Autokäufer reagieren auf Abgasskandal Deutsche Diesel-Autos verlieren Marktanteile

Volkswagen-Fahrzeuge: Das Interesse der Kunden am Diesel sinkt

Volkswagen-Fahrzeuge: Das Interesse der Kunden am Diesel sinkt

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Volkswagen: Dirty Diesel - die Chronik der Ereignisse im VW-Abgasskandal

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Eine wachsende Zahl von Autofahrern reagiert offenbar auf die anhaltende Abgas-Diskussion - und wendet sich vom Diesel ab. Das hat eine Auswertung des Internet-Autovermittlers Mobile.de ergeben. Die Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) belegt die Tendenz. Demnach spüren vor allem deutsche Anbieter beim Thema Diesel Gegenwind.

"Autokäufer interessieren sich generell stärker für Benzinmodelle als im Vorjahr", teilte ein Sprecher von Mobile.de gegenüber manager-magazin.de mit. Die Nachfrage nach Autos mit Ottomotor sei seit September 2015 um rund 10 Prozent gestiegen. "Die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen ist hingegen um 10 Prozent gesunken." Die Auswertung bezieht sich auf Suchanfragen nach Neuwagen in Deutschland.

Wenig überraschend: Vor allem potenzielle VW-Käufer sprechen Dieselfahrzeuge weniger an. Seit April 2015 ist die Nachfrage laut dem Internetportal um etwa 14 Prozent gesunken, andere Marken verzeichneten im Schnitt einen Rückgang von etwa 3 Prozent.

Vorzeigetechnik der deutschen Autobauer gerät unter Druck

Damit gerät die Vorzeigetechnik der deutschen Autobauer auf dem Heimatmarkt unter Druck. Volkswagen , BMW  und Daimler  setzen auf den Diesel, um ihren CO2-Flottenausstoß spürbar zu senken und die EU-Vorgaben bis 2021 zu erfüllen. Zudem spülen ihnen die vergleichsweise teuren Fahrzeuge höhere Einnahmen und Gewinne in die Kasse.

Der Abgasskandal droht die Kalkulation nun durcheinanderzubringen. Zuletzt hatte Autozulieferer Bosch einen Zusammenhang zwischen dem Abgasskandal und rückläufiger Diesel-Nachfrage hergestellt .

Volkswagen steht dabei im Zentrum der Affäre. Der Konzern hat jahrelang eine illegale Motorsoftware eingesetzt. Sie sorgt dafür, dass Autos ihre Abgase bei offiziellen Tests wie vorgeschrieben reinigen, im Alltag aber nicht. Das Unternehmen muss elf Millionen Autos zurückrufen und hat Milliarden-Rückstellungen gebildet.

Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes: VW ist nicht der Hauptverlierer beim Diesel

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Verbrenner mit Verfallsdatum: Diese Staaten wollen Diesel und Benziner abschaffen

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Die Statistik des KBA bestätigt eine Anti-Diesel-Tendenz bei deutschen Herstellern - deren Selbstzünder verlieren bei den Zulassungen Marktanteile. So sank der Dieselanteil bei Volkswagen im ersten Quartal 2016 auf 51,2 Prozent von 54,3 Prozent im Vorjahr.

Während der Rückgang bei Golf (auf 40,5 von 42,8 Prozent) und Passat (auf 87,8 Prozent von 89,8 Prozent) noch moderat ausfiel, brach der Dieselanteil beim Geländewagen Tiguan auf 50 Prozent von 66,4 Prozent ein. Eine mögliche Erklärung: Vor allem der Passat, aber auch der Golf stehen bei Geschäftskunden hoch im Kurs, die kühl kalkulieren. Der Tiguan hat mit knapp 50 Prozent einen hohen Anteil an privaten Käufern, die offenbar stärker auf die Negativschlagzeilen rund um die Abgasaffäre reagieren.

Daimler-Chef sieht keinen grundlegenden Wandel

Überraschenderweise ist Volkswagen aber nicht der Hauptverlierer beim Diesel. Besonders stark sind die Selbstzünder-Zulassungen im ersten Quartal bei Mercedes gesunken: auf 58,7 von 63,1 Prozent. Daimler-Chef Dieter Zetsche erkennt allerdings keinen grundlegenden Wandel im weltweiten Kundenverhalten. "Im Markt können wir keinen Einfluss in irgendeiner Gestalt feststellen", sagte er auf der Automesse in China.

Bei BMW ging der Anteil auf 69 von 72,7 Prozent zurück. Bei Audi fiel er auf 68,5 von 65,3 Prozent. Anders als bei Volkswagen ging die Diesel-Schwäche bei den Premiumherstellern im ersten Quartal jedoch nicht mit einem allgemeinen Marktanteil-Schwund einher - vor allem Benziner kompensierten den Diesel-Rückgang.

Zahlreichen anderen Herstellern werfen Kritiker ähnliche Praktiken wie VW bei Dieselautos vor. Mercedes, Opel und weitere bestreiten, sie hätten gesetzeswidrig gehandelt. Gleichwohl haben sie inzwischen mit einem freiwilligen Rückruf von 630.000 Fahrzeugen reagiert.

Warum der Diesel-Rückgang derzeit vor allem Mercedes schadet

Auf dem deutschen Gesamtmarkt sank der Dieselanteil im ersten Quartal erstmals seit 2012, allerdings weniger stark als bei den deutschen Marken - auf 47,4 von 48,4 Prozent. Bei Skoda stiegt der Anteil recht deutlich.

Für Mercedes ist der Diesel-Rückgang offenbar das größte Problem. Der CO2-Flottenausstoß stieg im ersten Quartal um 1,5 Prozent. Bezogen auf alle zugelassenen Autos sank er (um 2,1 Prozent), wie auch bei Volkswagen, BMW und Audi. Ein Grund: Diese Hersteller verkaufen bereits mehr Elektro- und Plugin-Hybrid-Autos als Mercedes.

manager-magazin.de / Wochit

Für Daimler-Chef Zetsche bleibt der Diesel aber entscheidend, um die CO2-Ziele zu erreichen. "Rein sachlich" wäre es daher kein sinnvoller Schritt, sich vom Diesel zu verabschieden. Folgerichtig hat Daimler gerade neue Milliardeninvestitionen in die Technik angekündigt.

BMW-Vormann Harald Krüger klingt dagegen etwas weniger euphorisch beim Thema Diesel. Es werde der Punkt kommen, an des es unwirtschaftlich sein werde, "den Dieselantrieb immer weiter an die Anforderungen einer zunehmend ambitionierten Gesetzgebung anzupassen", sagte Krüger im Dezember. "Dann wird Elektromobilität die entscheidende Rolle spielen."

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