Li Shufu Großaktionär Geely will Daimler in Allianz drängen

Der Chef des Daimler-Großaktionärs Geely, Li Shufu, will den Konzern offenbar in eine Allianz drängen. "Wir müssen aktiv die Möglichkeit umfangreicher Allianzen ausloten", fordert Li in einem FAZ-Beitrag und nennt zugleich ein Ziel: "Die Rendite der Aktionäre zu steigern". Daimler-Chef Dieter Zetsche dürfte die forsche Ansage des Großinvestors nicht gerade gefallen.
Ist vom Wert weiterer Kooperationen überzeugt: Geely-chef und Daimler-Großaktionäre Li Shufu

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Man kann nicht sagen, dass Dieter Zetsche seinen neuen Großaktionär Geely gerade mit offenen Armen empfangen hätte. Eher professionell und unterkühlt reagierten die Stuttgarter seinerzeit auf die Tatsache, dass sich Geely-Chef Li Shufu 10 Prozent der Daimler -Aktien  zusammengekauft hatte.

Schon seit geraumer Zeit versucht der chinesische Milliardär, die europäische Autoindustrie aufzumischen. Den Einstieg 2011 beim schwächelnden Autobauer Volvo belächelten die Wettbewerber zunächst, mussten aber schnell feststellen, dass Li die Übernahme zum Erfolg führte. Beteiligt ist Li auch am gleichnamigen schwedischen Lkw-Bauer, am malaysischen Hersteller Proton, dem Start-Up für fliegende Fahrzeuge Terrafugia und dem Hersteller der traditionellen schwarzen Londoner Taxis.

"Zahlreiche Akquisitionen" böten beträchtliche Chancen für Technologien, niedrigere Kosten und neue Märkte, ist Li überzeugt. Will der Tausendsassa jetzt auch Daimler in eine vertiefte Allianz drängen? Es scheint fast so.

"Wir müssen aktiv die Möglichkeit umfangreicher Allianzen ausloten, anstatt uns der Realität zu entziehen und den Kopf in den Sand zu stecken", schreibt Li in einem Beitrag für die "FAZ"  (kostenpflichtig) und ruft zur Prüfung von Partnerschaften auf: "Wenn eine mögliche Partnerschaft den Anforderungen von Gesetzen und Verordnungen entspricht, kann und sollte jede bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit von beiderseitigem Nutzen diskutiert werden."

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Traditionelle Autobauer benötigten ein Selbsterwachen, heißt es schon ein wenig missionarisch in dem Beitrag. "Diejenigen, die bereit sind, sich zusammenzuschließen, um proprietäre digitale Plattformen zu schmieden, die von ihren verschiedenen Marken gemeinsam genutzt werden können, werden ein Erfolgsrezept haben, da unsere Branche immer härter umkämpft wird."

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Welchen Partner Li für Daimler womöglich im Blick hat, ließ er in dem Beitrag offen. Doch unterschätzen oder gar belächeln wird Zetsche den extrem wendigen und einfallsreichen neuen Partner aus China nicht mehr. Schon einmal hatten die Stuttgarter Li abblitzen lassen. Und ein paar Monate später? Plötzlich Großaktionär!

Quasi wie zum Trotz gegen eine womöglich engere Verzahnung oder Überkreuzbeteiligung mit Geely hatte sich Daimler ebenso überraschend an der chinesischen Elektroautotochter BJEV seines langjährigen chinesischen Partners BAIC mit knapp 4 Prozent beteiligt.

Mit anderen Worten: Daimler will und wird sich auf Anweisung seines neuen Großaktionärs nicht einfach in eine strategische Allianz begeben - mit wem auch immer. Den Einstieg von Geely hatte Zetsche ganz bewusst als "Start zu einer bisher noch offenen Zukunft" beschrieben. Nicht mehr und nicht weniger.

Li Shufu soll Zetsche gegenüber bislang nicht die Absicht geäußert haben, seinen Anteil über 10 Prozent zu erhöhen. Der Geely-Chef strebe auch keinen Sitz im Aufsichtsrat an, hieß es noch im März. Doch der Mann ist Überzeugungstäter und verfolgt seine Ziele ausdauernd und beharrlich.

Kooperationen stellten keine Gefahr für die Unabhängigkeit eines Autobauers dar, hebt Li in dem Beitrag mehrfach hervor. Zugleich aber verknüpft Li Forderungen nach mehr Zusammenarbeit mit dem erklärten Ziel, "Skaleneffekte zu nutzen" und die "Rendite der Aktonäre zu steigern".

Sätzen wie diesen wird Daimler-Chef Zetsche nicht zuletzt im eigenen Interesse hohe Aufmerksamkeit schenken.

mit Material von dpa
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