Sicherheitstechnik UWB soll Autodiebe zur Verzweiflung bringen Wie VW seine Autos unknackbar machen will

Von Ulrike Hauswald
Komfortschlüssel: VW und NXP wollen mit Hilfe von UWB-Technologie den Autodiebstahl erschweren

Komfortschlüssel: VW und NXP wollen mit Hilfe von UWB-Technologie den Autodiebstahl erschweren

Foto: UWB

Was Jaguar Land Rover kann, können wir schon lange - mit diesem Vorsatz will die Automarke VW Autodieben das Handwerk erschweren. In Hamburg stellte VW verschiedene Einsatzmöglichkeiten der Ultra-Wideband-Technologie (UWB), die bei den Briten zum verbesserten Diebstahlschutz dient, in einem Konzeptauto vor. Die Technik ist zwar nicht neu, schon seit rund 20 Jahren ist sie bekannt. Doch ist sie kleiner und effizienter geworden, erklärte Lars Reger, Chief Technology Officer von NXP, gegenüber manager-magazin.de. Der Halbleiterhersteller und VW wollen in ihren Autos damit den Diebstahlschutz erhöhen.

Die UWB-Kommunikationstechnologie ermöglicht die exakte Positions- sowie Distanzbestimmung in einem Abstand von bis zu zehn Metern. Durch die direkten Funkverbindungen zwischen Sender und mehreren im Auto angebrachten Antennen ist sie relativ robust. Zudem ist sie schneller und genauer als andere Wireless-Technologien wie Wi-Fi und Bluetooth.

Vor allem aber macht die Technik Autodieben das Handwerk extrem schwer. Denn sie schließt ein Einfallstor für Hacker, das sich beim Aufschließen und Starten moderner Autos häufig auftut. Die aktuell gerne verbauten "Keyless"-Zugangssysteme sind zwar bequem. Mit ihnen lassen sich Fahrzeuge öffnen und starten, ohne einen Schlüssel in ein Schloss stecken zu müssen.

Öffnen und Schließen via Fernbedienung - ein Angriffsmoment für Hacker

Doch das Öffnen oder Schließen der Autos via Fernbedienung bietet Hackern einen hervorragenden Angriffsmoment. Autodiebe können sich durch legal erhältliche Reichweitenverlängerer in das Fernbedienungs-Funksignal einklinken, es so kopieren und so oft den Wagen öffnen und damit wegfahren. So lange der Sprit reicht und der Motor nicht abgestellt wird, fährt das Auto, auch wenn der "echte" Schlüssel hunderte Kilometer weit weg sein kann.

VW ID.3: In VWs Elektroauto könnte die Technologie bereits zum Einsatz kommen

VW ID.3: In VWs Elektroauto könnte die Technologie bereits zum Einsatz kommen

Foto: Volkswagen

Dieser Sicherheitslücke soll mit UWB ein digitaler Riegel vorgeschoben werden. Die nur wenige Millimeter großen Chips messen die Laufzeit des Funksignals zwischen Auto und Schlüssel und ermitteln daraus die Distanz. Ist die Entfernung zu groß, reagiert das System nicht mehr. Die Technik soll noch in diesem Jahr in einem Volumenmodell in Serie gebracht werden, verspricht VW.

Denkbar ist da neben dem "Volks-Elektroauto" VW ID3 vor allem die achte Generation des VW-Bestsellers Golf, die auf der Automesse IAA Mitte September vorgestellt werden soll. VW wollte dies auf Nachfrage jedoch noch nicht bestätigen.

Sicherheitslücken der Komfortschlüssel

Zuspruch bekommt UWB vom ADAC, der bei seinen regelmäßigen Autotests auch die Sicherheit der Schließsysteme unter die Lupe nimmt und schon länger vor den Sicherheitslücken der Komfortschlüssel warnt. Gerade mal bei vier der bis August 2019 getesteten 300 Modelle konnten die Schlösser nicht geöffnet oder der Motor gestartet werden. Die vier unknackbaren Neuwagen stammten alle von Jaguar Land Rover - und verfügen bereits über die Sicherheitstechnologie via UWB-Chips.

Der ADAC verweist darauf, dass "absolute Sicherheit gar nicht nötig und dass die UWB-Technologie als sehr sicher einzustufen ist". Ein Auto mit UWB-Technik zu knacken sei nach bisherigen Erkenntnissen - wenn überhaupt - nur im Labor möglich. Diese Mühen machen solche Fahrzeuge für Diebe meist uninteressant. Aufgrund der komplexen Technologie kommt es jedoch zu höheren Kosten, so der Autoclub.

Die UWB-Technik lässt sich aber nicht nur für mehr Sicherheit gegen Autoknacker einsetzen. Entwickler denken auch an ein barrierefreies Leben von morgen. So soll die Technologie bald Bewegungsmuster von Personen erkennen und dadurch Funktionen am Fahrzeug auslösen können.

Durch präzise Sensortechnologie und künstliche Intelligenz erkennt und erlernt das Auto Bewegungsmuster und Gesten von bis zu 12 Personen. Am vorgestellten Konzeptauto konnte so zum Beispiel der Kofferraum automatisch geöffnet werden, wenn sich der Besitzer auf das Fahrzeug zu bewegt und eine persönliche Geste ausführt. Weitere Möglichkeiten sind zum Beispiel das automatische Ausfahren der Anhängerkupplung, wenn im Anhänger ebenfalls ein UWB-Chip eingebaut ist - oder die Erkennung eines mit einem UWB-Chip ausgerüsteten Babysitzes samt gleichzeitiger Ausschaltung des Beifahrer-Airbags.

"Das Bewegungsprofil ist dabei so individuell und sicher wie ein Fingerabdruck", sagt Reger. Eigentlich sollte nur der Fahrzeughalten via UWB das Auto aufschließen können. Aber diese Biometrik lasse sich auch nach Wunsch für eine begrenzte Zeit ausschalten. Damit könne der Fahrzeugbesitzer "Familienmitgliedern oder Angehörigen eine digitale Zugangs- und Fahrberechtigung erteilen", so Maik Rohde, Leiter Karosserie, Elektronik, Komponenten bei Volkswagen. Die Software könne angepasst werden, personalisierte Kundenwünsche können somit "individuell realisiert werden," verspricht Rohde.

Allerdings: Was das Mehr an Sicherheit und Komfort Autokäufer letztlich kostet, dazu hüllt sich der weltgrößte Autohersteller noch in Schweigen. Gegenüber manager-magazin.de konnte Volkswagen noch keine Angaben machen, wann, in welchen Modellen und zu welchen Aufpreisen die UWB-Schlüssel auf den Markt kommen.