Nissan-Europa-CEO Thomas Hausch wechselt zu Solarauto-Firma Warum ein erfahrener Automanager zum Weltverbesserer-Startup Sono Motors geht

Elektroauto Sion von Sono Motors

Elektroauto Sion von Sono Motors

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Sono Motors Solar-Elektroauto Sion: Dieses Billig-Elektroauto tankt beim Stehen

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Losgelegt haben die Gründer von Sono Motors im Teenager-Alter in der elterlichen Garage. Nun wird Deutschlands jüngster Elektroauto-Hersteller im Eiltempo erwachsen. Knapp ein Jahr nach der Präsentation seines Solar-Elektroautos Sion holt Sono Motors einen erfahrenen Automanager an Bord: Thomas Hausch, bis Ende 2017 Nissans Europa-Geschäftsführer, verstärkt ab sofort die Sono-Geschäftsleitung. Hausch soll als COO Sonos Geschäftsstrategien implementieren, wie das Startup mitteilte. Zudem ist er für das Management von Sonos strategischen Partnern und Lieferanten zuständig.

Thomas Hausch, Chief Operating Officer bei Sono Motors

Thomas Hausch, Chief Operating Officer bei Sono Motors

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Der 52-jährige Hausch hat jahrzehntelange Erfahrung in der Autobranche. Von Mitte 2013 bis Ende 2017 war er CEO von Nissan Center Europe, leitete also das Europa-Geschäft des japanischen Autoherstellers. Vor seinem Nissan-Engagement arbeitete er für Daimler und mehrere Jahre in den USA für Chrysler. Von August 2011 bis April 2013 leitete er Vertrieb und Marketing des kalifornischen Elektroauto-Startup Coda Automotive, das kurz nach Hauschs Ausstieg in die Insolvenz ging.

Hausch gilt Berichten zufolge als Elektromobilitäts-Verfechter. Da passt es gut ins Bild, dass nun zu Deutschlands jüngstem Elektroauto-Startup wechselt: Denn Sono Motors wurde erst im Jahr 2016 gegründet - von dem damals 22-jährigen Elektroingenieur-Studenten Laurin Hahn, dem ebenso alten Computerwissenschafts-Studenten Jona Christians und der fünf Jahre älteren Navina Pernsteiner, studierte Kommunikationsdesignerin.

Die Vision der jungen Gründer ist es, ein erschwingliches Elektroauto zu bauen, das rundum mit Solarzellen bedeckt ist und sich im Stehen selbst auflädt. Seit 2012 verfolgen Hahn und Christians ihre Elektroauto-Idee. Da hatten beide noch nicht mal Abitur und werkten in der Garage von Christians Eltern an einem ersten Elektroauto.

All das mag zunächst nach "Jugend forscht" klingen, doch die jungen Sono-Gründer sind mit ungewöhnlichen Ideen in kurzer Zeit weit gekommen. Um den Bau eines Prototyps zu finanzieren, starteten sie eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne - und erhielten ziemlich schnell Starthilfe von externen Investoren. Im Jahr 2017 stiegen etwa der mittelständische Autozulieferer Böllinger Gruppe und der Gründer des Energiedienstleisters Juvi als Investoren bei Sono ein.

Über 6000 Vorbestellungen liegen bereits vor

Im August 2017 präsentierte Sono in München erstmals einen Prototypen seines Solarautos Sion - bei dem das junge Startup vieles anders machten als traditionelle Autohersteller. So ist der Fünfsitzer mit 7,5 Quadratmetern Solarzellen bedeckt, die im Idealfall pro Tag genug Strom für 30 Fahrkilometer liefern. Innen soll ein Moosfilter Feinstaub binden, mit dem Sion-Autoakku lässt sich per Schuko-Stecker auch ein Elektrogrill betreiben - oder ein anderes Elektrofahrzeug laden. Mit einer Batterieladung fährt der Wagen 250 Kilometer weit - und das zum Günstig-Preis. Denn der Sion soll zum Marktstart 2019 inklusive Batterie nur rund 20.000 Euro kosten.


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Das Auto brauche 5000 Vorbestellungen, um in Serie gebaut zu werden, verkündete das Gründerteam vor einem Jahr. Dieses Ziel haben die Sono Motors-Macher erreicht. Aktuell liegen laut Sono "weit über 6000 Fahrzeug-Reservierungen" vor. Die Vorbesteller mussten dafür mindestens 500 Euro anzahlen. Mehrere Hundert davon haben aber bereits den vollen Preis von 16.000 Euro überwiesen, erklärte Sono-Mitgründer Hahn im Gespräch mit manager-magazin.de.

