Mittwoch, 11. Dezember 2019

Elektroautos Daimler-Betriebsrat begrüßt Tesla-Ausstieg

Zetsche, Musk (v.l.): "Die Partnerschaft mit Tesla ist sehr erfolgreich und wird auch künftig fortgesetzt", sagte der Daimler-Chef

Erst EADS, dann Power Systems, jetzt Tesla: Daimler trennt sich von seinen Anteilen am US-Elektroautobauer und erlöst damit rund 600 Millionen Euro. Der Konzern gewinnt finanziellen Spielraum - und kann selbst stärker in die Zukunftstechnologie investieren.

Stuttgart/Palo Alto - "Es hilft uns, dass wir genügend Kapital für das weitere organische Wachstum haben", sagte Betriebsratschef Michael Brecht der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch in Stuttgart. "Es tut uns gut für unsere Eigenkapitalstruktur." Brecht hatte die Entscheidung Daimlers, die Beteiligung an Tesla Börsen-Chart zeigen zu verkaufen, als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender mitgetragen.

Die Schwaben hatten am späten Dienstagabend erklärt, als Großaktionär bei Tesla auszusteigen. Der Anteil von rund vier Prozent im Wert von umgerechnet mehr als 600 Millionen Euro sei abgegeben worden. Das Geld soll ins operative Geschäft gesteckt werden. Die Kooperation bei Fahrzeugprojekten bleibt demnach aber bestehen.

Zuletzt hatte Daimler sich von verschiedenen Beteiligungen getrennt und war etwa im vergangenen Jahr beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ausgestiegen. Anfang 2014 hatten die Stuttgarter den Ausstieg beim Motorenbauer Rolls-Royce Power Systems (ehemals Tognum ) bekanntgegeben.

"Kooperationen kann man auch ohne Beteiligung haben"

In der Zukunft stünden hohe Investitionen etwa in alternative Antriebe oder die Vernetzung des Autos an, sagte Autoexperte Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. "Dafür braucht man viel Geld." Der Branchenkenner bewertete den Ausstieg daher positiv. "Ich glaube, der Einfluss von Daimler bei Tesla war ohnehin nicht so hoch", sagte Bratzel. "Kooperationen kann man auch ohne Beteiligung haben."

Tesla hat für Daimler am elektrischen Smart sowie der elektrischen A- und B-Klasse von Mercedes mitgearbeitet und wird auch weiterhin Teile des Antriebs liefern.

Für Daimler ist die Tesla-Beteiligung eine Erfolgsgeschichte - in den vergangenen Jahren hat sich der Aktienkurs des an der Börse beliebten Unternehmens vervielfacht.

"Ich hätte viele Ideen, was man mit dem Geld machen könnte", sagte Betriebsratschef Brecht. "Wenn wir die Wachstumspläne für die Zukunft sehen, dann wird sicher die eine oder andere Milliarde nötig sein."

Investitionen in Werke

In den Ausbau und die Modernisierung seiner deutschen Pkw-Standorte steckt der Autohersteller in diesem Jahr mehr als drei Milliarden Euro. Erst am Dienstag hatte der Konzern zudem Investitionen von 450 Millionen Euro in seine beiden deutschen Sprinter-Werke angekündigt. Hinzukommen soll ein neues Werk in Nordamerika für den Transporter. Bis 2020 will Daimler unter anderem bei Umsatz, Absatz und Ergebnis an seinen Erzrivalen BMW und Audi vorbeigezogen sein.

Daimler war im Mai 2009 mit 9,1 Prozent bei Tesla eingestiegen, hatte aber 40 Prozent seines Anteils kurz darauf an den Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi veräußert. Das war noch vor dem Börsengang der Firma des schillernden Tech-Milliardärs Elon Musk Mitte 2010.

Die Schwaben haben nach eigenen Angaben das branchenweit größte Portfolio an Elektrofahrzeugen. Dazu zählt der Elektro-Smart neben der kompakten A- und B-Klasse ebenso wie der elektrisch angetriebene Transporter Vito und der elektrische Leicht-Lkw Fuso.

ts/rtr/dpa-afx

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