Expansionspläne für den "Streetscooter" Post will mindestens eine weitere Elektroauto-Fabrik bauen

Kampfansage an Volkswagen, Daimler und Co. Die Deutsche Post will zum Massenhersteller für Elektro-Transporter werden und baut dafür mindestens eine weitere Fabrik in Deutschland. Und Post-Chef Frank Appel schmiedet bereits an größeren Plänen für den "Streetscooter".
Post-Chef Frank Appel fährt vor und will den E-Transporter "Streetscotter" in den nächsten Jahren offenbar ganz groß rausbringen

Post-Chef Frank Appel fährt vor und will den E-Transporter "Streetscotter" in den nächsten Jahren offenbar ganz groß rausbringen

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Anfangs ein wenig belächelt, schwingt sich die Deutsche Post nun auf, ihren Elektrolieferwagen "Streetscooter" auch für andere Interessenten und nicht nur den Eigenbedarf zu produzieren. Ein zweites Werk soll in Nordrhein-Westfalen entstehen, über eine dritte Fabrik in Deutschland werde bereits nachgedacht, berichtet die "Rheinische Post" . Zugleich prüfe der Konzern die globale Expansion für seine knallgelben E-Transporter - eine Kampfansage an die deutschen Autobauer.

"Wir werden in NRW eine zweite Fabrik für den Streetscooter aufbauen, die noch dieses Jahr starten soll", sagt Post-Vorstand Jürgen Gerdes der Zeitung. Er treibt mit Streetscooter auch das Start-up voran, das die Post seit 2014 betreibt.

Das Interesse an dem Elektroauto außerhalb des Konzerns scheint groß zu sein. Quasi wöchentlich fragten Geschäftspartner bei dem Vorstand nach, ob der Konzern nicht auch ihnen den "Streetscooter" liefern könnte.

Bereits seit geraumer Zeit zeigt sich, die 2014 von der Deutschen Post übernommene Streetscooter GmbH, 2010 als Startup im Umfeld der RWTH Aachen gegründet, kommt mit der Produktion der elektrischen Paketautos kaum hinterher. Dabei soll das Unternehmen auf dem Gelände der ehemaligen Waggonfabrik Bombardier in Aachen bis zu 10.000 Fahrzeuge jährlich herstellen können. Mit der Fabrik in NRW sollen es nun 20.000 E-Transporter im Jahr werden.

Ein Logistik-Konzern, der unter die Autobauer und Autoverkäufer geht - eine abwegige Idee? Für Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen offenbar nicht. Die Post erschließe sich mit dem "Streetscooter" ein interessantes Marktsegment bei anderen Lieferfirmen oder Handwerkern. Die Chancen für das Auto könnten sich rapide erhöhen, weil immer mehr Städte ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge prüften, so der Experte.

Expansionspläne für das Ausland - Kampfansage an die großen Autobauer

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Der ab sofort beginnende Verkauf an Dritte ist eine Kampfansage an die großen Autohersteller, die sich noch in Tests versuchen. "Wir bleiben Motor der Elektromobilität und wollen Marktführer in der grünen Logistik werden", sagt Post-Vorstand Gerdes selbstbewusst.

VW will im Herbst die ersten "Elektro-Crafter" zur Erprobung an Kunden übergeben. Daimler will bis 2020 dem Paketdienst Hermes 1500 Elektrotransporter der Reihen Vito und Sprinter liefern.

Und schon jetzt muss sich der "Streetscooter" nicht verstecken: Mit 1669 Zulassungen im vergangenen Jahr belegte der E-Transporter bei Zulassungen reiner Elektroautos in Deutschland immerhin Platz vier hinter Renault (3157), BMW (2864) und Tesla (1908). Gemessen daran, dass die Post bislang keine Fremdkunden hatte, sei das beachtlich viel, befindet Autoexperte Dudenhöffer.

Die Kunden sollen auch andere Farben als das Post-Gelb auswählen können. Die Preise für den Elektrotransporter stehen ebenfalls schon fest: Das Basismodell mit derzeit 80 Kilometern Reichweite und einer möglichen Zuladung von vier Kubikmetern soll 32.000 Euro kosten, bestätigt die Post am Dienstag den detaillierten Bericht .

Demnach plant die Post auch, ein dichtes Servicenetz für das Elektroauto in Deutschland aufzubauen. So habe der Konzern bereits "einige hundert Werkstätten" in Deutschland zertifiziert, die den Streetscooter auch für Fremdkunden warten sollen. Auch soll es für den Elektrotransporter eine klassische Werkstattgarantie geben.

Zehn Fabriken weltweit, bis zu 100.000 E-Transporter jedes Jahr

Auf mittlere Sicht erwägt der Logistikkonzern, das Auto für den Eigenbedarf und Fremdkunden auch im Ausland auf die Straße zu bringen. An einem europaweiten Roll-out der Elektrotransporter werde gearbeitet. Zugleich plant die Post den Sprung nach Übersee: "In Indien und Thailand fahren wir bereits Pakete aus. Deshalb prüfen wir, ob der Streetscooter für uns und auch für externe Kunden interessant sein könnte", sagt Post-Vorstand Gerdes der Zeitung.

Dauerhaft könnten dann bis zu 100.000 Elektrotransporter pro Jahr in weltweit insgesamt zehn Werken vom Band rollen, blickt Vorstand Gerdes schon mal in die Zukunft. Zum Vergleich: Der Elektroautopionier Tesla lieferte im vergangenen Jahr rund 83.000 E-Autos aus. Mit dem Model 3 soll der Absatz ab kommenden Jahr auf 500.000 Fahrzeuge jährlich steigen.

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