Montag, 23. September 2019

Weitere Amtszeit für Dieter Zetsche "Wir haben bei Daimler noch mehr im Blick"

Zetsche, Müller, Ghosn: So alt sind die Autobosse
AP

Berlin - Daimler-Chef Dieter Zetsche soll das Steuer des Stuttgarter Autobauers bis zum Ende des Jahrzehnts in der Hand behalten. Aufsichtsratschef Manfred Bischoff beendete am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Berlin Spekulationen über die Zukunft des Vorstandschefs nach dem Ende seines Vertrages im Dezember 2016. Der Aufsichtsrat habe die Absicht, Zetsche für drei weitere Jahre zu bestellen, kündigte Bischoff an. Der 61-Jährige kann damit weiter um sein Ziel kämpfen, bis 2020 die Rivalen BMW und Audi zu überholen und wieder größter Premiumhersteller weltweit zu werden.

"Wir haben bei Daimler viel erreicht, aber wir haben noch mehr im Blick", gab sich Zetsche angriffslustig. Erste Erfolge auf dem Weg dorthin kann der Zetsche, der den Konzern seit 2006 führt, schon vorweisen. Die Marke mit dem Stern konnte den Absatz im vergangenen Jahr mit einem Plus von zwölf Prozent stärker steigern als die Konkurrenten. Mit 1,65 Millionen verkauften Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz war Daimler auf Platz drei hinter Audi (1,74 Millionen) und BMW (1,81 Millionen). Die Pkw-Rendite lag mit acht Prozent operativem Gewinn vom Umsatz nur noch anderthalb Prozentpunkte hinter den beiden Wettbewerbern aus Bayern.

Die rund 4500 anwesenden Aktionäre quittierten die Ankündigung des Daimler-Aufsichtsratschefs, den Vertrag von Zetsche zu verlängern, mit Applaus. Auch an der Börse kam die Nachricht gut an: Aktien von Daimler Börsen-Chart zeigen drehten zuletzt ins Plus und lagen am Nachmittag 0,7 Prozent über dem Schlusskurs vom Dienstag. Zetsche äußerte sich nicht zur Vertrauensbekundung. Es gilt aber als offenes Geheimnis, dass er gern weitermachen möchte.

Mit einer Verlängerung bis Ende 2019 wäre der 61-Jährige auch in der Pflicht, den Konzern wie angepeilt spätestens 2020 an BMW und Audi vorbei an die Spitze der automobilen Oberklasse zu führen. Ende 2019 wäre Zetsche 66 Jahre alt, aber bei weitem noch nicht der älteste Chef eines Autokonzerns.

Vor zwei Jahren sah die Lage für Zetsche noch anders aus: Zu dem Zeitpunkt verweigerte die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat ihm die uneingeschränkte Vertragsverlängerung, Zetsche galt als angezählt. Jetzt stehen die Kontrolleure geschlossen hinter dem Daimler-Boss. Die Arbeitnehmerseite trage die Absicht des Aufsichtsrats mit, "weil wir das Unternehmen auf einem guten Weg sehen", erklärte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

Neue Mercedes-Modelle: "BMW und Audi schlafen nicht"

Zetsche fuhr zuletzt mit einer runderneuerten Modellpalette Erfolge ein. Der Konzern stellte 2014 erneut einen Verkaufsrekord auf und kam auch bei Umsatz und Gewinn auf Bestwerte. Dieses Jahr soll die Aufholjagd zu BMW und Audi mit hohem Tempo weitergehen. Doch Zetsche weiß auch: "Natürlich schlafen die nicht."

Deswegen muss Daimler viel Geld in die Hand nehmen, um den Abstand zur Konkurrenz nachhaltig zu verkürzen und gleichzeitig bei den großen Technologie-Umbrüchen wie Elektromobilität und vernetzten Autos vorne dabei zu sein. Das war manchen Investoren zuletzt zu wenig. "Warum bleibt das Budget für Forschung und Entwicklung seit Jahren konstant, obwohl die Umsätze in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind?", fragte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment.

