Positives Quartal für Daimler Dr. Z liefert

Dieter Zetsche reißt das Steuer herum: Der oft gescholtene Konzernchef zeigt einen Gewinnsprung vor. Modelloffensive und Sparprogramme tragen erste Früchte. Die Lücke zu Audi und BMW ist aber längst nicht geschlossen.
Von Martin Hintze
Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die Aufholjagd kommt voran

Daimler-Chef Dieter Zetsche: Die Aufholjagd kommt voran

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Hamburg - Zur morgendlichen Präsentation der Bilanz für das dritte Quartal schickt Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Finanzvorstand Bodo Uebber vor. Dabei könnte das Zahlenwerk eine Wendung für den zuletzt häufig kritisierten "Dr. Z" markieren.

Noch vor genau einem Jahr schockierte der Autobauer mit dem Stern Anleger mit einer kräftigen Gewinnwarnung. Im April musste Zetsche erneut den Ausblick zurechtstutzen. Der Jahresauftakt war gründlich verkorkst, der Mann am Steuer des Traditionskonzerns angeschlagen - auch, weil sein Vertrag statt um fünf nur um drei Jahre verlängert wurde. Doch Zetsche schaltete auf Angriff und versprach schnelle Besserung: "Daimler wird noch besser im zweiten Halbjahr - und vor allem 2014", versprach der Konzernchef im Juli.

Jetzt hat er geliefert: Nach fünf Quartalen Talfahrt stieg das Ergebnis aus fortgeführten Geschäften von Juli bis September um 15 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 5 Prozent auf 30,1 Milliarden Euro. "Wir halten, was wir versprochen haben", lautet der trockene Kommentar von Finanzvorstand Uebber. "Daimler ist gut unterwegs."

Aktie auf Sechs-Jahres-Hoch

Das sehen offenbar auch die Aktionäre so: Lange fuhren Daimler-Papiere  mit angezogener Handbremse den Konkurrenten BMW  und Volkswagen  hinterher. Doch seit Jahresbeginn ist die Aktie bereits um 50 Prozent gestiegen. Nach der Präsentation der Quartalszahlen führen die Stern-Aktien den Dax mit einem Plus von zwischenzeitlich über 3 Prozent an. Das Papier kletterte auf ein Sechs-Jahres-Hoch. "Der positive Trend, der sich bereits im zweiten Quartal angedeutet hat, verfestigt sich", sagt Analyst Marc-René Tonn von MMWarburg. "Daimler nähert sich den Wettbewerbern an."

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Ein Indiz für Daimlers Aufholjagd: die Marge im Pkw-Geschäft. Im ersten Quartal lag sie noch bei sehr mauen 3,3 Prozent. Im zweiten Jahresviertel stieg die Profitabilität bereits auf 6 Prozent. Jetzt liegt sie immerhin bei 7,3 Prozent. Von dem Ziel, bis 2015 die Marge auf 10 Prozent und damit in die Nähe der Konkurrenten BMW und Audi zu hieven, sind die Stuttgarter immer noch ein gutes Stück entfernt.

Dass zunehmend mehr Gewinn pro verkauftem Wagen in der Kasse landet, verdankt der Konzern auch der von Zetsche verordneten Sparpolitik. "Daimler macht Fortschritte auf der Kostenseite", sagt Frank Schwope, Analyst bei der NordLB. Das Sparprogramm "Fit for Leadership" kommt nach Konzernangaben schneller als gedacht voran. Über 1000 Arbeitsplätze fallen in der Pkw-Sparte weg, insgesamt vier Milliarden Euro sollen bis 2015 eingespart werden.

Produktion am Limit

Auch die neuen Modelle kommen offenbar an: Der Absatz in der Autosparte legte im dritten Quartal um 14 Prozent auf 395.400 Fahrzeuge zu. Die im Juli eingeführte neue S-Klasse habe sich bislang 5100 Mal verkauft, rund 30.000 Bestellungen liegen vor. Zufrieden ist man in Stuttgart auch mit den Kompaktmodellen, also der A- und B-Klasse sowie dem CLA. "Wir hätten noch deutlich mehr verkaufen können, aber unsere Produktionskapazitäten sind am Limit", sagt Uebber.

Das Branchenumfeld hellt sich auf. Daimler spürt Rückenwind aus den USA und China. Im Heimatmarkt Europa habe sich die Lage immerhin stabilisiert. Der am Boden liegende Automarkt scheint sich allmählich zu berappeln. Im August lagen die Verkaufszahlen laut Branchenverband ACEA insgesamt knapp 8 Prozent über Vorjahr. Im September lag das Plus bei 5 Prozent. Daimler folgt hinter Frankreichs Kleinwagenspezialist Renault mit 12 Prozent mehr verkauften Autos auf Rang 2 der Gewinnerliste.

Zetsches Baustellen

Erfolge verbucht Daimler auch für seine Dauerbaustelle China. Die beiden Vertriebsorganisationen wurden gebündelt, das Händlernetz massiv ausgebaut. "Das Pkw-Geschäft in China ist auf Rekordkurs", ist Uebber überzeugt. Im Privatgeschäft liegt das Plus bei 28 Prozent. Trotz aller konjunkturellen Sorgen um das Reich der Mitte peilt Daimler auch für die nähere Zukunft zweistellige Wachstumsraten an. Die sind auch bitter nötig. Auch im China-Geschäft fährt Daimler der Konkurrenz hinterher. Der Marktanteil ist leicht gefallen.

Ein weiteres Problemfeld: E-Autos und Spritspartechnologien. "Audi und Daimler hinken BMW auf diesen Feldern deutlich hinterher", sagt NordLB-Analyst Schwope. Obwohl sich der Elektro-Smart in diesem Jahr bereits 2500 Mal verkauft hat und die B-Klasse im kommenden Jahr mit E-Antrieb ausgerüstet wird, habe Daimler BMWs Carbon-Stromern i3 und dem i8 wenig entgegenzusetzen.

Für 2013 insgesamt gilt trotz des positiven Quartalsergebnisses die Losung: "Es ist ein Jahr des Übergangs". Das operative Ergebnis ohne Sondereffekte wie etwa dem Verkauf der Anteile am Flugzeugbauer EADS schätzt Daimler für 2013 auf rund 7,5 Milliarden Euro. 2012 waren es noch 8,1 Milliarden Euro. Rund vier Milliarden Euro soll die Pkw-Sparte beisteuern (2012: 4,4 Milliarden Euro). Daimler Trucks und Mercedes-Benz Vans werden mit 1,7 sowie 0,6 Milliarden Euro etwa auf dem Vorjahresniveau erwartet.

Ausruhen darf sich Zetsche also nicht.

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