Mittwoch, 11. Dezember 2019

Joint Venture mit Geely Daimler baut den Smart künftig in China

Smart-Produktion in Hambach, Frankreich: Durch das neue Joint Venture werden die Autos künftig in China entwickelt und produziert - das Design soll allerdings weiter von Mercedes-Benz-Designer Gorden Wagener stammen

Nun ist es offiziell und ging doch schneller als erwartet: Der Autobauer Daimler Börsen-Chart zeigen gründet für seine Kleinwagentochter Smart ein Joint Venture mit seinem chinesischen Großaktionär Geely. Schon die nächste Generation des Kleinwagens soll in einer neuen, eigens von Geely für den Smart gebauten Fabrik in China produziert werden, teilten Daimler und Geely am Donnerstag mit.

Die neuen Modelle sollen rein elektrisch fahren und von 2022 an auf den Markt kommen. Das 50:50-Gemeinschaftsunternehmen wird voraussichtlich bis Ende 2019 gegründet. Mit Geely könne Smart weltweit zu neuem Wachstum aufbrechen, erklärte Zetsche. "Denn nicht nur im Reich der Mitte sehen wir für unser kleinstes Fahrzeug noch riesige Chancen." Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Bereits am Vortag hatte manager-magazin.de berichtet, dass eine Vertragsunterzeichnung unmittelbar bevorstehe: "Wir sind auf der Zielgeraden."

Daimler bringt vor allem die Marke und auch das Konzept des Kleinwagens in das Gemeinschaftsunternehmen ein, Entwicklung und Produktion finden künftig bei Geely statt, was deutlich kostengünstiger ist. Am bisherigen Smart-Produktionsort im französischen Hambach werden bis zur Markteinführung der neuen Modelle weiterhin Smarts gefertigt. Parallel wird dort die Produktion der Kompaktwagen von Daimlers neuer Elektromarke EQ aufgebaut. Die Smart-Beschäftigten sollten ihre Jobs behalten und künftig im Joint-Venture oder an anderer Stelle bei Daimler arbeiten.

In Hambach arbeiten einem Sprecher zufolge rund 700 Menschen für Daimler. Hinzu kommen etwa 170 Beschäftigte in Vertrieb und Entwicklung bei Smart am Standort Böblingen. Wie viele Mitarbeiter das neue Joint Venture haben wird, ist bislang nicht bekannt.

Kunden müssen bis zu einem Jahr auf den E-Smart warten

Das manager magazin hatte bereits in seiner März-Ausgabe berichtet, dass Daimler für das Nachfolgemodell des Smart einen Partner sucht und deshalb Gespräche mit Daimler-Großaktionär Geely führe.

Das jetzt vereinbarte Joint Venture dürfte vor allem beflügelt haben, dass Daimler mit Smart seit Bestehen der Marke nur Verluste einfährt. Zudem lief der Start des Smart in das Elektrozeitalter bislang mehr als holprig. Daimler verkaufte keine 15.000 Elektroversionen des Kleinwagens im vergangenen Jahr. Kunden müssen derzeit bis zu ein Jahr auf einen E-Smart warten. Dabei seien aktuell aktuell weniger die Zellen das entscheidende Problem, sondern die Batteriesysteme, hatte manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren. Sie müssen so gebaut werden, dass sie dicht, stabil und sicher sind. Da sammelt Daimler derzeit offenbar noch einige Lernerfahrung. Spätestens in einem Jahr aber solle die Batterie-Elektrik kein Problem mehr darstellen.

Bei Smart gehen sie jetzt gemeinsame Wege (v. links): An Conghui (Präsident Geely Holding), Li Shufu (CEO Geely) Daimler-CEO Dieter Zetsche und sein Nachfolger Ola Källenius

Zudem gab es Ärger mit dem Batterie-Lieferanten LG Chem, was den Absatz zusätzlich bremste. Bislang war der Kleinwagen in Kooperation mit Renault gefertigt worden.

Zuletzt ging der gesamte Absatz um 4,6 Prozent auf 128.802 Fahrzeuge zurück. Zum Start der Marke vor 20 Jahren war einmal das Ziel von 200.000 ausgegeben worden - so viele Autos könnten jährlich in Hambach gefertigt werden. Daimler macht keine Angaben zu Umsatz und Gewinn. Experten wie die Analysten von ISI Everscore zweifeln aber daran, dass der Bereich profitabel ist. Daimler hätte in der Vergangenheit jährlich 500 Millionen Euro Verlust mit Smart eingefahren. Die Marke selbst hingegen gilt als durchaus wertvoll.

Geely will den Smart auch in der Kompaktwagengröße entwickeln

Zusammen mit Großaktionär Geely soll das Angebot von Smart nun weiter ausgebaut werden. So sollen die Fahrzeuge auch in der nächsten Kompaktwagengröße - dem sogenannten B-Segment - angeboten werden. Das Aussehen wird weiter von Mercedes-Benz-Designer Gorden Wagener stammen, entwickelt wird das Fahrzeug aber bei Geely.

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen hält den Schritt für richtig. "Dann kommt Daimler mit dem Elektro-Smart nach China und hat mit Geely eine zweite große Verkaufsorganisation", sagt er. Der Schritt zeige auch, dass Geely-Gründer Li Shufu ein Manager sei, der mit Kooperationen alle seine Beteiligungen versuche, erfolgreich zu machen.

Der chinesische Autobauer, zu dem schon Volvo gehört, war Anfang 2018 mit 9,7 Prozent bei Daimler eingestiegen. Im Oktober vereinbarten beide Seiten die Zusammenarbeit bei Fahrtenvermittlungen im Luxussegment in China. Auch dafür gründen die beiden Konzerne ein Gemeinschaftsunternehmen.

rei/mg/dpa-afx

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