Kalifornien plant Verbrennungsmotor-Verbot Diese Frau will den Autobossen ihre Geschäftsgrundlage entziehen

Kämpferin gegen Smog und Klimawandel: Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Luftreinhaltungs-Kommission, macht Autobauern das Leben schwer

Kämpferin gegen Smog und Klimawandel: Mary Nichols, Chefin der kalifornischen Luftreinhaltungs-Kommission, macht Autobauern das Leben schwer

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Wenn deutsche Automanager über die Fahrzeuge der Zukunft debattieren, sitzt Mary Nichols gefühlt immer mit am Tisch. Die Chefin von Kaliforniens Luftreinhaltungs-Kommission "Air Resources Board" hat ihr Büro zwar an der US-Westküste. Doch ihr Einfluss auf die Industrie ist so groß, dass manches in Europa entwickelte Auto faktisch auch auf ihr Konto geht.

Jetzt setzt Nichols, unterstützt von Gouverneur Jerry Brown, zum finalen Großmanöver an: Schon ab dem Jahr 2030 soll in Kalifornien praktisch kein Auto mehr verkauft werden, das überhaupt irgendwelche Abgase ausstößt. Der Vorstoß ist Teil von Browns breit angelegter Klimaschutzoffensive in dem von Wasserknappheit und Waldbränden geplagten US-Bundesstaat. Im September soll das Parlament darüber abstimmen.

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"Die Leute müssen sich an eine Welt ohne Emissionen gewöhnen", sagte Nichols gegenüber dem Magazin "Bloomberg Markets".  Es gehe nicht mehr um eine "etwas bessere Version der Welt, die sie jetzt haben". Die 70-Jährige führt als Argument schon mal ihre eigenen drei Enkelkinder an, denen sie keinen zerstörten Planeten hinterlassen will.

Den BMW i3 hätte es ohne Nichols' Behörde womöglich nie gegeben

Seit Jahrzehnten macht das lange smoggeplagte Kalifornien Autoherstellern besonders strikte Vorgaben für die Umweltfreundlichkeit ihrer Fahrzeuge. Nichols mischt dabei seit den 70er-Jahren mit.

Nicht immer ist ihre Behörde gegen Ford und Co. durchgekommen. Doch manchen Wagen wie den Toyota Prius, das legendäre Elektroauto EV1 von General Motors und vielleicht auch den BMW i3 hätte es ohne die Kommission möglicherweise nie gegeben. Nichols selbst glaubt, dass die Automanager ihre Behörde als den wichtigsten Treiber für die technologische Weiterentwicklung des Automobils in Sachen Umweltverträglichkeit ansehen.

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Die nun geplante Direktive aus Sacramento schlägt weltweit Wellen. Schließlich ist Kalifornien der größte Automarkt innerhalb der USA. Faktisch müssen die Hersteller entscheiden, ob sie spezielle Elektro- oder Wasserstoffmodelle für den Westküstenstaat anbieten, hohe Kosten für Strafgebühren in Kauf nehmen - oder gleich ihre gesamte Flotte gemäß den kalifornischen Vorgaben modernisieren.

Fiat-Boss Marchionne: "Ich hoffe, Sie kaufen dieses Auto nicht"

Schon jetzt wirbeln kalifornische Umweltregeln den Markt auf - in den USA und anderswo. So schreibt das "Air Resources Board" Herstellern vor, einen bestimmten Anteil von emissionsfreien Autos anzubieten.

Manche Unternehmen wie Mazda halten an herkömmlichen Autos fest und hoffen darauf, dass alles schon nicht so schlimm werde. Andere wie Fiat-Chrysler bauen zähneknirschend ein paar Quoten-Elektroautos, die sie nur in Kalifornien und den US-Bundesstaaten anbieten, die dem Beispiel folgen. "Ich hoffe, Sie kaufen dieses Auto nicht", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne 2014 über den elektrischen Fiat 500, einen Verlustbringer.

Gleichzeitig haben nicht zuletzt wegen der Vorgaben von Nichols' Behörde aber auch neue Hersteller von Elektroautos die Bühne betreten: Coda und Fisker scheiterten, Tesla gelang der Durchbruch. Dem von Milliardär Elon Musk geführten Unternehmen fließen jährlich hohe Summen zu, die andere Hersteller als Strafgebühren zahlen müssen, weil sie keine oder zu wenige emissionsfreie Autos bauen.

Die deutschen Autobauer nehmen die Herausforderung mehr oder weniger an. Volkswagen und Mercedes bauen in eine wachsende Zahl von Modellen Batterie und Elektromotor ein. Die BMW-Vorderen sollen auch unter dem Eindruck von Nichols' Null-Emissions-Vorgabe sogar mit dem Gedanken spielen, den Verbrennungsmotor binnen zehn Jahren aus fast allen Modellen zu verbannen . Ein BMW-Sprecher nannte dies gegenüber manager magazin online "Spekulation".

Druck auf Nichols wächst

Doch tatsächlich steht kaum jemand wie Nichols so sehr für den Kampf gegen den Verbrennungsmotor. Noch gilt er vielen Automanagern als geliebtes Herzstück der Fahrzeuge. Zylinder und Kolben sind ihre Geschäftsgrundlage - die konventionelle Technik bringt schließlich weiterhin die besten Gewinne. Heerscharen von Techniker tüfteln auch in Deutschland an höheren Leistungen und niedrigerem Spritverbrauch.

Geht es nach Mary Nichols, strengen sich viele Ingenieure zumindest mittelfristig umsonst an. Denn faktisch plant sie ein Verbrennungsmotor-Verbot für ihren Staat, das weit über die Grenzen ausstrahlen könnte.

Derzeit wächst aber auch der Druck auf ihre Behörde. Viele Autobauer wehren sich gegen ihre Vorgaben. Sie verkaufen in den USA derzeit besonders viele spritfressende Trucks, weil der Benzinpreis im Keller ist. Gleichzeitig leidet der Absatz von Elektro- und Hybridautos.

Für die Hersteller erscheinen sowohl die Washingtoner Spritsparvorgaben als auch die kalifornischen Null-Emissions-Gesetze immer schwerer zu erreichen. Schon dringen sie auf Aufschub.

Nichols, die selbst einen kleinen Honda Fit fährt (in Deutschland bekannt als Honda Jazz), betont derweil ihre weiche Seite. "Immer wieder haben wir den Herstellern zusätzliche Zeit gegeben, Vorgaben zu erfüllen", sagt sie. Im Gegenzug erwarte sie allerdings stets ein grundsätzliches Bekenntnis zu den vorgeschriebenen Zielen.