Donnerstag, 27. Juni 2019

Daimler-Tochter Moovel "Wir wollen das Amazon der Mobilität werden"

Clever von A nach B: Daimler-Tochter Moovel will die Verkehrsmittel bündeln

3. Teil: The Winner takes it all

mm: Sie sprechen von EINEM Marktplatz - wie viele davon werden Ihrer Ansicht nach überleben?

Henrich: Der Markt ist ganz am Anfang. Im Moment kann man nicht absehen, was in den nächsten Jahren passieren wird. Aber natürlich gibt es am Ende immer nur wenige Marktplätze. Ein Marktplatz ist dann attraktiv, wenn er viele Angebote aggregiert. Und es ist kein Zufall, dass es EIN Google, EIN Ebay und EIN Amazon gibt. Vielleicht gibt es am Ende noch einen zweiten und dritten. Aber es ist ein globaler Markt und am Ende gibt es eine begrenzte Anzahl von möglichen Gewinnern.

mm: Aktuell tobt in Deutschland ein regelrechter Krieg zwischen der Taxibranche und dem US-Fahrdienst Uber. Uber setzt gezielt darauf, dass Deutschland der Rechtsrahmen anpasst, beziehungsweise die Regeln für die Personenbeförderung lockert. Auf der anderen Seite gibt es aber auch eine ganze Reihe innovativer Anbieter, die innerhalb der legalen Möglichkeiten agieren. Wie sehen Sie das: Müssen Regeln beispielsweise bei der Personenbeförderung angepasst werden?

Henrich: Die Regulierung, die wir im deutschen Rechtsraum haben für den Taxi- und Mietwagenmarkt haben, ist für einen Zweck geschaffen worden, der nach meiner Wahrnehmung bis heute gesellschaftlicher Grundkonsens ist: Wir möchten, dass wir eine verlässliche Versorgung haben zu einem berechenbaren Preis. Und das funktioniert im internationalen Vergleich ganz gut.

Man kann diese Regulierung natürlich ändern, wenn man in Zukunft einen anderen Zweck verfolgen möchte, beispielsweise den Markt differenzieren möchte in Richtung Luxus-Taxi versus besonders kosteneffektive Taxis. Aber man wird den Markt kaum verändern können, ohne dass man den heute bestehende Grundkonsens aufkündigt. Das ist ein grundlegende gesellschaftliche Frage, wie man mit Mobilität umgehen will.

mm: Ein Nebeneinander gibt es Ihrer Ansicht nach nicht?

Henrich: Ich muss zugeben, dass ich mir das heute schwer vorstellen kann, dass man alle Vorteile der heute bestehenden Regulierung erhält und gleichzeitig neue Marktsegmente etablieren kann. Wenn Sie sich Mobilität anschauen, egal in welchem Segment - ÖPNV, Taxi oder Privatfahrzeuge - dann haben sie extreme Auslastungsschwankungen im Tagesverlauf. Und wenn sie Mobilität rein marktwirtschaftlich organisieren, wäre die logische Konsequenz, dass auch die Preise extrem schwanken müssten.

Und genau das ist über Regulierung geglättet. Sie bezahlen nicht in Stoßzeiten weniger für die S-Bahn und dann Sonntagnachmittag, wenn die S-Bahn leer ist, plötzlich 20 statt 3 Euro. Wenn sie mehr Marktwirtschaft reinbringen wollen, steigern sie die Effizienz des Gesamtsystems. Aber das hat logischerweise zur Folge, dass es dabei nicht nur Gewinner gibt, sondern auch Verlierer.

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