Umsatz- und Gewinnplus Daimler Truck profitiert von Preiserhöhungen

Daimler Truck konnte Umsatz und Gewinn auch dank Preiserhöhungen deutlich steigern. Für die nahe Zukunft ist der Vorstand optimistisch. Die Aufträge sind aber rückläufig – die Aktie gibt nach.
Unterwegs in die Zukunft: Wasserstoff-Lkw von Daimler Truck

Unterwegs in die Zukunft: Wasserstoff-Lkw von Daimler Truck

Foto: Uwe Anspach / dpa

Der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck hat im abgelaufenen Quartal dank kräftig gestiegenen Verkäufen und angehobenen Preisen deutlich mehr Geschäft gemacht. Umsatz, Ergebnis und Gewinn schwollen stark an, und die lange belastende Teileknappheit bessert sich zusehends. "Daimler Truck ist auf einem guten Weg, sein erstes Geschäftsjahr als eigenständiges Unternehmen auch zu einem Erfolgsjahr zu machen", sagte Finanzchef Jochen Goetz zur Zahlenvorlage am Freitag.

Das im vergangenen Dezember vom damaligen Mutterkonzern Daimler – heute Mercedes-Benz – abgespaltene Unternehmen will den Schwung im vierten Quartal aufrechterhalten und möglichst viele bestellte Fahrzeuge an die Kunden ausliefern.

Eckdaten zum Geschäft zwischen Juli und September hatte Daimler schon im Oktober vorgelegt, da die Ergebnisse teils deutlich über den Erwartungen am Aktienmarkt gelegen hatten. Dabei hatte der Konzern mit Hauptsitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart auch die Jahresziele angehoben.

Nach einem zunächst leicht positiven Start ging es mit der Aktie von Daimler Truck vor dem Wochenende zuletzt um 1,1 Prozent auf 28,38 Euro nach unten. Mit einem Minus von rund 12 Prozent im bisherigen Jahresverlauf im Leitindex Dax hat die Aktie noch vergleichsweise gut abgeschnitten.

Wendepunkt im dritten Quartal

Das Abschneiden insbesondere der vor allem in Europa präsenten Lkw-Marke Mercedes-Benz sei beeindruckend, schrieb Analyst Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC. Das dritte Quartal könnte als Wendepunkt angesehen werden. Wenn sich die Margen des Europageschäfts dem Niveau von Nordamerika angleichen könnten, wäre womöglich sogar eine Neubewertung der Aktie drin, schließlich sei das Europageschäft im Vergleich mit US-Konkurrenten hier ein Hemmschuh.

Der Umsatz des Konzerns im dritten Quartal stieg im Jahresvergleich um 47 Prozent auf 13,5 Milliarden Euro. Der Absatz von Fahrzeugen war gegenüber dem von Corona-Beschränkungen und Chip-Lieferschwierigkeiten geprägten Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 134.972 Fahrzeuge geklettert. Eckdaten hatte Daimler Truck bereits vorgelegt, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern schwoll um 159 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro an. Unter dem Strich vervielfachte sich der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn auf 963 Millionen Euro.

Martin Daum, CEO von Daimler Truck

Martin Daum, CEO von Daimler Truck

Foto: THOMAS KIENZLE / AFP

Allerdings ging der Auftragseingang im Quartal um 18 Prozent auf gut 135.000 Fahrzeuge zurück. Nach dem heftigen Einbruch der Bestellungen im Coronajahr 2020 hatten Speditionen und Kommunen im vergangenen Jahr Nachholbedarf – das normalisiert sich derzeit wieder. Daimler-Truck-Chef Martin Daum hatte eher Sorge, die hohen Auftragsbestände angesichts von fehlenden Teilen überhaupt abarbeiten zu können.

Aber die hohe Nachfrage bei beschränktem Angebot hatte auch zur Folge, dass der Konzern in diesem Jahr die Preise deutlich anheben konnte – Daum hatte von der größten Preiserhöhung jemals im Unternehmen gesprochen. Im dritten Quartal griffen die auch im nordamerikanischen Markt, der Renditeperle im Konzern.

Das Management geht trotz allen Widrigkeiten auch von einem vergleichsweise günstigen Umfeld für die weltweite Nutzfahrzeugnachfrage bis Ende des Jahres aus. Risiken sehen die Schwaben nach wie vor im Krieg Russlands gegen die Ukraine, dem sehr hohen Inflationsdruck und damit verbundenen Zinssteigerungen durch die Notenbanken. Lieferengpässe und die Covid-Pandemie sorgten weiter für hohe Unsicherheit. "Daimler Truck geht jedoch nicht davon aus, dass es zu größeren Produktionsausfällen aufgrund fehlender Teile oder der Nichtverfügbarkeit von Gas kommt", hieß es.

cr/dpa-afx
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