Autoabsatz August fällt Autoindustrie hofft auf das Ausland

Deutsche Autobauer haben im August im Inland weniger Autos abgesetzt, vor allem private Zulassungen gehen zurück. Der Inlandsabsatz bewegt sich seit Jahren kaum vom Fleck, die Hoffnungen ruhen auf dem Ausland. Doch da wachsen die Risiken.
Fertig für den Export: Mercedes-Fahrzeuge vor ihrer Verschiffung in Bremerhafen

Fertig für den Export: Mercedes-Fahrzeuge vor ihrer Verschiffung in Bremerhafen

Foto: © Fabian Bimmer / Reuters/ REUTERS

Berlin/Hamburg - Der deutsche Automarkt ist trotz eines leichten Rückgangs im August auf Kurs. Im vergangenen Monat lag die Zahl der Pkw-Neuzulassungen mit rund 213.000 Fahrzeugen um 0,4 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats, wie das Kraftfahrtbundesamt (KBA) in Flensburg am Dienstag mitteilte. Der August hatte aber einen Verkaufstag weniger als vor einem Jahr.

Dank des guten Jahresstarts steht seit Januar ein Plus von knapp 3 Prozent auf gut zwei Millionen Autos. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bekräftigte die Prognose von drei Millionen Neuzulassungen im Gesamtjahr - dies wäre ein Plus im Vergleich zu 2013. VDA-Chef Wissmann sprach von einem "stabilen Autojahr".

In Deutschland treiben weiterhin gewerbliche Anmeldungen das Geschäft. Nur knapp 38 Prozent der Neuwagen wurden laut KBA im August privat zugelassen, das war ein Rückgang von 2 Prozent. Allerdings gibt es auch viele Eigenzulassungen von Herstellern, die dann in den privaten Markt gehen.

Während VW, Opel und Ford im August ihre Verkäufe teils kräftig steigern konnten, sank der Absatz bei Audi und Mercedes deutlich. Rückgänge verzeichneten auch die französischen Autobauer Peugeot und Renault.

Autoexperte sieht deutschen Markt "tendenziell schlechter"

Der Automarkt in Deutschland kommt seit Jahren nicht vom Fleck. Die Neuzulassungen pendeln - bis auf ein Zwischenhoch durch die Abwrackprämie vor einigen Jahren - um die Marke von drei Millionen. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Menschen schon ein Auto haben, manche sogar zwei oder drei, und die Wagen heutzutage zudem länger halten.

Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge liegt bei fast neun Jahren. Die Branche hofft schon länger darauf, dass bald die Zeit einsetzt, in der ältere Wagen massenweise durch neue ersetzt werden. Doch halten sich viele Verbraucher wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage zurück. Neue Autos sind meist nur mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen, was auf Kosten der Rendite geht.

"Der Markt wird tendenziell schlechter", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Leiter des CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen geht davon aus, dass die Rabatte in den nächsten Monaten wieder steigen werden.

Die Hoffnungen ruhen auf dem Ausland. Kunden jenseits der Grenzen orderten im August laut VDA nahezu 5 Prozent mehr Pkw von deutschen Marken, im bisherigen Jahresverlauf stieg der ausländische Auftragseingang um 6 Prozent.

Ukraine-Konflikt, weniger Wachstum in China - "Die dunklen Wolken sind schon da"

Export und Produktion lagen im Zweimonatsvergleich Juli/August bei minus 6 Prozent. Der Rückgang habe vor allem mit den Werksferien der Hersteller zu tun, erläuterte VDA-Chef Matthias Wissmann.

"Insgesamt wird die See unruhiger und ungemütlicher", sagt Peter Fuß vom Beratungsunternehmen Ernst & Young. Und Autoexperte Dudenhöffer meint: "Die dunklen Wolken sind schon da."

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 kam es in vielen Regionen der Welt zu einem Nachholeffekt, nach Jahren des Sparens kauften viele Menschen wieder ein neues Auto. Diese Wirkung lässt nun nach, es tritt eine Normalisierung ein, wie Fuß erläutert: "Gut möglich, dass wir den Höhepunkt der weltweiten Erholung des Automobilmarktes bereits überschritten haben."

Sorge vor politischer Eskalation könnte Käufer stärker bremsen

Zwar brummt das Geschäft in den Kernmärkten USA und China. Doch das Wachstum im Reich der Mitte verlangsamt sich, wenn auch auf einem immer noch hohen Niveau. Dazu kommt, dass Chinas Preiswächter die Praktiken der ausländischen Autokonzerne und ihrer chinesischen Partner im Ersatzteilgeschäft unter die Lupe nehmen. "China birgt die größten Risiken, theoretisch und weil die Bedeutung so enorm geworden ist", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler - die Probleme bei den Ersatzteilen seien aber noch nicht "dramatisch".

Zu den Unsicherheitsfaktoren zählen auch der Ukraine-Konflikt und der "Handelskrieg" des Westens mit Russland - der sich noch verschärfen könnte. Der russische Automarkt ist bereits eingebrochen. Autoexperte Dudenhöffer sieht aber auch negative Folgen für die Konjunktur in Westeuropa. Nämlich dann, wenn die Kunden aus Sorge vor einer Eskalation und einer unklaren Zukunft keine größeren Anschaffungen mehr machen.

Auch die Pkw-Massenmärkte Italien und Frankreich könnten wirtschaftlich wieder in schwierigeres Fahrwasser geraten. In wichtigen Schwellenländern ist der Autoabsatz bereits stark zurückgegangen - vor allem in Brasilien, dem viertgrößten Automarkt der Welt.

rei/rtr/dpa
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