Nach Gewinneinbruch - Aktie steigt deutlich Daimler legt alle Hoffnungen auf das vierte Quartal

Ausgaben im Zuge der Diesel-Krise und schwache Verkaufszahlen haben das Ergebnis von Daimler deutlich gedrückt. Der Absatz von Mercedes ging um 6 Prozent zurück. Gleichwohl notiert die Aktie von Daimler im Plus, denn der Konzern hatte vor niedrigeren Gewinnen bereits gewarnt.
Daimler-Chef Dieter Zetsche: Der Konzern setzt alle Hoffnungen auf das vierte Quartal

Daimler-Chef Dieter Zetsche: Der Konzern setzt alle Hoffnungen auf das vierte Quartal

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Ausgaben im Zusammenhang mit der Diesel-Krise und schwache Verkaufszahlen haben beim Autokonzern Daimler  kräftig auf die Gewinne geschlagen. Im dritten Quartal rutschte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn gegenüber dem Vorjahr um 21 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro ab, wie der Dax -Konzern am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Der Umsatz stagnierte nahezu bei 40,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 40,7 Milliarden Euro). Das Daimler-Management setzt nun auf einen Endspurt zum Jahresschluss.

Anleger teilen offenbar diese Hoffnung: Die Aktie von Daimler  legte am Donnerstag zuletzt um 3,1 Prozent zu und gehörte damit zur Spitzengruppe im Dax. Allerdings hat Daimler in den vergangenen Wochen auch deutlich nachgegeben - die heutigen Kursgewinne sind zunächst eine Gegenreaktion nach kräftigen Verlusten.

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Wie schlecht es im abgelaufenen Dreimonatszeitraum gelaufen ist, zeigt sich im wichtigen Pkw-Geschäft an der viel beachteten operativen Marge, die den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz anzeigt. Sie sackte von 9 Prozent vor einem Jahr auf nun 6,3 Prozent - weit entfernt von der Zielmarke 10 Prozent, die Daimler im Schnitt anstrebt. Nach neun Monaten steht die Marge bei 7,9 Prozent.

Schon am vergangenen Freitag hatte Daimler vorläufige Zahlen vorgelegt und zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Gewinnprognose zurückgenommen. 2018 soll der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) nun "deutlich" unter dem Wert des Vorjahres in Höhe von 14,3 Milliarden Euro liegen. Das bedeutet bei Daimler einen Rückgang um mehr als 10 Prozent. Die Aktie lag nach dem Handelsstart nahezu unverändert - Überraschungen habe es im detaillierten Zahlenwerk keine gegeben, schrieb Analyst Christian Ludwig vom Bankhaus Lampe.

Kostspielige Software-Updates

Schuld am schlechten Abschneiden von Daimler ist eine Gemengelage aus verschiedenen Faktoren: Dazu gehören die kostspieligen Software-Updates für Diesel-Fahrzeuge und sinkende Verkaufszahlen - auch hier spielen Auslieferungsstopps von Dieseln eine Rolle, außerdem Verzögerungen bei der Zertifizierung nach dem neuen Abgastestverfahren WLTP. Hinzu kommen Rückstellungen für den Rechtsstreit um Kältemittel sowie ein schwacher Absatz im Bus- und Transportergeschäft.

Besser lief es lediglich in der Lastwagensparte, die ihre operative Marge deutlich von 6,7 Prozent auf 8,5 Prozent hochschrauben konnte. Immerhin das sei beeindruckend, schrieb Analystin Dorothee Cresswell von der britischen Bank Barclays.

Allein die Diesel-Maßnahmen bei Mercedes-Benz im dritten Quartal hätten mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag zu Buche geschlagen, sagte Finanzchef Bodo Uebber in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Genauere Details wollte er nicht nennen - mit den entsprechenden Behörden sei Verschwiegenheit vereinbart worden.

Daimler legt Hoffnungen auf das Schlussquartal

Das Stuttgarter Management legt nun viele Hoffnungen auf das Schlussquartal. Der Umsatz in der Autosparte soll am Jahresende nach wie vor das Vorjahresniveau erreichen, obwohl er im dritten Quartal infolge sinkender Absätze um 7 Prozent zurückging. Nach neun Monaten steht bei Mercedes-Benz ein Umsatzrückgang von 3 Prozent zu Buche.

Es sei anspruchsvoll für die Vertriebsmannschaft, den Rückstand aufzuholen, sagte Uebber. "Wir erwarten in China im Premiummarkt weiter gute Wachstumsschancen", sagte er. Der Automarkt im insgesamt größten Einzelmarkt von Mercedes geht seit Monaten zurück. Die Bedingungen auf den Weltmärkten seien insgesamt auf einem soliden Niveau, auch wenn sich die Märkte deutlich voneinander unterschieden, so Uebber.

Der Manager will durch den Mittelzufluss im Industriegeschäft auch weiter die Finanzierung der Dividendenzahlung sicherstellen. In diesem Jahr hat Daimler 3,9 Milliarden Euro ausgeschüttet - diesen Wert will Uebber am Jahresende beim Free Cashflow übertreffen. Eine Herausforderung, da in der Kasse nach neun Monaten insgesamt ein Minus von 60 Millionen Euro aufgelaufen ist.

40 Prozent des Gewinns als Dividende

Analysten sorgen sich in diesem und dem kommenden Jahr um den Free Cashflow bei Daimler, der die Dividende sicherstellt. Um das Ziel zu erreichen, müssten sich die Fahrzeugbestände im vierten Quartal wie geplant reduzieren, sagte Uebber. Durch den zuletzt schleppenden Absatz hat Daimler viele Autos und Teile auf Lager, die zunächst für Geldabflüsse gesorgt haben.

Daimler will nach Angaben von Uebber zum einen weiter 40 Prozent des Gewinns ausschütten - zum anderen aber auch eine "nachhaltige" Entwicklung der Dividende im Auge behalten. Für das vergangene Geschäftsjahr hatte Daimler 3,65 Euro je Papier gezahlt.

Bei dem geplanten Joint Venture mit dem Rivalen BMW im Geschäft mit Mobilitätsdiensten wie Carsharing rechnen die Stuttgarter noch in diesem Jahr mit der Zustimmung der Behörden. In Europa und den USA sind nach Angaben von Uebber aber noch keine Genehmigungen eingegangen

rei/la/reuters/dpa
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