Donnerstag, 22. August 2019

Wachstumsraten wie aus einer fernen Zeit Mercedes-Benz erlebt "besten Juli aller Zeiten"

Die Kernmarke Mercedes überrascht im Strom schlechter Branchenachrichten mit einem dicken Absatzplus im Monat Juli - und so soll es auch weitergehen, gibt sich der Vorstand optimistisch

Viel Grund zur Freude hatte Daimler in diesem Jahr bis jetzt nicht: Nach zwei Gewinnwarnungen in Folge allein in diesem Sommer steht die Aktie Börsen-Chart zeigen bei knapp 44 Euro - und damit gut 16 Euro niedriger als noch zum Jahreshoch im April oder rund zwei Euro niedriger als zu Jahresbeginn. Am Mittwoch gabs nach langer Zeit mal wieder gute Nachrichten:

Die Kernmarke Mercedes-Benz hat ein maues erstes Halbjahr hinter sich gelassen und ist mit Verve ins dritte Quartal gestartet: Knapp 189.000 Autos brachte der Konzern im Juli weltweit an seine Kunden, ein Plus von 12,7 Prozent. "Der beste Juli aller Zeiten beim Absatz von Mercedes-Benz", jubelte dann auch Vorständin Britta Seeger.

Auf Sicht von sieben Monaten waren es 1,323 Millionen Autos - und im Jahresvergleich ein Minus von 2,4 Prozent. Glaubt man der für den Vertrieb der Marke Mercedes-Benz verantwortlichen Vorständin, soll es dabei nicht bleiben und die nächsten Monate weiter nach oben gehen.

Wachstumsraten - wie aus einer fernen Zeiten

Zweistellige Wachstumsraten wirken angesichts der sich anbahnenden Krise der Branche wie Fundstücke aus einer fernen Zeit. Dabei hatte Ola Källenius im Strom der schlechten Nachrichten das berüchtigte Licht am Ende des Tunnels schon ein wenig aufflackern lassen, als er Ende Juli erstmals in der Rolle des neuen Vorstandschefs die Zahlen kommentieren musste: "Wir erwarten eine starke Verbesserung im zweiten Halbjahr, weil wir ein starkes Produktportfolio haben. Unsere Pipeline ist voll", zitiert die "FAZ" den Manger aus einer Telefonkonferenz.

Helfen im zweiten Halbjahr sollen vor allem auch die neuen Modelle in den Kompaktklassen A und B. Die Verkäufe der Kompaktmodelle legten im Juli um fast 30 Prozent zu. Auch die S-Klasse (+17,7 Prozent), E-Klasse und C-Klasse (jeweils rund +11 Prozent) trugen zu der guten Juli-Bilanz bei. Im Juli erzielte die Marke mit dem Stern den Angaben zufolge in allen Regionen und Kernmärkten ein zweistelliges Absatzplus.

Heimatmarkt Deutschland wächst überproportional stark

Dabei wuchs der Absatz im Heimatmarkt Deutschland um 18,2 Prozent auf 26.331 Einheiten und erreichte nach sieben Monaten (174.000) wieder das Niveau des Vorjahres. Wichtigster Absatzmarkt für Mercedes bleibt China mit 59.435 verkauften Mercedes - ein Plus von 13 Prozent. Auf Sicht von sieben Monaten sind es im Jahresvergleich noch 2,9 Prozent mehr oder rund 404.000 ausgelieferte Personenwagen mit dem Stern.

Auch wenn der Verkauf der hierzulande umstrittenen SUV zuletzt ein wenig schwächelte - im Juli war fast jeder dritte weltweit verkaufte Mercedes so eine sportliche Geländelimousine (61.000). Allein bei der wuchtigen G-Klasse liegt der Absatz mit rund 20.000 Exemplaren laut Konzernangaben nach sieben Monaten bei mehr als 20.000 Stück - ein Plus von sage und schreibe 79 Prozent.

Fast jeder dritte verkaufte Mercedes ist ein SUV

Zwei Effekte allerdings haben den Absatz im Juli begünstigt und lassen die Zuwächse deshalb jetzt auch vergleichsweise hoch erscheinen: Zum einen hatte Mercedes im Juli vergangenen Jahres wegen eines Modellwechsels rund 8 Prozent weniger Autos abgesetzt.

Zum anderen hat Daimler die Probleme im US-Werk in Tuscaloosa offenbar in den Griff bekommen. Hier stockten nach Presseberichten längere Zeit die Auslieferungen, weil angeblich gleich drei Zulieferer schlechtere Qualität abgehliefert haben sollen und somit Tausende SUV zwischengeparkt werden mussten.

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