Auch Teilverkauf denkbar Daimler-Chef Källenius bereitet offenbar Börsengang des Lkw-Geschäfts vor

Bereits Ende 2021 könnte Daimler seine Trucks vom Rest des Autokonzerns abspalten. Neben einem Börsengang prüft Daimler-Chef Ola Källenius einem Bericht zufolge auch den Einstieg eines Finanzinvestors.
Optionen für die Lkw-Sparte: Daimler-Chef Ola Källenius plant nun offenbar sehr konkret, das Lastwagengeschäft vom Rest des Konzerns abzuspalten

Optionen für die Lkw-Sparte: Daimler-Chef Ola Källenius plant nun offenbar sehr konkret, das Lastwagengeschäft vom Rest des Konzerns abzuspalten

Foto: Sascha Schuermann/ Getty Images

Ganz neu ist die Überlegung nicht , doch arbeitet Daimler jetzt offenbar konkret an einem Börsengang seiner Lastwagensparte. Konzernchef Ola Källenius (51) strebe eine Abtrennung des Geschäftsbereichs Ende 2021 oder - wahrscheinlicher - im Jahr 2022 an, berichtet das "Handelsblatt"  unter Berufung auf Konzern- und Finanzkreise. Auch ein Teilverkauf an einen Finanzinvestor sei denkbar. Ein Daimler-Sprecher lehnte eine Stellungnahme am Mittwoch ab: "Spekulationen kommentieren wir nicht."

Volkswagen hatte im vergangenen Jahr seine Lkw-Tochter Traton mit den Marken MAN und Scania an die Börse gebracht - mit mäßigem Erfolg. Die gesamte Nutzfahrzeugbranche kämpft mit der Corona-Krise, die das zyklische Geschäft in einer ohnehin einsetzenden Talfahrt traf. Auch Traton hat Probleme, der neue Chef Mathias Gründler (55) muss sanieren .

Die Aktie von Daimler  reagierte positiv auf die Nachricht und kletterte am späten Vormittag um rund 2,8 Prozent. Dass eine Abspaltungsoption bestehe, sei bekannt, sagte ein Händler. Dennoch sieht er positive Impulse für die Aktie. "Investoren drängen Daimler seit Jahren, einen Börsengang für die Lkw-Sparte in Betracht zu ziehen, um den Wert der Sparte zu steigern und die erheblichen Kosten für die neue Konzernstruktur zu kompensieren", erklärte ein anderer Börsianer.

Einen kompletten Verkauf einzelner Sparten hat der Daimler-Vorstand dem Bericht zufolge bisher ausgeschlossen, aber die Tür für einen Teilverkauf der Lkw-Sparte sei stets offen gehalten worden. Während die nordamerikanische Truck-Marke Freightliner robuste Gewinne erwirtschafte, habe das europäische Lkw-Geschäft der Schwaben mehrere Umstrukturierungsrunden durchlaufen, um die schwachen Renditen zu steigern, hieß es weiter.

Daum soll nun auch Europa-Geschäft sanieren

Bei der Umsetzung der Pläne setzt Daimler dem Bericht zufolge auf den 61-jährigen Spartenchef Martin Daum. Dessen Vertrag laufe Anfang 2022 aus, dürfte aber bald um mindestens drei Jahre verlängert werden, meldet die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Überlegungen zu einer Vertragsverlängerung wurden der Deutschen Presse-Agentur aus Industriekreisen bestätigt. Daum mache eine gute Arbeit. Daimler selbst wollte sich auch dazu nicht äußern.

Nachdem Daum bereits Daimlers US-Nutzfahrzeugtöchter Freightliner und Western Star saniert hat, soll er dies im Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Mercedes-Benz Trucks wiederholen, heißt es in dem Bericht weiter. Zuletzt machte die Corona-Krise Daimler in dem Geschäft schwer zu schaffen. 2019 hatte Daimler mit Trucks und Bussen einen Jahresumsatz von fast 45 Milliarden Euro erzielt. Doch in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres brachen Umsatz und Absatz kräftig ein. Der Betriebsgewinn sackte sogar um 99 Prozent auf 32 Millionen Euro ab.

Daimler und Daum könnten nun darauf hoffen, dass Spediteure nach dem Corona-Jahr wieder mehr Lastwagen ordern. Wenn sich dazu noch erste Erfolge bei der Senkung der Kosten einstellten, würde auch ein Teilbörsengang denkbar, schreibt die Zeitung.

Dem Bericht zufolge machen Daimler-Chef Källenius und Finanzvorstand Harald Wilhelm (54) Druck. Die Manager wollten die Marktkapitalisierung des Autobauers von derzeit gut 60 Milliarden Euro deutlich erhöhen, um die Unabhängigkeit des Konzerns zu sichern.

rei/dpa-afx/Reuters