Samstag, 21. September 2019

Daimler-Vorstand Bernhard über selbstfahrende Lkw und die Iran-Offensive "Das Geschäft werden wir nicht den Chinesen überlassen"

Blaues Licht für den Test-Lkw: Daimler hat die Lizenz dafür, seinen Roboter-Truck in den USA und in Europa Probefahren zu lassen

Wolfgang Bernhard, Chef von Daimlers Lkw-Sparte, über selbstfahrende Trucks, seinen Online-Store für Trucker-Apps, Elektro-Brummis- und den erhofften Daimler-Schnellstart im Iran.

Wolfgang Bernhard
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    Wolfgang Bernhard, 55, leitet seit 2013 die Lastwagen- und Bussparte bei Daimler. Der promovierte Wirtschaftsingenieur, Betriebswirt und Ex-McKinsey-Mitarbeiter stieg Mitte der 1990er bei Daimler ein. Anfang der 2000er-Jahre sanierte er gemeinsam mit Daimler-Chef Dieter Zetsche den US-Autohersteller Chrysler. Von 2005 bis 2007 arbeitete Bernhard für Volkswagen, wo er mit seiner direkten Art bei Betriebsräten und Vorgesetzten aneckte.

manager-magazin.de: Herr Bernhard, ihr Chef, Daimler-Boss Dieter Zetsche spricht gerne von der Neuerfindung des Automobils, die mit der Digitalisierung auf die Branche zukommt. Gilt das auch für Trucks, oder bleibt wenigstens die Brummi-Branche bodenständig?

Wolfgang Bernhard: Zwischen einem Lkw vor 50 Jahren und einem aktuellen Modell bestehen noch sehr viele Ähnlichkeiten. In den kommenden 10 Jahren werden wir allerdings auch bei Lkws mehr Veränderungen erleben als in den fünf Jahrzehnten davor. Beim autonomen Fahren, bei der Elektromobilität und bei der Konnektivität wird sich auch im Truck-Bereich sehr viel tun.

mm.de: Seit einem Jahr testet Daimler die ersten selbstfahrenden Trucks in den USA und in Europa. Wie klappt das bisher?

Bernhard: Wir sehen, dass der teilautonom fahrende Lkw mit Überwachung durch den Fahrer schon relativ gut funktioniert. Die Fälle werden weniger, in denen sich der selbstfahrende Truck nicht mehr in der Lage sieht, die Verkehrssituation zu bewältigen. Lkws bewegen sich überwiegend in einem vergleichsweise einfachen Verkehrsumfeld, nämlich auf der Autobahn ohne Gegenverkehr, Fußgänger oder Kreuzungsverkehr. Ein derartiges Umfeld ist für die Systeme leichter zu erfassen als der Stadtverkehr. Wir erwarten deshalb den Engpass weniger bei der Technik - sondern bei Zertifizierung und Zulassung. Ich gehe davon aus, dass wir zum Ende des Jahrzehnts die entsprechenden Regularien haben werden.

mm.de: Wollen Ihre Kunden, die Spediteure und Logistiker, solche Automatik-Lenkfunktionen überhaupt?

Bernhard: Ja, für unsere Kunden, speziell in den USA, ist Sicherheit ein ganz entscheidender Aspekt. Die meisten Unfälle passieren heute aufgrund menschlichen Versagens, etwa durch Müdigkeit oder Ablenkung. Zudem tut sich die Branche zunehmend schwerer damit, Fahrer zu finden, die diesen Job machen wollen. Wir glauben, dass teilautonome Systeme helfen, den Fahrerarbeitsplatz attraktiver zu gestalten. Wenn wir den Einflussfaktor Mensch reduzieren und stattdessen Lkws selbständig mehrere Kilometer samt Steigungen und Gefälle überblicken können, lässt sich auch erheblich Kraftstoff einsparen.

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