Daimler verstärkt Bande mit China-Partner BAIC Dieter Zetsches diplomatischer Eiertanz in China

Daimler-Chef Dieter Zetsche will von Geely "Konsens" über die weitere Kooperation mit Geely-Konkurrent BAIC

Daimler-Chef Dieter Zetsche will von Geely "Konsens" über die weitere Kooperation mit Geely-Konkurrent BAIC

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Vor gerade mal zwei Tagen stellte Daimler-Chef Dieter Zetsche eines klar: Seinen bisherigen chinesischen Partnern BAIC und BYD will er die Treue halten - auch wenn das seinem neuen Großaktionär, dem chinesischen Autohersteller Geely, nicht passen könnte. Der in Chinas politischer Führung gut vernetzte Geely-Chef Li Shufu war im Februar überraschend mit fast 10 Prozent bei Daimler eingestiegen.

Über die weitere Daimler-Zusammenarbeit mit BAIC "würden wir gerne einen Konsens mit unserem chinesischen Partner haben", erklärte Zetsche auf dem Genfer Autosalon in Richtung Geely - und schob diplomatisch nach, dass ein Treffen mit Geely-Chef Shufu konstruktiv gewesen sei.

Doch in Zetsches Wortwahl klang durch, dass es über die Zusammenarbeit noch unterschiedliche Vorstellungen gibt. Gegen allzu große Kooperationsgelüste bauen die Stuttgarter bereits vor - indem sie Fakten schaffen. Wie Daimler nun bekanntgab, steigen die Stuttgarter bei BAICs Elektroauto-Tochter BJEV ein. Sie übernehmen 3,93 Prozent der Anteile.

Über die notwendige Geldsumme für den Anteilskauf will Daimler  auf Nachfrage keine Auskunft geben. Den Einstieg hatte der schwäbische Autohersteller bereits im Juni vergangenen Jahres verabredet. Damals stellte Daimler die Weichen zum Bau neuer Elektroautos in China - nun ist der Einstieg ein weitere Fingerzeig in Richtung Geely.

Diplomatischer Eiertanz des Daimler-Chefs

Bereits beim Einstieg von Geely hatten die Stuttgarter ein deutliches Zeichen gesetzt: Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Anteilskaufs gab Daimler bekannt, gemeinsam mit Geely-Konkurrent BAIC 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten in China zu investieren.

Die Freude über den neuen Großaktionär und dessen Pläne dürfte sich in Stuttgart eher in Grenzen halten - auch wenn Daimler-Chef Zetsche das möglichst nüchtern darstellt: In dem gemeinsamen Gespräch habe Shufu laut Zetsche angeregt, bei manchen Themen die Kräfte zu bündeln. Er wolle dies mit Daimler ausloten. "Wir haben das genauso gesehen", fügte Zetsche hinzu.

Die Schwaben seien für eine Kooperation in China offen. Insgesamt sehe er bei einer Zusammenarbeit mehr Chancen als Risiken. Den Einstieg von Geely nannte Zetsche "den Start zu einer bisher noch offenen Zukunft". Li Shufu habe auch nicht die Absicht geäußert, seinen Anteil über 10 Prozent zu erhöhen, beruhigte Zetsche noch in Genf. Der Geely-Chef strebe auch keinen Sitz im Aufsichtsrat an.

Alles bestens also mit dem neuen Großaktionär? Mitnichten. Geely ist Eigentümer des schwedischen Autobauers Volvo, auch am schwedischen Lkw- und Bus-Hersteller Volvo AB ist er beteiligt. Den Einstieg bei Daimler begründete er damit, eine Allianz zum Thema autonomes Fahren und Elektromobilität schmieden zu wollen. Das scheint nicht nur Daimler nicht so recht zu passen - auch in seinen eigenen Reihen stößt Geely-Chef Shufu damit nicht gerade auf Begeisterung.

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So erklärte etwa Volvo-Chef Hakan Samuelsson jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass er speziell bei Nutzfahrzeugen große Probleme sehe. "Im Lkw-Geschäft sind Daimler und Volvo wirklich direkte Konkurrenten", meinte Samuelsson. "Es ist schwer, in zwei Wettbewerber zu investieren".

Und auch im Pkw-Geschäft könnte eine Kooperation zwischen Volvo und Mercedes schwierig sein, warnte Samuelsson. Volvo etwa sehe sich im Bereich des autonomen Fahrens als technisch führend an. "Wenn man glaubt, dass man es selbst besser kann, gibt es wenig Interesse am Teilen", meinte Samuelsson.

Zudem hat Daimler noch weitere Partnerschaften, in die die Stuttgarter bereits viel Zeit, Mühen und Geld investiert haben. Die Schwaben produzieren etwa mit dem lokalen Joint-Venture-Partner BYD batteriebetriebene Fahrzeuge unter der Marke Denza in China. Die Fahrzeuge basieren auf Daimlers B-Klasse-Plattform, die Batterietechnik stammt von BYD. Richtig erfolgreich ist die Kooperation bislang nicht: Nach wie vor gibt es nur ein Denza-Modell, das im vergangenen Jahr gerade mal auf 4700 Verkäufe kam.

Das Fahrzeug erhalte "gute Kundenresonanz" in China, hält Daimler auf Nachfrage von manager-magazin.de gegen - immerhin sei der Absatz im vergangenen Jahr um 85 Prozent gewachsen. Zur Einordnung: Die bestverkauften Elektromodelle in China, BAICs EC-Serie, kommen auf gut das Zweieinhalbfache - pro Monat.

Trotzdem haben Daimler und BYD im Mai 2017 eine Kapitalerhöhung für das Joint-Venture beschlossen - Daimler zahlte rund 65 Millionen Euro dafür ein. Für den Start der Produktion haben Daimler und BYD zusammen rund 300 Millionen Euro ausgegeben. Zur Frage, ob es weitere Denza-Modelle geben soll, hält sich Daimler bedeckt. Man wolle sich dazu äußern, "wenn der Zeitpunkt gekommen ist". Klar ist aber eines: Sollte die Kooperation enden, hätte Daimler eine größere Summe Geld in den Sand gesetzt.

Zetsche: BAIC könnte als weiterer Aktionär bei Daimler einsteigen

Noch kritischer wäre ein Aus für eine weitere Daimler-Kooperation: Bereits seit April 2010 arbeitet Daimler mit Renault und Nissan zusammen. Auf diese Partnerschaft habe der Geely-Einstieg keinen Einfluss, erklärte Daimler-Chef Zetsche in Genf nochmal klar. Mit Geely gebe es weniger Überschneidungen im Produktportfolio als mit Renault-Nissan. Damit gebe es auch weniger Ansatzpunkte für industrielle Überlegungen.

Kein Wunder also, dass Zetsche in Genf noch eine Überlegung in den Raum warf, die Geely nicht unbedingt freuen dürfte. Der Daimler-Chef schloss nicht aus, dass auch BAIC sich nun an Daimler beteiligen wolle. Die Absicht hätten die Chinesen schon vor Längerem geäußert. Der Einstieg von Geely könnte das Interesse nun womöglich neu beleben.

Das klingt so, als hoffe Daimler auf Beistand gegen allzu große Geely-Kooperationsgelüste.

mit Material von dpa, Reuters