsweise der Klimaanlage beeinflussen. "Wenn man in die Stadt fährt, macht die Anlage bei besonders hoher Schadstoffkonzentration dicht", nennt Thiemel ein Beispiel. Als führende Zulieferer für Filter und Sensoren gelten beispielsweise Mann und Hummel aus Ludwigsburg bei Stuttgart sowie Paragon aus Delbrück (Nordrhein-Westfalen).

Ionisator im Audi Q7 soll Partikel und Keime eliminieren

Öffentliche Feinstaubfilteranlagen von Mann und Hummel in Ludwigburg
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Öffentliche Feinstaubfilteranlagen von Mann und Hummel in Ludwigburg

Auch Audi macht beim Thema Luftqualität Tempo, zumindest im Auto. Die Ingolstädter bieten ab Sommer auch bei kleineren Modellen einen neuen Klimafilter an. "Dieser holt nicht nur Feinstaub und schädliche Gase aus der Luft, sondern macht auch einen Großteil aller Allergene unschädlich", heißt es bei Audi. Für 59 bis 79 Euro lassen sich auch ältere Modelle nachrüsten.

Im Q7 bietet Audi für 200 Euro zusätzlich einen Ionisator, der schädliche Partikel und Keime in der Luft reduzieren soll. "Die so verbesserte Luftqualität im Fahrzeuginnenraum kann zur Steigerung des Wohlbefindens und der Aufmerksamkeit beitragen", befindet der Hersteller.

Klingt nett - doch ähnlich wie bei der Abgasreinigung zwischen Motor und Auspuffrohr ist fraglich, wie weit Autofahrer den Versprechungen der Industrie glauben können. Laut ADAC-Mann Thiemel gibt es kaum aussagekräftige Innenraumfilter-Tests. Mitglieder des Autofahrer-Clubs hätten dazu bisher selten Fragen gestellt.

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