Daimlers Investitionen hinken hinter BMW hinterher

Tatsächlich lag Daimlers Aufwand in diesem Bereich in den vergangenen vier Jahren konstant bei jeweils rund 5,6 Milliarden Euro. Der Anteil am stetig wachsenden Umsatz schrumpfte Stück für Stück und lag zuletzt klar unter dem des Rivalen BMW. Noch deutlicher ist der Unterschied bei den Investitionen: In den vergangen zehn Jahren gab der gesamte Daimler-Konzern etwas weniger aus als der Rivale aus München - der nur auf 60 Prozent des Umsatzes kommt.

Doch die Stuttgarter rüsten auf: Dieses und nächstes Jahr will das Management im Schnitt 6,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgeben - so hoch waren diese Aufwendungen nie in den vergangenen zehn Jahren. Auch die Investitionen sollen auf durchschnittlich 5,6 Milliarden steigen. Das wäre zwar weniger als zuletzt bei BMW, aber der höchste Daimler-Wert seit 2006. "Wir haben ganz klar unsere Zukunft im Sinn und nicht nur das nächste Quartal", sagte Zetsche.

Werke im Dreischichtbetrieb - vier neue Modelle bis Sommer

Fast alle Werke arbeiteten bereits im Dreischichtbetrieb, bis zum Sommer sollen vier neue Autos auf den Markt kommen. Vier weitere überarbeitete Modelle stehen für das komplette Jahr an - und Daimler hat noch mehr vor: "Nach der Modelloffensive ist vor der Modelloffensive", sagte Zetsche. Bis Ende des Jahrzehnts plant der Konzern weitere zehn neue Autos, die es bislang noch nicht im Angebot gibt und die Daimler neue Kundengruppen bringen sollen.

Pünktlich zur Hauptversammlung machte der Konzern für 2015 auch gut Wetter: Die Pkw-Sparte sei erfolgreich ins laufende Jahr gestartet, teilte Daimler am Mittwoch mit. Der Konzern will mit seinen Autos in diesem Jahr den Absatzrekord von 1,74 Millionen Stück brechen.

Gewinn soll um 10 Prozent steigen

Einen Schub erhofft man sich bei Daimler von neuen und überarbeiteten Modellen. Bis zum Sommer sollen vier neue Autos auf den Markt kommen. Daimler will in diesem Jahr Absatz und Umsatz deutlich - um mindestens fünf Prozent - steigern. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll sogar um zehn Prozent steigen.

"Unsere Wachstumsstrategie trägt Früchte", sagte Zetsche zum Auftakt des jährlichen Aktionärstreffens. Bis 2020 will Daimler wieder zum größten und profitabelsten Premiumhersteller aufsteigen. Zurzeit liegt die Marke mit dem Stern auf Platz drei - nach BMW und der Volkswagen -Tochter Audi.

Aktien weitgehend im Streubesitz - Kuwait ist größter Investor

Anders als bei Konkurrenten wie Volkswagen oder BMW befinden sich die Aktien des Autobauers Daimler weitgehend im Streubesitz - einen Ankeraktionär gibt es nicht. Nach dem Ausstieg des arabischen Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi ist Kuwait Daimlers größter Investor, mit 6,8 Prozent direktem Anteilsbesitz.

Renault und Nissan besitzen jeweils 1,54 Prozent des Aktienpakets. Den größten Anteil halten institutionelle Investoren wie Banken und Fondsgesellschaften mit insgesamt 74,6 Prozent. Private Aktionäre sind mit 15,5 Prozent an Daimler Börsen-Chart zeigen beteiligt.

Andere deutsche Autobauer haben Ankerinvestoren: BMW hat die Familie Quandt im Boot, die fast die Hälfte der Papiere besitzt. Europas größter Autobauer Volkswagen etwa ist über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen abgesichert.

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