Starkes erstes Quartal Daimler vervielfacht Gewinn - dank China

Das China-Geschäft floriert, die Kosten sinken, Daimlers Gewinn im ersten Quartal schnellt hoch. Alle Sparten liefern mehr ab als erwartet. Daimler konnte dank starker Nachfrage offenbar höhere Preise durchsetzen.
Hebt er ab? Wohl nicht, doch Daimler-Chef Ola Källenius kann für das erste Quartal deutlich bessere Kennzahlen vorweisen als erwartet

Hebt er ab? Wohl nicht, doch Daimler-Chef Ola Källenius kann für das erste Quartal deutlich bessere Kennzahlen vorweisen als erwartet

Foto: Marijan Murat/ dpa

Der Autobauer Daimler hat im ersten Quartal vor allem in China den Absatz gesteigert und beim Gewinn das schwache Vorjahresquartal klar übertroffen, erklärte Daimler am Freitag. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe im ersten Quartal knapp 5 Milliarden Euro betragen. Experten hatten lediglich knapp vier Milliarden Euro erwartet. Inklusive der Sondereffekte habe der operative Gewinn bei knapp 5,8 Milliarden Euro gelegen. Hier hatten Analysten im Schnitt knapp fünf Milliarden Euro erwartet.

"In einem sehr erfreulichen Marktumfeld setzen wir weiter konsequent unsere Strategie um", sagte Vorstandschef Ola Källenius (51). "Gleichzeitig wird deutlicher sichtbar, wie hart wir daran arbeiten, die Gewinnschwelle des Unternehmens abzusenken." Die starke Nachfrage habe sich positiv auf die Preise ausgewirkt, die Daimler bei den Kunden habe durchsetzen können. Der Produktmix habe sich hin zu lukrativeren Modellen verändert. Die Aktie von Daimler legte vorbörslich mehr als 2 Prozent zu.

Im ersten Quartal des vergangenen Jahres hatte Daimler wegen der Belastungen der Corona-Krise vor Zinsen und Steuern lediglich 617 Millionen Euro verdient. Vor Sondereffekten betrug das Ebit im ersten Quartal 2020 rund 719 Millionen Euro. Detaillierte Zahlen für das erste Quartal will der Konzern am 23. April veröffentlichen.

Pkw-Absatz schnellt um 22 Prozent hoch

Daimler hatte für das erste Quartal einen um 22 Prozent höheren Pkw-Absatz gemeldet, allein in China schnellten die Verkäufe um 60 Prozent in die Höhe. Trotzdem überraschte der Autobauer die Experten vor allem im Geschäft mit Pkw und Transportern. In dem größten Segment verdiente Daimler vor Zinsen und Steuern allein 4,1 Milliarden Euro, achtmal so viel wie ein Jahr zuvor und gut eine halbe Milliarde Euro mehr als von den Analysten im Schnitt erwartet. Die bereinigte Umsatzrendite der Sparte erreichte 14,3 Prozent. Daraus errechnet sich ein Umsatz von 26,9 Milliarden Euro, 16 Prozent mehr als im ersten Quartal 2020.

Auch im Geschäft mit Lastwagen und Bussen blieb trotz eines leichten Umsatzrückgangs deutlich mehr hängen als vor einem Jahr. Das Ebit vervierfachte sich auf 1,04 (0,25) Milliarden Euro und traf damit die Analystenprognosen. Der Umsatz lag bei rund 8,6 (8,7) Milliarden Euro. Källenius will die Truck-Sparte abspalten und separat an die Börse bringen. Die Dienstleistungssparte Mobility steuerte 744 (58) Millionen Euro zum Ergebnis bei, etwas mehr als gedacht.

Dabei landete deutlich mehr in der Kasse von Daimler als die Analysten erwartet hatten. Der Mittelzufluss (Free Cash-flow) aus dem Industriegeschäft lag bei 1,81 Milliarden Euro, vor einem Jahr waren noch 2,3 Milliarden abgeflossen. Auf der Hauptversammlung Ende März hatte Vorstandschef Källenius die Prognose für das Gesamtjahr bestätigt: Absatz, Umsatz und operatives Ergebnis (Ebit) sollen 2021 deutlich über dem Vorjahresniveau liegen. Beim Ebit fehlen Daimler nach einem Viertel des Jahres gerade noch rund 850 Millionen, um die 6,6 Milliarden Euro aus dem Vorjahr zu übertreffen.

Källenius: Durchbruch zur E-Mobilität früher möglich

Daimler hatte am Vorabend in einer Weltpremiere die neue Elektro-Luxuslimousine mit dem Namen EQS vorgestellt. Källenius hält einen schnelleren Durchbruch der Elektromobilität als bisher vom Autokonzern angepeilt für denkbar, wie er im Laufe des Abends betonte. Zurzeit spüre man eine "starke Nachfrage" nach rein elektrischen Autos und Hybridfahrzeugen, sagte Källenius.

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Mercedes EQS - der Elektro-Leitstern in Bildern

Foto: Daimler

Nach aktuellem Stand peilt Daimler in seiner Pkw-Sparte bis 2030 einen Absatzanteil elektrifizierter Autos von "mehr als 50 Prozent" an - darunter fallen sowohl rein elektrische Autos als auch Hybride. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2021 betrug der Anteil von E-Autos am Gesamtabsatz erst 10 Prozent, allerdings wächst dieser Sektor gerade stark. Details zu den Gedankenspielen, den Zielwert möglicherweise schneller zu erreichen, wollte Källenius auf Nachfrage nicht nennen.

Der EQS, den Daimler der Öffentlichkeit im Rahmen einer Onlineshow am Donnerstagabend präsentierte, ist aktuell das leistungsfähigste reine Elektroauto der Stuttgarter. Leistungstechnisch kann es nach Meinung vieler Experten mit Autos großer Konkurrenten zumindest mithalten. Daimler sichert den Kunden eine Batteriereichweite von bis zu 770 Kilometern nach dem neuen Prüfstandard WLTP zu. Es wird erwartet, dass der EQS im Sommer in die Autohäuser kommt. Details zum neuen Elektro-Flaggschiff und zur Weltpremiere lesen Sie hier.

rei/Reuters/DPA