Großumbau im Kontrollgremium Bernd Pischetsrieder soll Daimler-Aufsichtsrat führen

Der Daimler-Konzern holt mehrere Topmanager in den Aufsichtsrat. Den Vorsitz soll Bernd Pischetsrieder übernehmen, der bereits als CEO von BMW und Volkswagen gedient hat.
Ein Mann, drei Autokonzerne: Bernd Pischetsrieder (Bild von 2011) war Vorstandschef von BMW und Volkswagen, jetzt soll er den Aufsichtsrat von Daimler führen

Ein Mann, drei Autokonzerne: Bernd Pischetsrieder (Bild von 2011) war Vorstandschef von BMW und Volkswagen, jetzt soll er den Aufsichtsrat von Daimler führen

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Der ehemalige BMW- und Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder (72) soll neuer Chef des Daimler-Aufsichtsrates werden. Der Manager ist seit 2014 im Kontrollgremium des Dax-Konzerns vertreten und soll mit Zustimmung der Hauptversammlung Ende März 2021 an der Spitze den ausscheidenden Manfred Bischoff (78) ersetzen, wie das Unternehmen am Donnerstag in Stuttgart mitteilte.

Neu in das Gremium einziehen sollen BASF-Chef Martin Brudermüller (59), Shell-Chef Ben van Beurden (62) sowie die Managerin Liz Centoni vom US-Netzwerkspezialisten Cisco. Sie ersetzen die neben Bischoff ebenfalls ausscheidenden Petraea Heynike (73) und Jürgen Hambrecht (74).

Der langjährige ehemalige Daimler-Chef Dieter Zetsche (67) wird hingegen nicht für den Aufsichtsrat nominiert. Er hatte die zuvor gehegte Absicht, nach einer Abkühlphase an die Spitze des Aufsichtsrats zu wechseln, unter anderem wegen Kritik von Investoren bereits ad acta gelegt.

Ein klassischer Car Guy

Pischetsrieder dürfte eine Übergangslösung sein. Sein Mandat läuft noch bis 2024. Dann ist er für eine Wiederwahl für eine weitere volle Amtszeit eigentlich zu alt. Die Geschäftsordnung sieht für die Wahl in den Daimler-Aufsichtsrat "in der Regel" eine Altersgrenze von 72 Jahren vor; Pischetsrieder wäre dann schon 76. Ein Sprecher betonte, bei der Regel handle es sich um eine "Kann-Bestimmung", auch Bischoff sei bei seiner letzten Wahl schon älter gewesen. Er steht seit 2007 an der Spitze des Aufsichtsrats.

Pischetsrieder hatte bei BMW Karriere gemacht, die er mit dem Vorstandsvorsitz von 1993 bis 1999 krönte. Dabei fiel vor allem die glücklose Übernahme des britischen Autoherstellers MG Rover auf. Anschließend wechselte der gebürtige Münchener als Seat-Chef zum Volkswagen-Konzern, wo er von 2002 bis 2006 ebenfalls den Spitzenposten bekleidete, bis er mit dem damaligen Konzernpatriarch Ferdinand Piëch aneinandergeriet. Als bleibendes Erbe hinterließ Pischetsrieder den Einstieg in das bis heute boomende SUV-Segment mit Autos wie dem VW Touareg.

Bis zum vergangenen Jahr hatte er den Aufsichtsrat des Rückversicherers Munich Re geführt. "Bernd Pischetsrieder ist einer der international anerkanntesten Automobilexperten", begrüßte Manfred Bischoff die Festlegung auf seinen Nachfolger. "Er hat die Entscheidungen, den Konzern zu digitalisieren und das Produktportfolio zu elektrifizieren und damit neu auszurichten, intensiv begleitet."

Bisher war der Maschinenbauingenieur eher als klassischer Car Guy bekannt, der privat eine Sammlung von Oldtimern unterhält, eigenes Vermögen im Oldtimerhandel investierte und schnelle Autos liebt. Über Elektro- und Hybridautos äußerte er sich als aktiver Manager oft abfällig. "Aufbruch in das Zeitalter der Elektromobilität und Digitalisierung sieht anders aus", kommentierte NordLB-Analyst Frank Schwope die Personalie.

ak/dpa, Reuters