Aktionäre billigen Plan Das war's – Daimler spaltet sich auf

99,9 Prozent der Daimler-Aktionäre stimmen dem Plan des Topmanagements zu. Schon im Dezember soll die abgespaltene Truck Holding an die Börse, im Frühjahr dann auch in den Dax. Die Investoren machen schon mal Druck.
Alles Spalter: Konzernchef Ola Källenius (l.) und Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder am Rande der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Freitag

Alles Spalter: Konzernchef Ola Källenius (l.) und Aufsichtsratschef Bernd Pischetsrieder am Rande der außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Freitag

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--- / dpa

Die Aufspaltung des Daimler-Konzerns ist beschlossene Sache. Bei der virtuellen außerordentlichen Hauptversammlung an diesem Freitag stimmten die Aktionäre mit 99,9 Prozent fast einstimmig dem Plan von Konzern-Chef Ola Källenius (52) zu, die Lkw-Sparte abzuspalten. An der Börse wird es damit künftig zwei Autokonzerne unter der Marke mit dem Stern geben.

Die Erstnotiz der neuen Daimler Truck AG sei für Dezember geplant, erklärte Finanzchef Harald Wilhelm (55). Von Frühjahr an dürften dann beide Unternehmen Teil des Leitindex Dax werden. Auch die bisherige Daimler AG, die im Februar 2022 in Mercedes-Benz Group AG umbenannt werden soll, werde wohl im Dax bleiben.

Chef des Spin-Offs wird bekanntlich Daimler-Vorstand Martin Daum (61). Als eigenständiges Unternehmen könne Daimler Truck seine Zukunft optimal gestalten, sagt er. Abhängig von den Marktbedingungen hat er dem neuen Konzern Renditeziele verordnet, die zwischen sechs und mehr als zehn Prozent liegen. Im ersten Halbjahr hatte der weltweit führende Lkw-Hersteller zehn Prozent Rendite geschafft - hinkt damit aber rund zwei Prozentpunkte hinter Konkurrenten wie Scania und Volvo her. Eine erste Dividendenzahlung kündigte Daum für 2023 an.

Wie bereits bekannt, will Daimler 65 Prozent der Daimler-Truck-Papiere an seine eigenen Aktionäre verteilen, fünf Prozent gehen an den eigenen Pensionsfonds. Die Aktionäre erhalten für je zwei Daimler-Aktien einen zusätzlichen Anteilsschein der neuen Truck Holding. Von der Aufspaltung erwartet sich Daimler eine höhere Bewertung an der Börse. Denn Konglomerate, die alles unter einem Dach vereinen, gelten bei Anlegern als schwerfällig und unflexibel. Unternehmen mit fokussiertem Geschäftsmodell sind gefragter, vor allem vor dem Hintergrund der Umwälzungen in der Automobilbranche auf dem Weg in die Elektromobilität.

Aktuell ist der Konzern an der Börse rund 82 Milliarden Euro wert. Eine Analyse des US-Hauses Bernstein war bereits vor Monaten zu dem Ergebnis gekommen, dass künftig allein die Pkw-Sparte etwa so viel wert sein könnte. Der Truck-Konzern käme laut der Schätzung auf einen Wert von rund 40 Milliarden Euro.

Die Investoren hoffen, dank der Abspaltung mehr Druck auf das Management ausüben zu können. "Der Aktienkurs wird eine disziplinierende Wirkung auf CEO Martin Daum und sein Managementteam haben, nachdem sich die Truck-Sparte mit ihrer schwachen Performance bislang im Gesamtkonzern verstecken konnte", erklärte etwa Janne Werning von der Union Investment vorab. "Wegducken gilt nicht mehr! Daimler Truck muss sich jetzt an Scania und Volvo Truck messen lassen, die deutlich höhere Margen haben." An der Börse notierten die Daimler-Aktien rund ein Prozent im Plus.

lhy/dpa
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