Einen Batterie-Großauftrag hat das Startup schon vergeben

In Summe ergeben die Vorbestellungen alleine ein mögliches Umsatzvolumen von deutlich über 100 Millionen Euro. Im Mai hat Sono einen Großauftrag für Batterieentwicklung- und Fertigung an den deutschen Autozulieferer ElringKlinger vergeben, der sich über acht Jahre erstreckt und mehrere hundert Millionen Euro schwer ist.

Noch hat der Sion aber keine Straßenzulassung - die Crashtests für den Wagen sollen 2019 stattfinden. Die ersten Serien-Sions werden im kommenden Jahr vom Band laufen und Ende 2019 in den Verkauf kommen. Einen Produzenten für die Fahrzeuge hat sich Sono laut Hahn bereits gesichert. "Das wird ein Auftragsfertiger aus dem europäischen Raum. Wir arbeiten bereits seit über einem Jahr mit diesem Partner zusammen", so Hahn. Im ersten vollen Produktionsjahr will Sono auf eine fünfstellige Zahl an Fahrzeugen kommen. Über den Lebenszyklus von rund acht Jahren strebt Sono die Produktion von "mindestens 100.000 Fahrzeugen" an, erklärte Hahn.

Isa Krupka, Kommunikationschefin bei Sono Motors / Sono Motors GmbH

Isa Krupka, Kommunikationschefin bei Sono Motors / Sono Motors GmbH

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Der neue COO Hausch ist nicht der einzige Neuzugang in der Sono-Geschäftsführung. Das junge Unternehmen holt sich eine Kommunikationsexpertin ins Führungsgremium: Die 56-jährige Isa Krupka leitet künftig die Sono-Unternehmenskommunikation und zieht ebenfalls in das Führungsgremium ein. Krupka warüber 14 Jahre lang in der Finanzbranche tätig: Bei Dow Jones Indexes und Stoxx Ltd leitet sie das europäische und weltweite Marketing. Zuletzt verantwortete sie beim dem Asset-Manager VanEck sämtliche Marketing- und Presseaktivitäten außerhalb der USA.

Mit Hausch und Krupka wächst die Sono-Geschäftsleitung nun auf insgesamt sechs Mitglieder. Das oberste Führungsgremium besteht künftig aus den beiden Gründern Hahn und Christians, Finanzchef Martin Sabbione, Entwicklungschef Roberto Diesel, COO Hausch und Kommunikationschefin Krupka.

"Wir müssen anfangen, weniger Autos zu produzieren"

Nach kleiner Startup-Klitsche sehen solche formalen Strukturen nicht mehr aus - auch wenn aktuell nur rund 70 Leute für Sono Motors arbeiten. Zumal die Neuzugänge nicht die einzigen Sono-Topmanager mit Automobilindustrie-Background sind: Technikchef Diesel etwa arbeitete mehr als ein Jahrzehnt als Entwicklungsingenieur für General Motors, Opel und den Autozulieferer Webasto.

Sono-Mitgründer Hahn will mit den neuen Kollegen in der Geschäftsführung das Unternehmen in die "nächste Entwicklungsstufe führen" und "strategisch auf den geplanten Wachstumskurs der nächsten Jahre ausrichten", wie er in einer Pressemitteilung erklärte. In nächster Zeit stehen "Produktionsentscheidungen, Markenaufbau und Kommunikation" verstärkt im Fokus, so Hahn weiter. Da freue man sich, nun ausgewiesene Experten an Bord zu haben und mit ihnen Sono Motors in die Zukunft zu führen.

Im persönlichen Gespräch sagt es Hahn etwas deutlicher: "Wir glauben, dass Know-How aus der alten Autoindustrie wichtig ist. Ein Elektrofahrzeug ist zwar anders ausgelegt, aber es muss nun mal auch produziert werden", sagt er.

In Konkurrenz zur mächtigen deutschen Autoindustrie will er aber nicht treten. "Wir haben nicht vor, jemanden in den Schatten zu stellen", erklärt Hahn. Sono Motors wolle in den kommenden Jahren zum Mobilitätsanbieter und Energiedienstleister werden.

Denn etwas unterscheidet Hahns Denkweise wohl doch deutlich von der klassischen Autoindustrie: "Wir müssen anfangen, weniger Autos zu produzieren, weniger Ressourcen zu nutzen und auf Sharing umzusteigen", erklärte er. Die Sion-Elektroautos werden deshalb ab Werk Carsharing-Funktionen eingebaut haben. Ihre Elektroauto-Batterien lassen sich problemlos als Pufferspeicher für das Stromnetz nutzen. Das sind Serien-Funktionalitäten, mit denen sich klassische Autohersteller schwertun - weil es ihrem Geschäftsmodell des Auto-Verkaufens vielfach widerspricht.