Samstag, 14. Dezember 2019

Personalkosten senken, Investitionen einfrieren Daimler will allein beim Personal rund 1 Milliarde Euro sparen

Daimler-Chef Ola Källenius: Mehr als 1,5 Milliarden Euro will der Autobauer bis 2022 einsparen - davon rund eine Milliarde Euro beim Personal

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius will mit einem Sparprogramm den Autokonzern bei wachsendem Gegenwind von Klimaschutzzielen und schwachen Märkten auf Kurs halten. Die hohen Kosten zum Erreichen der Reduktionsziele für den CO2-Ausstoß erforderten mehr Effizienz und schlankere Strukturen im ganzen Unternehmen, erklärte Källenius am Donnerstag zum Auftakt des Kapitalmarkttages in London.

Daimler Börsen-Chart zeigen will die Kosten durch Personalabbau und weniger Ausgaben in der Produktion in den kommenden drei Jahren um mehr als anderthalb Milliarden Euro senken. Rund eine Milliarde Euro soll davon bei den Personalkosten eingespart werden. Der Wandel zu Elektroautos werde den Gewinn in den kommenden beiden Jahren belasten, so dass die Pkw-Tochter Mercedes-Benz Cars und Vans auf dem niedrigen Renditeniveau von vier Prozent verharren könnte.

Dies kam bei Anlegern nicht gut an. An der Börse waren die Aktien des Autokonzerns am Vormittag mit einem Minus von gut 3 Prozent größter Verlierer im Dax. Das untere Ende der Zielspanne für das bereinigte operative Ergebnis 2020 würde rund eine Milliarde Euro unter seiner Erwartung von 9,4 Milliarden Euro liegen, schrieb JPMorgan Analyst Jose Asumendi in einer ersten Reaktion am Donnerstag.

Personalkosten sollen um mehr als eine Milliarde Euro sinken

Bei Mercedes-Benz Cars und Vans sollen die Personalkosten bis Ende 2022 um mehr als eine Milliarde Euro sinken. Dazu sollten sowohl im Management als auch außerhalb der Produktion Stellen abgebaut werden. Um wie viele Stellen es geht, teilte Daimler nicht mit.

Nach Informationen des Betriebsrates sind zehn Prozent der Führungskräfte oder 1100 Management-Positionen betroffen. Mit den Arbeitnehmervertretern werde verhandelt, um den Abbau "so verträglich wie möglich" zu gestalten, erklärte das Unternehmen. Betriebsrats-Chef Michael Brecht hatte Widerstand gegen "sinnloses Kostenschrubben" angekündigt.

Für die rund 170.000 Beschäftigten in Deutschland hatte der Konzern bis 2030 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, um die Beschäftigten für die Umwandlung von Daimler in eine Holding mit drei eigenständigen Töchter-Aktiengesellschaften zu gewinnen.

Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau eingefroren

Der Premiumhersteller hatte Investitionen sowie Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den vergangenen Jahren dank satter Gewinnsteigerungen massiv hochgefahren. Jetzt läutete Källenius die Wende ein. Investitionen und Entwicklungsausgaben sollten auf dem Niveau von diesem Jahr eingefroren werden und mittelfristig sinken. Dennoch werden die Renditeziele von Mercedes-Benz Cars und Vans noch länger auf einem niedrigen Niveau verharren.

Für 2020 und 2021 sei eine Rendite von mindestens vier Prozent zu erwarten. Ab 2022 könnten es mehr als sechs Prozent sein, jeweils bereinigt um Einflüsse durch Zölle der USA oder Chinas. Anfang des Jahres war Daimler noch davon ausgegangen, bis 2021 wieder auf eine Rendite von mehr als acht Prozent zu kommen.

Auch im Lkw-Geschäft in Europa sollen die Kosten bis Ende 2022 um 550 Millionen Euro sinken, davon sollen 300 Millionen Euro durch sinkende Personalausgaben hereingeholt werden. Bei Daimler Trucks & Buses soll die Umsatzrendite 2020 mindestens fünf Prozent betragen nach sechs bis acht Prozent in diesem Jahr. Bis 2022 soll sie auf mindestens sieben Prozent klettern.

Der Dax-Konzern will zugleich die Nettoliquidität auf mehr als zehn Milliarden Euro erhöhen.

Lesen Sie auch: Sanieren und revolutionieren - der Källenius-Plan


Källenius hat mit einer Fülle von Problemen zu kämpfen, die dem Autobauer 2018 - noch zu Zeiten von Dieter Zetsche - erst einen herben Gewinneinbruch beschert und ihn dann Mitte dieses Jahres gar zeitweilig in die roten Zahlen gedrückt haben. So muss Daimler Milliarden für seine Diesel-Altlasten zurückstellen, während zugleich der Hochlauf der Elektroauto-Produktion und die Entwicklung von Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren gewaltige Summen verschlingen. Dazu kamen Produktionsprobleme und ein schwächelnder Absatz, der erst vor wenigen Monaten langsam wieder auf Touren kam.

mg/dpa-afx, rtr

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung