Freitag, 20. September 2019

Milliardenverlust im zweiten Quartal Abgas, Airbags, Absatz - Daimler senkt Gewinnziel

Daimler Chef Ola Källenius: Neue Gewinnwarnung und ein Milliardenverlust im zweiten Quartal

Der Autobauer Daimler überrascht mit einem milliardenschweren Quartalsverlust und senkt abermals seine Gewinnerwartungen. Der neue Daimler-Chef Ola Källenius, der erst vor knapp drei Wochen die damaligen Gewinnziele für dieses Jahr gekippt hatte, legte am Freitag nach.

Wegen der Dieselabgas-Affäre, Airbag-Rückrufen, Produktionsproblemen und Absatzschwierigkeiten werde das Betriebsergebnis im laufenden Jahr nicht stagnieren, sondern deutlich sinken, teilte der Autobauer mit.

Im zweiten Quartal schrieb Daimler Börsen-Chart zeigen außerdem einen operativen Verlust (Ebit) von 1,6 Milliarden Euro, nach einem Gewinn von 2,6 Milliarden im Vorjahresquartal.

Die Daimler-Aktie sackte zu Börsenbeginn um bis zu 4,5 Prozent ab und riss auch die Titel der Konkurrenz mit. Volkswagen und BMW fielen jeweils um bis zu 1,5 Prozent. Im Anschluss konnten die Papiere ihre Verluste jedoch etwas eingrenzen.

Rückstellungen für Airbags und Diesel-Verfahren

Zur Begründung für die Neueinschätzung nannte der Konzern höhere Rückstellungen für einen erweiterten Rückruf von Takata-Airbags, behördlichen und gerichtlichen Verfahren hinsichtlich Dieselfahrzeugen, eine Umsortierung des Produktportfolios von Mercedes-Benz Vans, verlangsamte Produktionshochläufe und eine Wachstumsschwäche der Automobilmärkte.

Der Schwede Källenius hatte erst im Mai den langjährigen Daimler-Chef Dieter Zetsche abgelöst. Ende Juni kippte er wegen der Abgasaffäre die Gewinnziele für dieses Jahr. Bereits dies begründete er mit Rückstellungen für behördliche Verfahren und Rückrufe von Dieselfahrzeugen. Schon das war die dritte Gewinnwarnung in einem Jahr - und für Källenius eine Bürde: In einem ohnehin schwierigen Jahr muss er nun bei laufendem Konzernumbau gegen einen Vertrauensverlust bei den Anlegern ankämpfen.

Dividendenkürzung möglich

Die US-Bank JPMorgan hat Daimler Börsen-Chart zeigen nach einer erneuten Gewinnwarnung zunächst auf "Overweight" mit einem Kursziel von 69 Euro belassen. Der Autobauer habe für das zweite Quartal überraschend einen operativen Verlust berichtet, schrieb Analyst Jose Asumendi in einer am Freitag vorliegenden ersten Reaktion. Das gesenkte operative Ergebnisziel (Ebit) für 2019 impliziere eine Kürzung seiner eigenen bisherigen Schätzung um über ein Viertel. Die Stuttgarter dürften nun auch über die Dividende nachdenken

la/reuters/dpa

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