Sonntag, 29. März 2020

Positives Quartal für Daimler Dr. Z liefert

Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die Aufholjagd kommt voran

Dieter Zetsche reißt das Steuer herum: Der oft gescholtene Konzernchef zeigt einen Gewinnsprung vor. Modelloffensive und Sparprogramme tragen erste Früchte. Die Lücke zu Audi und BMW ist aber längst nicht geschlossen.

Hamburg - Zur morgendlichen Präsentation der Bilanz für das dritte Quartal schickt Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Finanzvorstand Bodo Uebber vor. Dabei könnte das Zahlenwerk eine Wendung für den zuletzt häufig kritisierten "Dr. Z" markieren.

Noch vor genau einem Jahr schockierte der Autobauer mit dem Stern Anleger mit einer kräftigen Gewinnwarnung. Im April musste Zetsche erneut den Ausblick zurechtstutzen. Der Jahresauftakt war gründlich verkorkst, der Mann am Steuer des Traditionskonzerns angeschlagen - auch, weil sein Vertrag statt um fünf nur um drei Jahre verlängert wurde. Doch Zetsche schaltete auf Angriff und versprach schnelle Besserung: "Daimler wird noch besser im zweiten Halbjahr - und vor allem 2014", versprach der Konzernchef im Juli.

Jetzt hat er geliefert: Nach fünf Quartalen Talfahrt stieg das Ergebnis aus fortgeführten Geschäften von Juli bis September um 15 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 5 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. "Wir halten, was wir versprochen haben", lautet der trockene Kommentar von Finanzvorstand Uebber. "Daimler ist gut unterwegs."

Aktie auf Sechs-Jahres-Hoch

Das sehen offenbar auch die Aktionäre so: Lange fuhren Daimler-Papiere Börsen-Chart zeigen mit angezogener Handbremse den Konkurrenten BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen hinterher. Doch seit Jahresbeginn ist die Aktie bereits um 50 Prozent gestiegen. Nach der Präsentation der Quartalszahlen führen die Stern-Aktien den Dax mit einem Plus von zwischenzeitlich über 3 Prozent an. Das Papier kletterte auf ein Sechs-Jahres-Hoch. "Der positive Trend, der sich bereits im zweiten Quartal angedeutet hat, verfestigt sich", sagt Analyst Marc-René Tonn von MMWarburg. "Daimler nähert sich den Wettbewerbern an."

Ein Indiz für Daimlers Aufholjagd: die Marge im Pkw-Geschäft. Im ersten Quartal lag sie noch bei sehr mauen 3,3 Prozent. Im zweiten Jahresviertel stieg die Profitabilität bereits auf 6 Prozent. Jetzt liegt sie immerhin bei 7,3 Prozent. Von dem Ziel, bis 2015 die Marge auf 10 Prozent und damit in die Nähe der Konkurrenten BMW und Audi zu hieven, sind die Stuttgarter immer noch ein gutes Stück entfernt.

Dass zunehmend mehr Gewinn pro verkauftem Wagen in der Kasse landet, verdankt der Konzern auch der von Zetsche verordneten Sparpolitik. "Daimler macht Fortschritte auf der Kostenseite", sagt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB. Das Sparprogramm "Fit for Leadership" kommt nach Konzernangaben schneller als gedacht voran. Über 1000 Arbeitsplätze fallen in der Pkw-Sparte weg, insgesamt vier Milliarden Euro sollen bis 2015 eingespart werden.

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