Mittwoch, 16. Oktober 2019

Brandbrief wegen Mittelabflüssen Daimler-Chef Källenius meckert mit seinen Führungskräften

Daimler-Chef Källenius: "Nicht alle Herausforderungen aus dem ersten Halbjahr sind auf äußere Einflüsse zurückzuführen"

Der Vorstand des Autobauers Daimler Börsen-Chart zeigen zeigt sich in einem Brandbrief an die Führungskräfte des Konzerns unzufrieden mit der Entwicklung der Liquidität. "Der Mittelabfluss, den wir zuletzt verzeichnet haben, ist nicht akzeptabel", zitieren die "Stuttgarter Nachrichten" aus dem Schreiben, das der Zeitung vorliegt. Die finanzielle Solidität sei die "Lebensader unseres Unternehmens". Ein Daimler-Sprecher wollte sich zu dem Brief nicht äußern.

Daimler hatte im ersten Halbjahr einen Abfluss von Finanzmitteln in Höhe von 3,3 Milliarden Euro verzeichnet. Schon damals hatte Daimler-Chef Ola Källenius klargestellt: "Die Zahlen sind alles andere als zufriedenstellend." Insbesondere an der Börse ist die Kassenlage ein vielbeachteter Indikator, weil sie Aufschlüsse gibt über die Möglichkeiten zur Dividendenzahlung und für Investitionen.

Die acht Vorstandsmitglieder inklusive Daimler-Chef Källenius geben in dem Brief den Managern eine Mitschuld an der prekären Lage. "Nicht alle Herausforderungen aus dem ersten Halbjahr sind auf äußere Einflüsse zurückzuführen", heißt es. Einige - mit großer Hebelwirkung - seien hausgemacht.

Der Vorstand ruft die Führungskräfte des Konzerns daher zu schnellen Einsparungen in Milliardenhöhe auf. "Wir müssen mindestens die Sondereinflüsse im zweiten Quartal in Höhe von 4,2 Milliarden Euro kurzfristig kompensieren", zitiert die Zeitung weiter aus dem Brief.

Der seit Mai amtierende Daimler-Chef Ola Källenius will im November ein detailliertes Sparpaket und seine Strategie für die kommenden Jahre vorstellen. Zuletzt hatte er auch die Belegschaft auf harte Zeiten eingestimmt. "Wir müssen die Effizienz dramatisch erhöhen, müssen alles hinterfragen, über alle Kosten nachdenken", hatte Källenius jüngst der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt - ohne allerdings schon Zahlen zu nennen.


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Bereits Amtsvorgänger Dieter Zetsche hatte Anfang des Jahres angesichts der schwächelnden Branchenlage auf die Notwendigkeit eines harten Sparprogrammes hingewiesen. Daimler musste für das zweite Quartal unter anderem wegen Rückstellungen für Verfahren im Zusammenhang mit dem Dieselskandal einen Verlust in Höhe von 1,2 Milliarden Euro verbuchen. Seitdem Källenius die Führung des Konzerns übernommen hat, musste er bereits zweimal die Prognosen korrigieren.

mg/dpa

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