Stuttgart-Untertürkheim Daimler baut Stammwerk zu Elektrocampus um

Betriebsrat und Management hatten lange um das Daimler-Stammwerk in Stuttgart gestritten. Jetzt ist klar: Der Standort soll zum Zentrum für Elektromobilität werden, noch größer als bisher geplant.
Stuttgart-Untertürkheim: Wie viele Stellen in dem Daimler-Stammwerk durch den Umbau letztlich wegfallen werden, ist noch unklar

Stuttgart-Untertürkheim: Wie viele Stellen in dem Daimler-Stammwerk durch den Umbau letztlich wegfallen werden, ist noch unklar

Foto:

Mercedes-Benz AG/ dpa

Der Streit um die künftige Ausrichtung des Daimler-Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim ist beigelegt. Für mehr als 400 Millionen Euro soll der Standort zu einem Campus für Elektromobilität umgebaut werden. Im Werk sollen Elektromotoren, Batterien und komplette Antriebssysteme entwickelt und gebaut werden, und zwar in deutlich größerem Umfang als bisher geplant, teilte Daimler am Freitag mit. Daimler will dort zudem künftig auch selbst - zumindest in kleiner Serie - Batteriezellen fertigen.

Im Gegenzug fällt Produktionsvolumen im Bereich der Verbrennungsmotoren weg. In Summe wird das am Ende auch Arbeitsplätze kosten - eine Zahl nannte der Konzern allerdings nicht. Die Arbeitnehmer hatten in früheren Berichten von bis zu 4000 Stellen gesprochen, die bis 2025 wegfallen könnten.

Am Sitz der Unternehmenszentrale direkt am Neckar entwickelt und fertigt Mercedes-Benz Motoren, Getriebe und Achsen. Damit ist das Werk deutlich stärker von der Transformation der Branche betroffen als etwa die Fahrzeugfertigung in Sindelfingen. Zuletzt hatten im Werk Untertürkheim noch 18.000 Menschen gearbeitet.

Unternehmen und Betriebsrat hatten monatelang über die Zukunft des Standorts gestritten. Im Streit um den Sparkurs hatte das Management um Vorstandschef Ola Källenius (51) gegenüber den Mitarbeitern mit dem Aus für das geplante Kompetenzzentrum gedroht. Der Betriebsrat bestand darauf, dass für wegfallende Arbeit im Zuge des Umstiegs eine Kompensation in Form anderer Produktionsaufträge geschaffen wird. Der Konzern bestritt die Vereinbarung nicht, das Festhalten am Status quo sei angesichts der verschlechterten Lage aber keine Alternativ, argumentierte der Vorstand im November vergangenen Jahres.

Zuletzt lief es wieder deutlich besser für den Autobauer. So nahm Daimler Ende Februar die im vergangenen Sommer ausgehandelten Arbeitszeitkürzungen vorzeitig zurück und kündigte an, den Beschäftigten nun doch eine Erfolgsbeteiligung zu zahlen. Man reagiere damit auf den am Ende unerwartet guten Geschäftsverlauf 2020 und die zurzeit gute Marktentwicklung, hatte der Konzern erklärt.

rei/DPA
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.