Sonntag, 15. Dezember 2019

Deutsche im PS-Rausch Die Lust auf SUVs - süßes Gift für BMW, Audi und Co.

Schweres Gerät ist gefragt: Audis Geländewagen Q7

Die deutschen Autofahrer dürstet es so sehr wie noch nie nach PS-starken Wagen. Im Schnitt kommt ein neu zugelassener Pkw in diesem Jahr auf 143 Pferdestärken, wie eine Analyse des CAR-Centers Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ergeben hat. Besonders die Zahl spritschluckender Geländewagen und SUVs wächst demnach rasant.

Die Tendenz konterkariert das Bestreben der Politik, den Kohlendioxid-Ausstoß im Verkehr drastisch zu senken. Falls sich das Blatt nicht wendet, wird die Lage aber auch für die deutschen Autohersteller ungemütlich. Ihnen drohen hohe Strafzahlungen, wenn sie die CO2-Ausstoß ihrer verkauften Fahrzeuge bis 2021 von derzeit etwa 130 Gramm pro Kilometer nicht auf etwa 95 Gramm senken, wobei die Vorgabe für die einzelnen Hersteller variiert.

Für CAR-Center-Chef Ferdinand Dudenhöffer steckt der Ölpreisverfall hinter der Entwicklung: "Billiger Treibstoff lässt den Automarkt in alte Muster zurückfallen. Fahrzeuge mit hohen PS-Zahlen und große Autos - sprich SUV- stehen verstärkt auf der Shopping-Liste der Kunden."

Seit 2012 ist der Spritpreis in Deutschland deutlich gesunken. So kostete Diesel vor drei Jahren im Schnitt noch 1,49 Euro pro Liter. Im Mai dieses Jahres waren es laut CAR nur noch 1,25 Euro.

Ölpreisverfall weckt Lust an schwerem Gerät - 600.000 SUVs auf die Straße

Dudenhöffer erwartet, dass in diesem Jahr erstmals 600.000 SUVs verkauft werden, nach knapp 550.000 im Vorjahr. Damit wäre beinahe jeder fünfte Neuwagen in Deutschland ein solcher sportlicher Geländewagen. Im Schnitt stößt ein solches Auto 148 Gramm CO2 pro Kilometer aus - und damit 22 Gramm mehr als ein durchschnittlicher Neuwagen.

"Für die deutschen Autobauer ist das eine risikoreiche Entwicklung", sagt Dudenhöffer. Momentan streichen sie zwar gute Gewinne durch den Verkauf von Geländewagen ein. Doch in einigen Jahren müssten sie Plugin-Hybrid- und reine Elektroautos in hohem Maße quersubventionieren, um die vorgeschriebenen CO2-Flottenwerte zu erreichen.

Sowohl für Volkswagen, Daimler als auch BMW wird es sonst knapp, wie die Unternehmensberatung PA Consulting vorhersagt: Volkswagen muss bis 2021 auf 94 Gramm kommen, steuert bisher aber auf 98,5 Gramm zu. Für BMW lautet die Vorgabe 100 Gramm, doch es werden wohl eher 104,9 Gramm. Daimler soll 101 Gramm erreichen, erreicht aber nach derzeitigem Stand nur 106,2 Gramm.

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