Absatzzahlen 2021 Daimler Truck fährt Traton hinterher

Die Chipkrise hat auch Deutschlands Lkw-Bauer im vergangenen Jahr belastet - allerdings unterschiedlich stark. Während Daimler Truck den Absatz gegenüber dem Corona-Jahr 2020 nur um ein Fünftel steigern konnte, stiegen die Verkäufe bei der VW-Tochter Traton sogar um mehr als ein Drittel.
Neues Vorstandsmitglied bei Daimler Truck: Die Europa-Marke Mercedes-Benz Lkw, für die Karin Radström die Verantwortung hat, schaffte 20 Prozent Wachstum

Neues Vorstandsmitglied bei Daimler Truck: Die Europa-Marke Mercedes-Benz Lkw, für die Karin Radström die Verantwortung hat, schaffte 20 Prozent Wachstum

Foto: Uli Deck / picture alliance / dpa

Der Mangel an Halbleitern hat im vergangenen Jahr die Erholung des Lkw-Bauers Daimler Truck vom Corona-Schock erschwert. Der Konzernabsatz stieg 2021 gegenüber dem schwachen Vorjahr um 20 Prozent auf 455.000 Fahrzeuge, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Vor Ausbruch der Corona-Pandemie 2019 hatte die seit Kurzem selbstständige Daimler-Tochter weltweit gut 520.000 Autos verkauft. Die Nachfrage sei stark geblieben, doch Versorgungsengpässe mit Computerchips hätten die Produktion gebremst, vor allem bei Schwerlastern in den USA und Europa, erklärte der Weltmarktführer.

In diesen beiden Regionen nahmen die Verkaufszahlen daher nicht so stark zu wie in Asien. Auf ihrem größten Markt Nordamerika verkauften die Schwaben mit 162.000 Stück 17 Prozent mehr als 2020. Die Europa-Marke Mercedes-Benz Lkw, für die Karin Radström (41) die Verantwortung hat, schaffte 20 Prozent Wachstum auf 141.000 Nutzfahrzeuge. Trucks Asia erzielte das stärkste Plus von 30 Prozent auf 143.000 Einheiten. Die besonders hart von der Corona-Krise in der Reisebranche getroffene Bussparte erreichte den Vorjahreswert von 19.000, der weit unter den knapp 30.000 im Vorkrisenjahr 2019 liegt. Einen Ausblick auf das laufende Jahr gibt Daimler Truck bei der Jahrespressekonferenz am 24. März.

Kräftiges Absatzplus bei Traton

Konkurrent Traton konnte stärker zulegen. Die Nutzfahrzeugtochter von Volkswagen steigerte ihren Absatz im vergangenen Jahr trotz der Halbleiterknappheit um mehr als ein Drittel. Das Unternehmen mit den Marken MAN, Scania, Navistar und VWCO verkaufte nach Angaben vom Montag mit 271.600 Fahrzeugen 43 Prozent mehr als im ersten Corona-Jahr 2020.

Aufwärts ging es vor allem bei Lastwagen; hier schnellte der Absatz um fast die Hälfte auf 230.500 Fahrzeuge nach oben. "Das Jahr 2021 war vor allem aufgrund der Lieferengpässe sehr anspruchsvoll", sagte Traton-Chef Christian Levin. Der Engpass sei noch nicht überwunden. Zugute komme dem Unternehmen aber die intensive Zusammenarbeit der Marken. "Deswegen blicke ich optimistisch auf das Jahr 2022."

Die Volkswagen-Tochter profitierte 2021 vor allem von der Übernahme des US-Nutzfahrzeugeherstellers Navistar. Ohne diesen Effekt wäre der Absatz nur um 27 Prozent gestiegen. Navistar gehört seit der zweiten Jahreshälfte 2021 zu Traton.

Gut liefen die Geschäfte insbesondere bei Scania: Die Schweden verkauften mit 90.400 Fahrzeugen ein Viertel mehr Lastwagen und Busse. Das Sorgenkind MAN schaffte ein Plus von 15 Prozent auf 93.700 Fahrzeuge, vor allem dank hoher Nachfrage nach Lastwagen. Bei der brasilianischen Marke Volkswagen Caminhoes e Onibus schnellte der Absatz sogar um 55 Prozent auf 57.400 Fahrzeuge nach oben. Bei Navistar liegen keine Vergleichszahlen vor; im zweiten Halbjahr verkaufte das US-Unternehmen 30.300 Lastwagen und Busse.

Die Chipkrise hat Traton in der zweiten Jahreshälfte 2021 erfasst, Finanzchefin Annette Danielski sprach im Herbst von 10.000 bis 15.000 Lastwagen, die wegen der Engpässe nicht gebaut und möglicherweise erst im Jahr 2022 ausgeliefert werden könnten. Die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen ist dagegen hoch. Der Auftragseingang bei Traton schnellte im vergangenen Jahr um zwei Drittel auf 360.000 Fahrzeuge nach oben. Navistar herausgerechnet entspricht das einem Anstieg um 47 Prozent.

mg/Reuters