Partnerschaft mit Foton Daimler baut Lkw-Werk in China

Kurz nach Volkswagen kündigt auch Weltmarktführer Daimler den Bau eines Lkw-Werks für den chinesischen Markt an. Dort laufe inzwischen die Hälfte des globalen Neugeschäfts - genug Potenzial auch für teure Mercedes-Lastwagen.
Bald made in China: Sattelzugmaschinen von Mercedes-Benz werden bislang nur in kleiner Stückzahl nach China geliefert

Bald made in China: Sattelzugmaschinen von Mercedes-Benz werden bislang nur in kleiner Stückzahl nach China geliefert

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Daimler baut seine Präsenz auf dem Lastwagenmarkt in China weiter aus und lässt seine Mercedes-Benz-Trucks künftig direkt dort produzieren. Zusammen mit dem chinesischen Partner Foton investiert der Konzern gut 485 Millionen Euro in ein neues Lkw-Werk in Peking, wie er am Mittwoch mitteilte. Das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Foton Daimler Automotive (BFDA) baut bisher nur Lastwagen der Marke Auman, die eher in einem niedrigeren Marktsegment angesiedelt sind. Die teureren Mercedes-Benz-Trucks dagegen gibt es bisher ausschließlich als Import. Meist sind das Spezialfahrzeuge, etwa Betonpumpen für die Baubranche - einige tausend Stück pro Jahr.

Das soll sich nun ändern. "Als größter Lkw-Markt der Welt ist China von zentraler Bedeutung für uns und zu einem der wichtigsten Märkte für zukünftiges Wachstum geworden", sagte Daimler-Trucks-Chef Martin Daum (61). "Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, haben wir beschlossen, vor Ort schwere Mercedes-Benz-Sattelzugmaschinen in China für China zu produzieren." Man ziele damit auf das obere Segment für technologisch hoch entwickelte Lastwagen, das sich in China derzeit sehr schnell entwickle. Das Marktpotenzial schätzt Daum auf mittlere Sicht auf eine fünfstellige Zahl an Fahrzeugen pro Jahr. Spezialfahrzeuge sollen auch künftig importiert werden.

Die Produktion soll in zwei Jahren beginnen. Das Geld fließt in den Kauf eines Werks und dessen Ausrüstung. Auch eine lokale Zulieferstruktur wollen Daimler und Foton darum herum aufbauen.

Daimler geht davon aus, dass in diesem Jahr mehr als die Hälfte aller weltweit verkauften Lastwagen in China zugelassen wird. 2019 hatte der Markt den Angaben zufolge ein Volumen von 1,1 Millionen Einheiten, dieses Jahr erwartet der Konzern nochmals mehr. BFDA hat in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres knapp 100.000 Auman-Lastwagen verkauft.

Daimler gilt als weltweiter Marktführer im Lkw-Geschäft, vor allem dank der Dominanz auf dem US-Markt. Volkswagen greift mit seiner Lkw-Holding Traton an : Während im schwachen Heimatmarkt drastisch gespart wird, investiert Traton Milliarden in die internationale Expansion. In den USA läuft die Übernahme des Herstellers Navistar, in China verkündete Traton Ende November den Bau eines eigenen Werks für den Markteintritt seiner schwedischen Marke Scania. Auch dort wird ein Produktionsstart 2022 angepeilt.

ak/dpa-afx