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Geplatzter Traum: Wie Daimlers hochmoderne Batteriefabrik zum Flop wurde

Foto: Li-Tec

Batteriefabrik von Li-Tec auf der Resterampe Hier verscherbelt Daimler eine deutsche Industrie-Hoffnung

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Geplatzter Traum: Wie Daimlers hochmoderne Batteriefabrik zum Flop wurde

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Der Autokonzern Daimler  trennt sich auf wenig rühmliche Weise von seiner einstigen Batterie-Vorzeigefabrik Li-Tec in Kamenz (Sachsen): Zwei Monate bevor die Produktionsstätte ihre Tore schließt, sucht der Autobauer mit Hilfe eines Auktionshauses nach einem Käufer für die nicht mehr benötigten Maschinen und Roboter.

"For Sale" heißt es fettgedruckt in einer Anzeige des Verwertungsspezialisten Maynards, platziert im Energiewirtschafts-Newsletter "E&M daily". Drei "vollständige Produktionslinien" zur Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen für Elektroauto-Batterien bieten die kanadischen Alles-muss-raus-Spezialisten im Auftrag der Daimler-Tochter feil. Über ein "sehr kompaktes Design" verfügen die Anlagen laut Exposé und punkten mit "wettbewerbsfähigen Durchlaufzeiten".

Die marktschreierische Aktion kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Angesichts des Volkswagen-Abgasskandals muss die deutsche Autoindustrie jetzt eigentlich beweisen, dass sie saubere und zukunftsträchtige Technologien beherrscht.

Fabrik brachte Daimler kein Glück

Dazu zählen nach Einschätzung der meisten Fachleute Batterie-Elektroautos. Sie stoßen überhaupt keine Schadstoffe aus. Da wirkt es anachronistisch, dass Daimler die einzige deutsche Batteriezellen-Fabrik im industriellem Maßstab abstößt.

Allerdings hat die moderne Anlage in Kamenz, in der seit 2012 Batteriezellen gefertigt wurden, Daimler überhaupt kein Glück gebracht. Zunächst kam die Produktion aufgrund von Problemen beim Aufbau der Fabrik nur schleppend in Gang, der Marktstart des aus Kamenz belieferten Elektro-Smart verzögerte sich.

Als diese Schwierigkeiten ausgeräumt waren, verließen zwar technisch ausgereifte Batterien das Werk, die in Fachkreisen große Anerkennung fanden. Doch ihre Herstellung war vergleichsweise teuer, wie Daimler selbst einräumte.

Konkurrenten aus Asien bieten deutlich billigere Batterien an. Sie haben auch Kunden in der Unterhaltungselektronik und können wesentlich größere Skaleneffekte erzielen. Daimler dagegen suchte erfolglos nach Aufträgen von externen Großkunden, die die Fabrik hätten auslasten können.

Für Daimler wurden Li-Tec und der Elektro-Smart daher zum Verlustgeschäft. Joint-Venture-Partner Evonik stieg 2014 aus. Versuche, einen neuen Mitstreiter für die Tochterfirma zu finden, scheiterten. Künftig bezieht Daimler seine Batteriezellen bei LG Chem aus Asien und baut sie in Sachsen zu Batteriepaketen zusammen - beim verbleibenden Tochterunternehmen Deutsche Accumotive.

Potenter Käufer nicht in Sicht - kommt die Fabrik unter den Hammer?

Letztlich rächt sich nun Daimlers Entscheidung, als einziger deutscher Hersteller die Batteriezellen selbst zu fertigen. Konkurrenten wie Volkswagen oder BMW kaufen die Akkukomponenten bei großen asiatischen Herstellern wie Samsung oder Panasonic  und setzen sie dann in eigenen Werken zusammen. Ähnlich gehen internationale Wettbewerber wie General Motors, Ford und Renault-Nissan vor.

Einen anderen Weg gehen dagegen manche aufstrebende ausländische Konkurrenten. Elektroauto-Hersteller Tesla baut eine riesige Batteriefabrik in den USA und kooperiert dabei mit Panasonic. Sie soll ab dem Jahr 2020 Akkus für 500.000 Autos im Jahr ausstoßen. Auch der chinesische Daimler-Partner BYD ist zugleich Batterie- und Autohersteller.

In Deutschland gehen die Lichter in Sachen Batteriezellen dagegen bald aus. Ein deutscher Käufer für Daimlers Anlagen in Kamenz ist jedenfalls nicht in Sicht.

"Einige Anfragen" habe es bisher gegeben, sagte Projektmanager Sebastian Geissler vom Aktionshaus Maynards gegenüber manager-magazin.de. Sie seien jedoch "eher international".

Deutsche Interessenten? Fehlanzeige

Ein dicker Fisch ist offenbar noch nicht dabei. Das Interesse beschränke sich auf Teile der Produktionsanlagen, heißt es bei Maynards. Immerhin seien ein paar Interessenten bereits durch die Hallen geschlendert.

Völlig unklar ist bisher, wieviel Geld die Daimler-Tochter Li-Tec für ihre Maschinen bekommt. "Der Markt ist nicht transparent", sagt Geissler. Sein Unternehmen gehe bei dem Verkauf daher "offen vor". Klingt nicht unbedingt so, als könne Daimler mit hohen Erlösen rechnen. Zumal Geissler sagt: "Ich bin skeptisch, ob wir einen Kunden finden."

Daimler betont, es gebe "mehrere Optionen" für die Zukunft der Anlagen. Eine davon ist offenbar eine Auktion. Bis Mitte oder Ende November hält Maynards nach eigenen Angaben noch Ausschau nach einem Käufer, der die gesamte Produktionslinie übernimmt. Bleibt der Erfolg aus, kommt die einstige Vorzeigefabrik in ihren Einzelteilen unter den Hammer.